Karrierestrategie

Umgang mit sozialen Konflikten im Betrieb

Konflikte am Arbeitsplatz haben sehr verschiedene Gesichter. Insbesondere die mit den sozialen Gepflogenheiten in Unternehmen wenig vertrauten Hochschulabsolventen sind oftmals geschockt über Umgangsformen und Umgangstöne.

Der neue Betrieb passt nicht zu den eigenen Vorstellungen: Vorsichtshalber erst einmal die Situation analysieren und durchatmen, bevor man etwas überstürzt.

Der neue Betrieb passt nicht zu den eigenen Vorstellungen: Vorsichtshalber erst einmal die Situation analysieren und durchatmen, bevor man etwas überstürzt.

Foto: panthermedia.net/pressmaster

Soziale Kompetenz

Das hat doch alles wenig zu tun mit dem, was man in Büchern gelesen und in Vorlesungen gehört hat. Soziale Kompetenz wird ja angeblich in den Unternehmen ganz groß geschrieben. Dazu hieß es doch beispielsweise, dass andere Meinungen gehört und toleriert und ein Teamkonsens gefunden werden sollte und das zuhören können eine wichtige Eigenschaft für Führungskräfte und Mitarbeiter sei etc. Und wie stand es doch noch so schön in der Stellenanzeige: Am besten passen Sie in unser Team, wenn Sie über ausgeprägte soziale Kompetenzen verfügen.

Vorstellungsgespräch als Märchenstunde

Die ersten Wochen bei einem neuen Arbeitgeber sehen dann oftmals ganz anders aus. Da zeigt sich der freundliche Chef aus dem Vorstellungsgespräch im Berufsalltag als Wolf im Schafspelz, der seinen Bereich strikt autoritär führt. Andere Meinungen als die seine sind überhaupt nicht gefragt. In einem anderen Fall werden den Kunden Anlagen verkauft, die es noch nicht gibt. Die Vertriebsleute sind aber angewiesen, diese Tatsache den Kunden zu verschweigen und so zu tun als ob. Im nächsten Fall wird der Vorgesetzte als Märchenerzähler entpuppt. Bewusst stellte er im Vorstellungsgespräch Fakten zur Position falsch dar. Die im Job zu leistenden Aufgaben werden im Grunde dem Ingenieur nicht gerecht und könnten genauso von einem Techniker erledigt werden. Und das gelobte „starke Team“ erweist sich mehr als Trupp von Heuchlern, in dem jeder vor jedem auf der Hut sein muss. Da wird sich gerade ein Kollege vorgeknöpft, der in schlimmster Weise lächerlich gemacht und gemobbt wird. Der soeben engagierte Ingenieur kommt bereits nach kurzer Zeit zu dem Entschluss, dass das Ganze weder mit seinen beruflichen noch moralischen Vorstellungen und Ansprüchen wirklich vereinbar ist. Doch was tun? Heutzutage kann niemand ganz schnell ohne Nachteile die Stelle wechseln.

Wichtig ist es, zunächst die Folgen der Gesamtsituation für sich zu erkennen. Ist man so beeindruckt von den sozialen Konstellationen, dass sich ernsthafte gesundheitliche oder physische Probleme anbahnen, sollte bei allem Aufwand und trotz negativen Folgen für den Lebenslauf schnell die Reißleine gezogen werden. Kein Job der Welt kann so wichtig sein, dass man sich Geist oder Körper ruinieren lässt! Diese extreme Situation ist aber nicht die Regel. Doch auch im Normalfall passt das Wunschbild, das man sich von der neuen Stelle gemacht hat, meist nicht mit der Realität überein. Da das Unternehmen sich nicht ändert, ist hier eine flexible Reaktion gefragt. Der Umgang mit dem autoritären Chef beispielsweise muss gelernt werden. Die Kollegen sind hier das Vorbild. Sicherlich wird es weitere berufliche Stationen geben, in denen diese Erfahrungen wertvoll sein könnten. Den Märchenerzähler als Lügner vorzuführen, hat gleichfalls wenig Sinn. Entlassung oder Abmahnung wären wahrscheinlich die Folge. Diesem Menschen sollte zukünftig aber mit Misstrauen begegnet und ihm Versprechungen über die zukünftige Karriere, Gehaltsentwicklungen usw. nicht abgenommen werden. Im Grunde ist es gut, dass man gleich weiß, woran man bei diesem „falschen Fünfziger“ ist. Andere Ingenieure lassen sich von solchen Vorgesetzten teilweise jahrelang hinhalten, bevor sie feststellen, dass sie böse gelinkt werden und beispielsweise nie die Chance haben, der Nachfolger des Abteilungsleiters zu werden, obwohl der genau das ständig versprochen hat.

