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Was wir von der Nationalelf lernen können

Erst vor wenigen Wochen durften wir erleben, wie die Teammitglieder der deutschen Nationalmannschaft über sich hinauswuchsen. Neben Talent, Training und Disziplin scheint Motivation ein Motor zu sein, dessen Funktionsfähigkeit über Siegen und Verlieren entscheiden kann. Denn wie schon vor vier Jahren von Jürgen Klinsmann hörten wir auch jetzt wieder von Joachim Löw, dass die Spieler „bis in die Haarspitzen“ motiviert seien.

Motivation ist nicht nur für Spitzensportler essentiell!

Motivation ist nicht nur für Spitzensportler essentiell!

Foto: panthermedia.net/Maxisports

Aber wie ist das mit der Motivation in Berufen außerhalb des Sportplatzes? Wie kann ich erkennen, ob jemand motiviert ist? Oder noch besser: Wie kann ich andere von meiner Motivation überzeugen?

Dazu muss man zunächst zwei Arten von Motivation unterscheiden: die extrinsische und die intrinsische Motivation. Die extrinsische Arbeitsmotivation bezieht sich auf jene Motive, die nicht durch das Tätigsein selbst, sondern durch die Folgen der Tätigkeit oder durch deren Begleitumstände befriedigt werden. Jene Motive, die durch die Tätigkeit selbst befriedigt werden, nennt man intrinsische Motive.

Ein besonders wichtiges extrinsisches Motiv ist der Wunsch nach Geld. Mit dem in unserem Kulturkreis vorherrschenden relativen Wohlstand und der gleichzeitigen Zunahme der Arbeitslosigkeit hat sich jedoch das Sicherheitsbedürfnis als noch wichtigeres extrinsisches Arbeitsmotiv entwickelt. Man möchte einerseits das gute Einkommen auch in Zukunft gesichert wissen, gleichzeitig jedoch auch Status und Einfluss, Anerkennung und gute äußere Arbeitsbedingungen im Beruf erleben. Neben Geld und Sicherheit ist Geltungsbedürfnis als Arbeitsmotiv zu nennen. Die berufliche Stellung ist weitgehend die Ursache dafür, wie wir innerhalb des Betriebes angesehen werden, wie hoch unser Prestige ist. Sie ist aber durchaus auch eine Bestimmungsgröße für das Ansehen, das wir außerhalb des Betriebes, im Familien, Freundes- und Bekanntenkreis oder in der Nachbarschaft genießen.

Zu den intrinsischen Motiven zählt der Wunsch nach Energieabfuhr. Überlastung ist unangenehm, gänzliches Untätigsein jedoch auch. Ein mittlerer Grad an Aktivität und Tätigkeit ist der menschlichen Motivation angemessen. Gemäß den Erkenntnissen aus der Verhaltensbiologie ist der Mensch in gewissem Maß auf Anstrengung programmiert. Lust ohne Anstrengung führt zu Langeweile bis hin zur Aggression. Arbeit soll die Einheit von Lust und Anstrengung ermöglichen, die man auch als Leistung bezeichnen kann. Leistung erbringen heißt suchen, erforschen und überwinden neuer Herausforderungen als Wissenserwerb, als Problembewältigung, als Meistern von Risiken. Man bezeichnet dieses Gefühl nach einer Problemlösung oder der Bewältigung einer Gefahr, diesen „besonders dynamischen Zustand“, auch als „Flow“. Dies bedeutet jedoch auch, dass eine routinierte Tätigkeit, selbst wenn sie noch so gekonnt durchgeführt wird, am Ende zu Langeweile führt. Beruflicher Freiraum für Kreativität und Eigenverantwortung ist also wichtig.

Die Leistungsmotivation ist ein weiteres intrinsisches Motiv. Ein herausforderndes Leistungsziel, das man sich selbst gesetzt hat, befriedigt. Der Beruf bietet die Möglichkeit dafür, und zwar umso stärker, je selbstständiger man innerhalb seiner Tätigkeit ist, je mehr man also Einfluss auf die eigenen Aufgaben und Arbeitsziele hat.

Ein weiteres Motiv dieser Gruppe ist das Kontaktbedürfnis. Moderne Arbeit ist weitgehend Teamarbeit geworden und erfordert deshalb unter anderem zwischenmenschliche Gespräche als Teil der Arbeit.

Mit Hilfe seiner beruflichen Tätigkeit Einfluss auf Personen, Sachzusammenhänge und Ereignisse zu nehmen, befriedigt ein weiteres intrinsisches Motiv: das Machtstreben – auch wenn diese Vokabel im Allgemeinen vermieden wird. Dies funktioniert, wenn der Mensch das Gefühl und die Gelegenheit hat, auf eigene Verantwortung hin zu agieren statt „auf Befehl“ anderer.

Das Bedürfnis, nicht sinnlos dahin zu vegetieren, sondern etwas zu leisten, was der Gemeinschaft nützt und Bedeutung hat, ist der Wunsch nach Sinngebung und Selbstverwirklichung. Der Beruf bietet dazu die Möglichkeit, wenn dem Einzelnen einsichtig ist, welches Gewicht seine Tätigkeit für einen größeren Zusammenhang hat.

Zusammenfassend bedeutet dies, dass extrinsische Faktoren zwar durchaus über Zufriedenheit und Unzufriedenheit entscheiden, echte, anhaltende Zufriedenheit, herausragende Leistungen und Erfolge jedoch erst über die Befriedigung intrinsischer Motive erreicht werden können. Ein relativ hohes Gehalt kann demnach nur kurzfristig über eine sinnlose, uninteressante Tätigkeit und fehlende Eigenverantwortung hinwegtrösten. Auf Dauer ist die einzige wirklich effektive Motivation die intrinsische. Dies beinhaltet auch die Fähigkeit, sich selbst motivieren zu können und diese Selbstmotivation in effektives Handeln umzusetzen.

Um nun meine eigene Motivation auf den Prüfstand zu stellen, muss ich reflektieren, was mich selbst bisher vor allem bewegt hat. Wann waren meine zufriedensten Arbeitsmomente? Wann ging oder geht es mir wirklich richtig gut in meiner beruflichen Tätigkeit? Was hat meinen „Flow“ begründet? Wer sich über seine Motivation im Klaren ist, ist auch in der Lage darüber zu reden. Indem ich meine Motivation formuliere, kann ich auch andere von meinem Leistungsversprechen überzeugen – in Mitarbeitergesprächen, in der schriftlichen Bewerbung und auch im Vorstellungsgespräch.

Was wir von Löw & Co. lernen durften, ist die Kunst, an sich selbst zu glauben und sich selbst motivieren zu können: In den entscheidenden Momenten so hoch (intrinsisch) motiviert zu sein, dass weder Torrückstand noch in gelbe und rote Karten verliebte Schiedsrichter die Kraft und Energie stoppen können, die zu Sieg und Erfolg führen.

www.juttaschober.de

 

Von Jutta Schober-Stockmann, Business Trainer & Coach, Meerbusch

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