Unternehmenswechsel 11.01.2008, 01:00 Uhr

Selbst kündigen: Gut geplant ist halb gewonnen!

Auch 2008 bleibt es dabei: Der Arbeitsmarkt bietet Ingenieuren gute Chancen selbst zu kündigen, um besser dotierte Jobs zu bekommen. Kein Wunder, dass die jetzt schon länger bestehende komfortable Situation manche Ingenieure übermütig werden lässt. Das betrifft gerade Ingenieure, die sich im optimalen Alter befinden, in den besten Branchen oder den gefragtesten Funktionsbereichen arbeiten.

Der Arbeitsplatzwechsel sollte nicht über's Knie gebrochen werden! Foto: panthermedia.net/OtnaYdur

Der Arbeitsplatzwechsel sollte nicht über's Knie gebrochen werden!

Foto: panthermedia.net/OtnaYdur

Darüber hinaus werden viele Ingenieure immer wieder von Headhuntern und potenziellen Arbeitgebern angesprochen. Auch das motiviert dazu, selbst zu kündigen und verleitet zu wenig professionellem Vorgehen. Die Kandidaten bewegen sich auf glattem Eis. Das zeigen immer wieder Beispiele aus der Praxis.

Wie man nicht kündigen sollte

So startete Holger K. nach seinem Studium der Elektrotechnik seine berufliche Karriere bei einem Weltkonzern im Bereich Fertigung. Innerhalb von fünf Jahren entwickelte er sich vom Betriebsingenieur zum Gruppenleiter für ca. 40 Mitarbeiter, die ihm direkt unterstellt waren. Besonders viel Spaß hatte der 33-Jährige bei der Neugestaltung aller Fertigungsprozesse in der Fabrik. Unter seiner maßgeblichen Einflussnahme entstand im Konzern ein wegweisendes Projekt. Beflügelt durch diesen Erfolg und die guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt begann Holger K. über seine weitere berufliche Karriere nachzudenken – und darüber, zu kündigen.

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Er war überzeugt, dass der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen sei und er perspektivisch kündigen werde. Fröhlich marschierte er daraufhin zu seinem Vorgesetzten und teilte ihm im Vieraugengespräch seine Veränderungsabsichten mit. Erst danach begann er sich zu bewerben. So kommt es erst gar nicht zum schlechten Gewissen gegenüber dem Arbeitgeber, der ja froh sein könne, dass ich ihn rechtzeitig informiere, dachte Holger K. Außerdem war er sich ganz sicher, im Handumdrehen den passenden Job zu finden.

Kündigen: Erst wenn der Unternehmenswechsel in „trockenen Tüchern“ ist

Seit dem Tag der „Offenbarung“ war allerdings das ansonsten hervorragende Verhältnis gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten empfindlich gestört. Umgehend wurde Holger K. seiner Gruppenleiterposition enthoben. Wenig dankbare Aufgaben erwarteten ihn nun Tag für Tag. Von den Kollegen und dem Vorgesetzten wurde er weitestgehend geschnitten, Gerüchte und bewusste Fehlinformationen wurden über ihn in die Welt gesetzt und die Personalabteilung drängte ihn, offiziell und schriftlich zu kündigen. Schließlich wurde die Arbeitssituation unerträglich, insbesondere auch deshalb, weil Holger K. die berufliche Alternative erst noch erschließen musste. Die Suche nach einem neuen Arbeitgeber hatte er unterschätzt.

Es ist zwar richtig, dass der Arbeitsmarkt für Ingenieure hervorragend ist, dennoch malen die Mühlen in den Personalabteilungen langsam. Einige Monate Suchzeit müssen auch heute veranschlagt werden, bevor Ingenieure kündigen können. Wer dann noch bei der Arbeitsplatzsuche unter Druck steht, gerät auch als gefragter Ingenieur ganz schön ins Schwitzen und macht sich gegenüber den Personalern „verdächtig“. Hätte Holger K. professioneller gehandelt, hätte er sich in aller Ruhe nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen können und dann ohne Vorwarnung die Kündigung ausgesprochen!

Kündigen: Arbeitsplatzwechsel will professionell geplant sein

Fazit: Trotz des guten Arbeitsmarktes sollte ein Arbeitsplatzwechsel mit aller Professionalität eingeleitet werden, bevor Ingenieure kündigen sollten. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold: Dies gilt auch im Verhältnis zum bisherigen Arbeitgeber solange, bis die beste berufliche Alternative tatsächlich gefunden ist und nicht nur in der Phantasie besteht. Nur so können berufliche Entscheidungen mit der notwendigen inneren Ruhe getroffen werden und nur so bleibt ein souveräner Auftritt gegenüber den Personalern gewahrt. Ein Spießrutenlaufen am alten Arbeitsplatz kann zudem mit dem neuen Job in der Tasche besser ertragen werden. Eine Ausnahme bilden Kandidaten, die eine sehr lange Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag haben. Sie sollten bei vorliegender Alternative schnellstmöglich auf den Arbeitgeber zugehen, um früher als vertraglich geregelt, das Unternehmen verlassen zu dürfen.

 

Ein Beitrag von:

  • Bernd Andersch

    Bernd Andersch ist Karriere-Coach, Sachbuchautor und Spezialist für Bewerbungsstrategien.

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