Berufliche Neuorientierung 28.10.2003, 01:00 Uhr

Was Ingenieure 50plus bei der Stellensuche beachten sollten

Wenn Ingenieuren 50plus die Arbeitslosigkeit droht, gilt es, schnell zu handeln. Massives Bewerben sollte selbstverständlich sein. Gleichzeitig müssen die Ingenieure 50plus ihre Ansprüche überdenken und dennoch selbstbewusst auftreten. Zu geringe Gehaltsvorstellungen machen Arbeitgeber zum Beispiel skeptisch.

Ingenieure 50plus sollten schnell handeln.

Ingenieure 50plus sollten schnell handeln.

Foto: Wavebreak Media / Thinkstock

Wer heute sicher im Sattel sitzt, sollte im Alter von 50plus als Ingenieur am Arbeitsmarkt nicht mit dem Feuer spielen. Das Wechselrisiko ist hoch – trotz guter Arbeitsmarktkonjunktur. Schnell und massiv reagieren sollten dagegen ältere Arbeitnehmer, die die Entlassung fürchten, bereits freigestellt oder ohne Job sind. Natürlich hängt der Handlungszwang auch vom „Auslaufmodell“ des Arbeitsverhältnisses beim eigenen Arbeitgeber ab. Mit dem goldenen Handschlag wird allerdings nicht jeder entlassen.

Wer als Ingenieur 50plus nach beruflichen Alternativen sucht, tut sich schwer – trotz vermeintlichem Fachkräftemangel! Dennoch sind Bewerber im Alter von 50plus nicht ohne Chance. Wie so oft, entscheidet die Einstellung. Am wenigsten helfen Selbstmitleid, Berufung auf Erfolge von gestern und die Einsicht, mehr drauf zu haben als die Jüngeren. Hilfreich sind maximales Engagement am Arbeitsmarkt, kombiniert mit hoher Flexibilität und Kompromissbereitschaft beim Eingehen neuer Arbeitsverhältnisse. Wer sich mit unzeitgemäßer Einstellung, veraltetem Know-how und antiken Bewerbungspraktiken auf dem Arbeitsmarkt bewegt, hat kaum eine Chance.

Ingenieure 50plus: Flexibel sein, aber nicht zu billig!

Die Ausgangssituation für Ingenieure 50plus ist oft anders als die der jüngeren. Es gibt die örtliche Gebundenheit durch erworbene Immobilien und das vertraute soziale Umfeld. Ehefrau und Kindern möchte man keinen Umzug zumuten, und der gewohnte Lebensstandard soll gleichfalls unangetastet bleiben. Oft fehlt die Bereitschaft des Partners, sich auf eine Pendelbeziehung einzulassen. Ältere Kandidaten sollten sich daher die Randbedingungen ihrer Jobsuche sowie die damit verbundenen Risiken vor Augen führen und entscheiden, welche Randbedingungen wirklich fix und welche flexibel zu handhaben sind.

Ingenieure 50plus brauchen sich nicht wie Sauerbier anpreisen. Wer sich als „billiger Jacob“ mehr Chancen verspricht, irrt. Bewerbungen „unter Niveau“ werfen bei Personalentscheidern viele Fragen auf. Meist ist sogar die Bewerbung um eine höhere Position erfolgversprechender. Am Anfang sollten ältere Bewerber ohne Abstriche und sehr selbstbewusst auf die Stellensuche gehen. Dabei sollte schnell und aus allen „Rohren“ geschossen werden, um nicht entscheidende Zeit zu verlieren. Konkret heißt das: schon dann bewerben, wenn erste Vermutungen über den Verlust des Abeitsplatzes aufkommen.

Ingenieure 50plus: Kontakte nutzen

Das Ziel für Ingenieure 50plus, die um ihren Arbeitsplatz fürchten oder diesen bereits verloren haben, muss lauten: „Dabeibleiben ist alles!“ Ohne Job bewirbt es sich noch schwerer. Es sollte daher für ältere Arbeitnehmer selbstverständlich sein, sich über die aktuellen Wege der Stellensuche detailliert zu informieren und diese intensiv und parallel zu gehen. Dazu gehört das Schalten von Stellengesuchen, das Aussenden einer hohen Zahl von Initiativbewerbungen und Bewerbungen auf Stellenanzeigen sowie der Eintrag in Bewerberdatenbanken im Internet.

Zudem sollten Ingenieure 50plus Geschäftsfreunde aus erfolgreicheren Zeiten um Mithilfe bitten, auch wenn man dabei über den eigenen Schatten springen muss. Outplacementberatungen des Arbeitgebers helfen gleichfalls weiter. Wird keine Outplacementberatung offeriert, sollte gegebenenfalls. selbst in hochwertige Bewerbungs- und Karriereberatungen investiert werden.

