Karrierewissen

Unternehmen legen Wert auf Projektmanagement

In Assessment-Veranstaltungen für Ingenieure werden immer häufiger Kenntnisse und Erfahrungen im Projektmanagement auf den Prüfstand gestellt. Öfter werden dabei Kandidaten mit Fallbeispielen oder Fallstudien konfrontiert und ihre Vorgehensweise bei der Problemlösung beobachtet.

Gutes Projektmanagement ist lösungsorientiert und legt viel Wert auf Teamarbeit.

Gutes Projektmanagement ist lösungsorientiert und legt viel Wert auf Teamarbeit.

Foto: panthermedia.net/pressmaster

Das hat einen guten Grund. Wer erinnert sich nicht an den Fehlstart der Ariane 5 oder die gekippte A-Klasse von Mercedes? Diese Beispiele zeigen, was schlechtes Projektmanagement bewirken kann. Gerade in Zeiten, in denen die Ertragssituation von Unternehmen stärker denn je von erfolgreichen und pünktlichen Neuentwicklungen abhängt, entscheidet die Qualität des Projektmanagements über die Unternehmenszukunft.

Konfuses Projektmanagement führt bei innovativen Projekten zwangsläufig zu wesentlichen Abweichungen von den vereinbarten Zielgrößen. Diese bestrafen (auch interne) Auftraggeber mit der Verweigerung der Leistungsabnahme oder der Forderung aufwendiger Nachbesserungen und Preisreduktionen. Die Wirtschaftlichkeit des Projektes und das Image des Unternehmens stehen auf dem Spiel.

Projektmanagement muss lösungsorientiert sein

Die Gefahr, das Projekt „in den Sand“ zu setzen, wächst mit steigendem Komplexitäts- und Innovationsgrad sowie zu leistender Durchsetzungsarbeit. Auch bei konfusem Projektmanagement gibt es irgendwann Lösungen. Die Frage ist nur, zu welchem Preis und mit welcher Qualität die Projektleistung erstellt wird. Chaos bringt unnötigen Stress für den Projektleiter, das Projektteam, den Kunden und die interne Organisation. Der Projektverlauf gleicht in diesen Fällen einer Achterbahnfahrt mit unbekanntem Ziel.

Natürlich können bei einer solchen Veranstaltung Ingenieure nicht auf alle Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Projektmanagement abgeklopft werden. Neben grundsätzlichen Einstellungen und Erfahrungen sollten Kandidaten aber insbesondere aufzeigen, dass sie technische Projekte planerisch angehen können. Die Planung von Projektstrukturen, Abläufen, Terminen, Zeiten, Ressourcen, Kosten und Projektrisiken sollten mithin jedem Absolventen und Professional geläufig sein. Die Beherrschung entsprechender Software und ihrer Systematik ist hier gefordert.

Projektmanagement: Ein guter Strukturplan muss her

Der Projektstrukturplan ist Ausgangsbasis für gutes Projektmanagement. Er zerlegt das Gesamtprojekt in Unterprojekte, Arbeitspakete und Vorgänge. Um einen guten Projektstrukturplan zu erstellen, kommen die Moderationstechnik (Metaplantechnik) und das Mindmapping zum Zuge. Im nächsten Planungsschritt werden die Elemente des Strukturplanes in eine logische Reihenfolge gebracht. Es interessieren dabei folgende Fragen: Welche Aktivitäten folgen inhaltlich aufeinander? Welche Aktivitäten können überlappt oder parallel laufen? Wo gibt es alternative Wege der Planfortsetzung?

Ergebnis der Ablaufplanung ist ein Netzplan. In erster Linie macht er Abläufe und Abhängigkeiten im Projektmanagement sichtbar. Für die Zeitplanung wird dann noch der Zeitaufwand für die einzelnen Vorgänge geschätzt. Daraus lassen sich Workload, Start- und Endzeitpunkte für Arbeitspakete, Unterprojekte und das Gesamtprojekt ermitteln. Kritische Wege und Pufferzeiten werden berechnet. Gute Kenntnisse in der Anwendung von Netzplan- und Balkennetzplantechnik sowie der Meilensteinplanung erleichtern das Leben.

Projektmanagement: Teamwork ist wichtig

Die Ressourcenplanung prüft, ob insbesondere die personellen Ressourcen gemäß Zeitplanung bereitgestellt werden können. Zumindest sollte man wissen, was ein Ressourcenauslastungs-Diagramm ist. Sind die notwendigen personellen und materiellen Ressourcen für das Projekt geplant, können die Kosten vom Projektmanagement berechnet werden. Dabei wird hinterfragt, welche Kostenarten für ein Unterprojekt oder ein Arbeitspaket anfallen. Bei den Kostenarten werden Mengen geschätzt und Preise bewertet.

Abschließend lässt sich ein Kostenkumulations-Diagramm erstellen, das die gesamten Projektkosten im Zeitablauf zeigt. Da Projekte häufig einen hohen Innovationsgrad aufweisen, ist die Schätzung von Zeiten und Kosten mit immer höheren Risiken verbunden. Um diese sichtbar zu machen, kommen die Risikoanalyse und die Risikosimulation zum Einsatz. Neben diesen eher methodischen Kenntnissen versteht es ein gutes Projektmanagement aber auch, aus vielen Personen ein funktionierendes Team zu formieren und das Projekt gegenüber dem Umfeld zu „verkaufen“ und „durchzusetzen“.

 

Von Bernd Andersch, Karrierecoach, Düsseldorf

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