Vor Unternehmenswechsel interne Chancen Prüfen

Vor dem Unternehmenswechsel lohnt es sich interne Chancen zu prüfen.

Vor dem Unternehmenswechsel lohnt es sich interne Chancen zu prüfen.

Foto: panthermedia.net/Moodboard

Wie mache ich meinem Vorgesetzten klar, dass ich mich weiterentwickeln und den nächsten Karrieresprung machen möchte? Diese Frage kommt berechtigterweise dann auf, wenn ein Arbeitnehmer bereits eine geraume Zeit in einem Unternehmen ist und/oder auf der immer gleichen Position arbeitet. Bedenken und Ängste entstehen, ob es Sinn macht, mit dem Vorgesetzten offen über die eigenen Karrierepläne zu sprechen. Das könnte ja so verstanden werden, dass der ambitionierte Kandidat mit dem Gedanken spielt abzuwandern. Dennoch ist es nicht ratsam, die Karrierepläne zu den Akten zu legen. Vielmehr ist es wichtig, sich zu überlegen, wem, wie und wann man seine Pläne vorträgt.

Da arbeitet beispielsweise ein Ingenieur als Gruppenleiter und Manager für Großprojekte. Er möchte jetzt endlich den Sprung zum Abteilungsleiter schaffen. Was ihn besonders frustriert, sind Personalentscheidungen im Rahmen des laufenden Umstrukturierungsprozesses. Neu geschaffene Abteilungsleiterpositionen wurden allesamt mit Externen besetzt. Der Ingenieur fragt sich, ob er um das gute Verhältnis zu seinem Abteilungsleiter, möglicherweise sogar um den eigenen Stuhl fürchten muss, wenn er jetzt seine Karriereforderungen vorträgt.

Sicherlich, wenn im Zuge der Umstrukturierung seine Position oder gar seine Person zur Debatte stünde, müsste der Ingenieur zunächst Zurückhaltung üben. Bislang leistete er aber exzellente Arbeit. Zudem leitet er das wichtigste Kundenprojekt im Unternehmen und trägt hier hohe Verantwortung. Der Ingenieur war bereits maßgeblich an der Akquisition des Projektes beteiligt. Aufgrund seiner Erfahrungen konnte er gemeinsam mit den Kollegen aus dem Vertrieb das Projekt – das nun bereits in der Realisierungsphase ist – ins Unternehmen holen.
Da die Umstrukturierung gerade für langverdiente Mitarbeiter nicht so gut gelaufen ist, haben etliche bereits frustriert gekündigt. Darunter befanden sich auch einige Kollegen, die das Unternehmen eigentlich gar nicht loswerden wollte. Hochkarätige Projektmanager sind zur Zeit Mangelware. Kurz, der hier betrachtete Ingenieur ist fast unabkömmlich. Zudem möchte er nicht, wie einige Kollegen, den Kopf einfach in den Sand stecken. Schließlich arbeitet er gern in dem Unternehmen und möchte weiterhin in den großen und internationalen Projekten mitmischen.

Zunächst sollte der Ingenieur mit seinem Vorgesetzten sprechen. Selbst, wenn der keine Alternative parat hat, könnte er sich doch übergangen fühlen, wenn sein Mitarbeiter gleich an anderer oder höherer Stelle anklopft und über die beruflichen Perspektiven philosophiert. Tatsächlich reagiert der Vorgesetzte dann ganz gelassen. Er kann gut nachvollziehen, dass sein Gruppenleiter nach höheren Weihen strebt. Er vertröstet ihn aber erwartungsgemäß auf die Zeit nach dem erfolgreichen Abschluss des Großprojektes. Danach wolle er sich für seinen Mitarbeiter stark machen. Sicherlich werde dann eine adäquate Position gefunden. Er solle sich also noch ein bisschen gedulden. Außerdem könne er als Vorgesetzter gerade jetzt nicht auf ihn verzichten.

Die Taktik des Vorgesetzten ist klar. Der Ingenieur soll hingehalten werden, damit in dem Projekt nichts anbrennt. Ob und was nach Projektabschluss passiert, ist ihm zunächst wahrscheinlich egal. Der Ingenieur realisiert diese Strategie des „bequemen Weges“ seines Chefs und setzt die interne Suche bei einem der Geschäftsführer fort. Er trägt ihm die Karrierepläne vor, spricht aber auch ganz klar an, dass er über die Besetzung von Abteilungsleiterpositionen durch Externe sehr enttäuscht sei. Er schlägt dem Geschäftsführer verschiedene Positionen im Unternehmen vor, die er zukünftig wahrnehmen könnte. Das ist gut so, denn er überlässt hier nicht dem Geschäftsführer die Denkarbeit. Dieser verspricht etwas zu tun, ohne dabei konkret zu werden. Das kommt dem Ingenieur doch irgendwie bekannt vor.
Neben einer internen Bewerbung wendet sich der Ingenieur nun an die Personalentwicklung des Konzerns. Hier wird für ihn tatsächlich eine Alternative ausgegraben, die allerdings keinen wirklichen Karrieresprung bedeuten würde. Der Ingenieur fühlt sich immerhin mit seiner Thematik verstanden und bleibt im Dialog mit dem Personalentwickler. Nach der Runde durch das Unternehmen entscheidet sich der Ingenieur, das Projekt motiviert voranzutreiben, sich allerdings intensiv nach externen Alternativen umzusehen. Aus Zeitgründen erwägt er, die Bewerbungsarbeit weitestgehend zu delegieren. Möglicherweise generiert ja die Geschäftsführung oder die Personalentwicklung noch die eine oder andere Alternative, darauf verlassen möchte er sich aber nicht. Sollte er später dann tatsächlich kündigen, wird ihm auf jeden Fall der Vorwurf erspart bleiben, er hätte ja sagen können, wie unzufrieden er sei. Das Verhalten des Ingenieurs gegenüber seinem Arbeitgeber ist mehr als fair und bildet zudem die Grundlage für einen friedlichen Ausstieg mit einem guten bis sehr guten Arbeitszeugnis.

 

Von Karrierecoach Bernd Andersch, Düsseldorf

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