Vorsicht bei der Jobsuche

Der Arbeitsmarkt für Ingenieure ist, zumindest in einigen wesentlichen Segmenten, aus der Balance geraten. Illusionen und Phantasievorstellungen überlagern mehr und mehr das rationale Denken der Kandidaten, Personalberater und Personalentscheider.

Auch Personalberater können daneben liegen, deshalb: Vorsicht geboten bei der Jobsuche.

Auch Personalberater können daneben liegen, deshalb: Vorsicht geboten bei der Jobsuche.

Foto: panthermedia.net/IgorTishenko

Im betrachteten Fall ist ein Ingenieur der Verfahrenstechnik mit seiner beruflichen Situation nicht ganz zufrieden. Eine wirkliche Begründung dafür gibt es nicht. Die Unzufriedenheit resultiert nicht etwa aus dem zu niedrigen Gehalt, der uninteressanten Tätigkeit oder dem angespannten Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen. Der im besten Karrierealter stehende Lead Engineer ist der festen Überzeugung, dass auf dem heutigen Arbeitsmarkt für ihn „noch mehr“ drin sein müsse. Bei der Suche nach dem Paradies trifft der ambitionierte Ingenieur auf einen ausgefuchsten Personalberater. Letzterer hat eine Stelle zu besetzen, die ideal zu dem Ingenieur passt. Nur leider kann oder will das Unternehmen nicht ganz das Gehalt bezahlen, das der Lead Engineer bereits heute nach Hause trägt. Mit einem marktüblichen Gehaltsaufschlag kann der Ingenieur also nicht rechnen. Den Personalberater schreckt das nicht ab. Schließlich geht es ja nicht um sein Gehalt, und er möchte den Fisch keinesfalls vom Haken lassen.

Nach dem Motto „Was nicht ist, kann noch werden“ greift er in die Trickkiste. Hatte der Klient des Beraters, ein mittelständisches Unternehmen, nicht mehr
oder weniger verlautbaren lassen, dass die zu besetzende Position Aufstiegspotenzial bis ganz nach oben bietet? Also warum nicht einfach mal ins Blaue
hinein laut nachdenken? In weitschweifigen Ausführungen stellt der Berater dem Ingenieur also die Vorteile der neuen Position dar, zeigt ihm
Entwicklungsmöglichkeiten bis in die Geschäftsführung auf. Schließlich hat der Berater den Ingenieur tatsächlich so weich gekocht, dass dieser ernsthaft
überlegt, seine wesentlich besser bezahlte Position im Projektmanagement eines Fünf-Sterne-Anlagenbauers gegen eine weniger dotierte Stelle bei einem unbekannten Unternehmen aufzugeben. Schließlich ist ja dafür der Weg bis in die Geschäftsführung beim potenziellen Arbeitgeber frei. Und das Beste
daran: Es gibt sogar eine Laufbahnplanung, ein „Rotations- und Einarbeitungsprogramm“ für verschiedene Positionen, bis „quasi automatisch“ nach fünf
Jahren dann die Beförderung in die Geschäftsführung ansteht. Das hört sich alles sehr gut an und da kann man doch schon einmal am Wochenende im
Freundeskreis die Korken der Champagnerflaschen knallen lassen. Ein neuer Geschäftsführer ist geboren!

Nach der Sektlaune folgt das Grübeln. Bei dem Ingenieur kommen Zweifel auf. Zum Glück setzt das rationale Denken noch vor Unterzeichnung des
Arbeitsvertrages ein, der sehr eilig vom Unternehmen und dem Personalberater „herbeigezaubert“ wurde. In dem Vertrag geht es natürlich nur um die
Einstiegsposition, die Laufbahnplanung ist dabei weder angesprochen noch der Anspruch, geschweige denn die Garantie auf eine
Geschäftsführungsposition verbrieft – was ohnehin nicht möglich ist. Dazu muss er sich auf das „Ehrenwort“ des einstellenden Unternehmens verlassen. Worte (auch Ehrenworte) sind Schall und Rauch! – heißt es nicht von ungefähr und lehrte uns die hohe Politik. Was heute alles so versprochen wird, dass
passt vielfach nicht mehr in einen Arbeitsvertrag. Mit viel Kreativität werden die Köder ausgeworfen. Laufbahnversprechungen hört man als Bewerber zwar
gerne, sie sind aber nicht viel wert. Ob es wirklich zu Beförderungen kommt, hängt doch sicherlich von der Leistung des Neuen im Unternehmen ab. Stimmt
die nach subjektiver Meinung der Vorgesetzten nicht, können alle Versprechungen, die bei der Rekrutierung gemacht wurden, in den Wind geschrieben
werden. Schließlich muss ja auch das Unternehmen die Beförderungen gegenüber anderen Führungskräften und Mitarbeitern rechtfertigen und das geht eben nur über die überdurchschnittliche Leistung. Die Mitbewerber um weiterführende Positionen, also beispielsweise die Kollegen im Unternehmen, bleiben allerdings für jeden Bewerber vor Eintritt eine Black Box. Egal was versprochen und möglicherweise sogar schriftlich fixiert wird, sicher ist nur die Position, die unmittelbar angetreten wird, sonst nichts.

Und was hat das Unternehmen davon, wenn mittelfristig der Kandidat unzufrieden ist? Unternehmen sind heute im Hire and Fire sehr flexibel, die bombastischen Gewinne lassen jedes Spiel zu.
Anders geht es dem Kandidaten. Hat der in einem Unternehmen frisch angefangen, so wird er das Unternehmen nicht gleich wieder verlassen – und das wissen natürlich auch die Arbeitgeber. Zudem muss er Federn lassen. Die Position ist für immer und ewig im Lebenslauf verankert. Heute stört ein einmaliger Fehlgriff möglicherweise nicht so sehr, im nächsten Konjunkturabschwung rächt sich aber jedes Haar in der Suppe.

 

Von Bernd Andersch – Karrierecoach Düsseldorf

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