Bittere Wahrheit

Mit den ingenieurgerechten Aufgaben ist es so eine Sache. In irgendeiner Form werden die meisten Aufgaben im Job zur Routine und fordern den Ingenieur weniger als ihm lieb ist. Das geht aber anderen Berufsgruppen auch so und ist letztendlich unabhängig von der Hierarchieebene und der Branche. Daran muss man sich in der Praxis eben gewöhnen. Die Frage, wie man die Aufgaben in den nächsten Bewerbungsrunden „verkauft“, steht dann noch auf einem anderen Blatt Papier. Und Heuchler gibt es überall. Man braucht ja nicht gleich mit den Wölfen heulen, sollte wohl aber dafür sorgen, nicht der Gejagte zu sein. Den großen Moralapostel mit gehobenem Zeigefinger zu spielen, käme jedoch einem Lockruf für das Rudel gleich.

Letztlich geht es darum, sich den jeweils herrschenden, auch und vor allem unausgesprochenen sozialen Regeln eines Unternehmens anzupassen. Eine Flucht aus dem Unternehmen empfiehlt sich nur bei den angesprochenen befürchteten Langzeitschäden. Ohnehin gilt eine Erfahrung: Die Unternehmen mögen zwar verschieden sein, die Menschen sind aber überall (fast) gleich. Unternehmen sind eben keine „sozialen Veranstaltungen“.

 

Von Bernd Andersch - Karrierecoach Düsseldorf

Top Stellenangebote

Brandenburgische Technische Universität Cottbus - Senftenberg (BTU)-Firmenlogo
Brandenburgische Technische Universität Cottbus - Senftenberg (BTU) Universitätsprofessur (W3) Dekarbonisierte Industrieprozesse Cottbus, Zittau
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft University of Applied Sciences-Firmenlogo
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft University of Applied Sciences Professur (W2) für das Fachgebiet "Informationstechnik und Mikrocomputertechnik" Karlsruhe
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften München W2-Professur für Bauproduktionsplanung und Prozessoptimierung (m/w/d) München
Technische Hochschule Ulm-Firmenlogo
Technische Hochschule Ulm Professur (W2) "Softwareentwicklung und Embedded Systems" Ulm
Technische Hochschule Ulm-Firmenlogo
Technische Hochschule Ulm Professur (W2) "Gesundheitsinformatik" Ulm
Technische Hochschule Ulm-Firmenlogo
Technische Hochschule Ulm Professur (W2) "Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik" Ulm
Vermögen und Bau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Diplom-Ingenieure (FH/DH) / Bachelor (w/m/d) der Fachrichtung Elektrotechnik, Versorgungstechnik oder einer vergleichbaren Fachrichtung Baden-Württemberg
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg-Firmenlogo
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg Professur (W2) Digitale Produktentwicklung im Maschinenbau Regensburg
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH Functional Safety Engineer (m/w/d) mit Fokus Software im Embedded-System Lüneburg,Hannover,Hamburg
Deutsche Post DHL Corporate Real Estate Management GmbH-Firmenlogo
Deutsche Post DHL Corporate Real Estate Management GmbH Architekt / Bauingenieur (m/w/d) Hochbau Bonn
Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsleb…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.