Ingenieure 50plus: Ansprüche überdenken

Um regionalen Verwurzelungen und persönlicher Immobilität Rechnung zu tragen, empfiehlt sich die regionale Suchstrategie. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erstreckt sich dabei die Stellensuche der Ingenieure 50plus auf das direkte regionale Umfeld (Tagespendelbereich). Wichtig ist dabei ein nahezu „lückenloses“ Abgreifen des Arbeitsmarktes. Stellt sich kein Erfolg ein, bleibt keine andere Wahl als den regionalen Focus zu öffnen und sich im Extremfall deutschland- beziehungsweise europaweit zu bewerben. Eventuell müssen dann auch die einzelnen Anspruchskomponenten wie Gehalt, Hierarchieebene, Funktionsbereich und Branche überdacht werden.

Es sollte möglichst intensiv über die Neupositionierung im Arbeitsmarkt nachgedacht werden: Hierarchieebene, Funktionsbereich, Branche, Unternehmensgröße und Region, Gehaltsansprüche. Flexibilität, Mobilität, Kreativität sind dabei gefordert. Zudem gilt es, über berufliche Alternativen nachzudenken: Unternehmensgründung, Unternehmenseinkauf. Vereinzelt nutzen Ingenieure 50plus die Situation zu einem überaus selbstkritischen Lebensrückblick. Ergebnis ist häufig die Einsicht, dass materielle Ausstattung und Statussymbole nicht direkt mit höherem Lebensglück gekoppelt sind. Am Ende steht dann die Bereitschaft, sich durchaus sich auch durchaus um völlig andersartige Jobs zu bewerben.

Ingenieure 50plus: Erfahrung argumentieren

Bittstellerei im Anschreiben bringt wenig, denn aus Mitleid wird niemand eingestellt. Ingenieure 50plus müssen zu ihrem Alter stehen und Beweise antreten, weshalb sie dennoch jung geblieben sind. Es gilt, das Alter aktiv und vorteilhaft zu verargumentieren. Die Beweise können aus den Bereichen Beruf, Weiterbildung, Familie oder Freizeit kommen. Gut können besondere altersspezifische Qualitäten hervorgehoben werden, um sich so gegenüber Jüngeren klar abzugrenzen: didaktische Qualitäten, Fähigkeit, Jüngere zu coachen, ganzheitliches Denken. Zudem sollten bei der Darstellung von Qualifikationen aktuelle Fachbegriffe gewählt und internationale Erfahrungen nachgewiesen werden.

Der Lebenslauf ist mehr als eine bloße Auflistung von Stationen. Er sollte dem Leser in übersichtlicher Form einen Einblick in die entscheidenden fachlichen Qualifikationen und Erfahrungen des Bewerbers verschaffen. Bei Ingenieuren 50plus sollte der Schwerpunkt auf einer detaillierten Darstellung der letzten zehn Berufsjahre liegen (Aufgaben, Projekte, Verantwortlichkeiten, Ergebnisse). Mit viel Kreativität sollte eine positive Entwicklung abgebildet werden. Der Lebenslauf darf bei älteren Bewerbern durchaus zwei bis drei Seiten umfassen. Entscheidend ist dabei allerdings nicht die Länge sondern die Aktualität der Informationen. So werden Personalentscheider nach Erfahrungen und Qualifikationen suchen, die heute gefragt sind.

Ingenieure 50plus: Souverän ins Vorstellungsgespräch

Selbst, wenn ein Bewerber im Zugzwang steht, darf er sich diesen im Vorstellungsgespräch nicht anmerken lassen. Dem Hilfesuchenden wird im Bewerbungsgeschehen so gut wie nie die Hand gereicht. Wer schon die x-te Vorstellungsrunde hinter sich gebracht hat, sollte zusätzlich darauf achten, seine Verbitterung und Enttäuschung zurückzuhalten. Andere Bewerber gehen zu beißender Ironie über. Wieder andere zeigen sich aufgrund ihrer langen Berufserfahrung als absoluter Besserwisser. Das ist für Ingenieure 50plus jedoch nicht ratsam!

Schließlich gibt es Ingenieure 50plus, die an ihre Berufserfolge in den „Good Old Days“ apellieren und dabei die Gegenwart vergessen. Diese Verhaltensweisen bringen letztlich nicht den gewünschten Erfolg. Der progressive Oldy begreift den freiwilligen oder erzwungenen Stellenwechsel als Chance, an den großen wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft mitzuarbeiten. Dieser Bewerbertyp hat keine Zeit für die große Depression. Er stellt sich der neuerlichen Herausforderung mit „aggressivem“ Verhalten und möchte es noch einmal allen beweisen.

Ingenieure 50plus: In die Zukunft investieren

Ingenieure 50plus sollten sich intensiv mit aktuellen Fach- und Managementthemen auseinandersetzen und dies in Anschreiben und Lebenslauf dokumentieren. Gezielte Teilnahme an Seminaren von Topveranstaltern können Pluspunkte bringen. Teamarbeit, Teamführung, Projektmanagement, Prozessmanagement, Innovationsmanagement, aktuelle Branchenthemen sollten auf dem Weiterbildungsfahrplan stehen und auch ohne Unterstützung des Arbeitsamtes angegangen werden. Wer als ältere Fach- oder Führungskraft nicht bereit ist, nochmals massiv in die berufliche Zukunft zu investieren, wird wenig Eindruck im Bewerbungsgeschehen hinterlassen.

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