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Teilen macht glücklich

Lichter im Dunkeln

Am 11. November führte vielerorts St. Martin hoch zu Ross einen Zug aus Kindern und deren begleitender Eltern an, die Lieder singend und Laternen tragend, Licht in die dunkle Jahreszeit brachten. Und das alles im Gedenken an Bischof Martin von Tours, der der Legende nach bei einem Ritt vor Tours einem frierenden Bettler begegnete, der ihn so anrührte, dass er – ungewöhnlich für einen Mann seines Standes – vom Pferd abstieg, seinen Mantel in zwei Hälften teilte und eine davon dem Bettler gab. Seitdem steht der heilige St. Martin für Demut und Barmherzigkeit.

Teilen: Nicht nur eine Sache für Heilige!

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Foto: panthermedia.net/terra

Barmherzigkeit kommt von Warmherzigkeit

Eine schöne Legende, die wir gerne unseren Kindern weitererzählen, um ihnen darüber Werte zu vermitteln. Schwieriger wird es dann aber mit den Begriffen „Demut“ und „Barmherzigkeit“, die in einer Welt der downloads, in der wir allenfalls von „Sozialkompetenz“ reden, beinah wie Relikte aus alter Zeit anmuten. Bei „Demut“ fällt vielen gleich das Wort „Schleimspur“ ein, weil es uns an Unterwürfigkeit erinnert und die „Barmherzigkeit“ ordnen wir in das Umfeld der Kirche ein, verbinden allenfalls noch „Mitleid“ damit. Richtig ist aber, dass wir barmherzig sein können, ohne Mitleid zu haben. St. Martin hat sich nicht vom Bettler eine rührselige Geschichte erzählen lassen, die ihn zum Mitleid veranlasst hätte, sondern in Unkenntnis seiner Lebensumstände, die Situation erkannt und geteilt, wovon er genug hatte. Das war allerdings nur möglich, weil er den Bettler überhaupt gesehen und dessen Frieren zur Kenntnis genommen hatte. Insofern steht Barmherzigkeit in direktem Zusammenhang mit Warmherzigkeit. Und auch wenn „Demut“ im Ursprung mit „Dienen“ in Verbindung steht, so lässt es sich doch viel eher übersetzen als eine Haltung, aus der heraus wir akzeptieren, dass es Dinge gibt, die größer sind als wir und bei allem Bedürfnis nach Kontrolle sich so manches in unserem Leben unserer Planung und Kontrolle entzieht.

Nachahmer unerwünscht

Warum ich heute darüber schreibe? Nun, den Ausschlag hat Jürgen, Ingenieur der Abfallwirtschaft, gegeben, als er in einem Seminar sagte, er sei nicht bereit, darüber zu erzählen, wie er sein Unternehmen erfolgreich managte, Nachahmer gäbe es schon genug. Er habe hart gearbeitet bis er es an die Spitze geschafft habe und er würde ganz sicher anderen keine Abkürzung zum Erfolg zeigen. Mit all den „Faulpelzen“, die den bequemen Weg in den Fußstapfen anderer gehen würden, wolle er später nicht auf eine Stufe gestellt werden. Er war nicht bereit zu teilen, nicht einmal sein Wissen oder seine Erfahrung. Ich gab zu bedenken, dass er durch das eigene „Geben“ auch viel von den anderen bekommen würde, vielleicht zusätzliche Impulse oder weiterführende Ideen, worauf er entgegnete, ihm könne niemand mehr etwas beibringen. Was es in seinem Fach zu wissen gebe, das wisse er.

Wissen macht unersetzlich

Ich gebe zu, dass mich dieser Vorfall noch eine Weile beschäftigt hat und natürlich habe ich mich gefragt, ob das nun die Haltung eines Einzelnen oder eine Entwicklung ist, die unsere Gesellschaft nimmt. Wie es denn auch immer ist, wenn man sich mit einem Thema auseinandersetzt, hatte ich kurz darauf noch ein Erlebnis, das in die gleiche Richtung führte: Eine Freundin hatte „Huhn Persisch“ für eine größere Runde gekocht und wir waren alle sehr angetan von dem eigenwilligen Geschmack. „Gibst du mir mal das Rezept?“, fragte einer aus unseren Reihen und die Köchin verneinte. „Ich koche euch das Essen gerne demnächst noch mal, aber meine Rezepte gebe ich nicht raus Sonst braucht ihr mich ja gar nicht mehr!“ Mir fiel vor Staunen fast die Gabel aus der Hand.

Kompetenz fürchtet keine Konkurrenz

Wir sind doch (fast) alle keine Erfinder und die Wege, die wir heute gehen, sind andere vor uns schon einmal gegangen. Das Wissen, über das wir heute verfügen, ist kein neues, sondern allenfalls eines, das durch Erfahrung angereichert und verfeinert wurde. Wenn Wissen nicht geteilt wird, sondern jeder Einzelne es für sich behalten wollte, dann gäbe es keine Entwicklung, Herr Edison zum Beispiel hätte sein Wissen als großes Geheimnis mit ins Grab genommen und wir würden gemütlich bei Kerzenschein arbeiten. Wie die Freude, so verdoppelt oder vervielfacht sich (fast, denn bei Leid ist es ja nun bekanntermaßen anders) alles, was wir mit anderen teilen. Und ist es nicht so, dass jeder das Wissen auf seine Weise nutzt und das Ergebnis deshalb jedes Mal ein anderes ist? Auch bei gleichem Rezept schmeckt ein Essen in Nuancen anders abhängig davon, wer es gekocht hat. Wenn ich ein Seminar durchführte, dann nutze ich darin Methoden, die andere Trainer auch beherrschen und trotzdem ist es nie das gleiche Seminar. Menschen, die von sich und ihrem Können überzeugt sind, brauchen keine Konkurrenz und keine Nachahmer zu fürchten, weil sie um die Qualität dessen, was sie tun, wissen.

Selbstgefälligkeit verfälscht die Wahrnehmung

Kommen wir noch einmal zurück zu Jürgen. Mag sein, dass er hart gearbeitet hat, um an die Spitze zu kommen, aber ich kenne Menschen, die ebenfalls sehr fleißig sind, ihr Handwerk verstehen und trotzdem keinen Platz „ganz oben“ ergattern. Das berühmte Quäntchen Glück gehört einfach auch dazu. Oder vielleicht ? abhängig davon, ob Sie gläubig sind ? gibt es doch irgendeinen Plan für uns und wir können einfach dankbar sein, wenn es einer ist, der uns in jeder Hinsicht zufrieden macht. Selbstgefälligkeit und Stolz verfälschen die Wahrnehmung, durch sie verlieren wir die Demut. Wenn wir erwarten, dass der Platz an der Sonne dauerhaft uns gehört, weil wir einfach „die Größten“ sind, dann wird uns unter Umständen die nächste Schicksalswendung ziemlich hart erwischen. Wir können niemals ganz sicher sein, dass morgen noch alles genauso gut ist wie heute. Umgekehrt, und das hat ja etwas Tröstliches, kann sich, wenn wir gerade wenig sonnenbeschienen sind, schon morgen das Blatt wieder wenden und meist haben wir das nicht allein in der Hand. Wenn wir einmal vom (hohen) Ross herunter fallen, freuen wir uns auch über die helfende Hand, die uns wieder aufrichtet.

Teilen macht glücklich

Barmherzigkeit ist ein großes Wort und ich erinnere mich nicht daran, wann ich im Leben einmal Gelegenheit dazu hatte, tatsächlich barmherzig zu sein. Vielleicht geht es Ihnen genauso und Sie konnten zwar einmal hilfsbereit oder mitfühlend sein, sind aber bisher noch keinem erfrierenden Bettler begegnet?! Dann kann der Mann auf dem Pferd trotzdem mehr sein als ein Vertreter der berittenen Polizei, nämlich eine Erinnerung an die Bedeutung von Warmherzigkeit. Daran, nicht mit Scheuklappen nur den eigenen Weg im Auge zu haben, sondern mitzubekommen, wer diesen Weg gerade kreuzt und vielleicht ein Stück Mantel braucht, ein Kochrezept oder eine Ausarbeitung, die Sie schon einmal gemacht haben. In diesem Sinne, lieber Jürgen: Rabimmel, rabammel – Teilen macht glücklich, vor allem den Teilenden und St. Martin ist nicht nur am 11. November.

 

Von Renate Eickenberg, Autorin und Coach

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