Fortbildung für die Karriere nutzen 09.05.2003, 00:00 Uhr

Persönliche Weiterbildung richtig angehen

Von Unternehmen, Arbeitsämtern und Privatpersonen werden Unsummen in Weiterbildung investiert. Dennoch zeigt die Realität, dass der berufliche Erfolg und das Ausmaß an zusätzlicher Weiterbildung nach dem Studium selten positiv korrelieren und gelernte Weiterbildungsinhalte wenig praktisch eingesetzt werden.

Weiterbildung: Am Arbeitsmarkt orientieren.

Weiterbildung: Am Arbeitsmarkt orientieren.

Foto: iStock / Thinkstock

„Wissen ist Macht!“ lautete ein berufliches Erfolgsrezept der Wirtschaftswunderjahre. Noch scheint das Statement nachzuhallen. Von Unternehmen, Arbeitsämtern und Privatpersonen werden Unsummen in Weiterbildung investiert. Dennoch zeigt die Realität, dass der berufliche Erfolg und das Ausmaß an zusätzlicher Weiterbildung nach dem Studium selten positiv korrelieren und gelernte Weiterbildungsinhalte wenig praktisch eingesetzt werden. Um nicht Geld und Zeit umsonst zu investieren, müssen klare Vorüberlegungen angestellt werden, was die Weiterbildung bringen soll.

Die Weiterbildung kann zur Erschließung neuer Berufsfelder dienen. Wer in schwachen oder perspektivlosen Branchen oder Funktionsbereichen arbeitet(e), dem eröffnet eine Umschulung ggf. neue berufliche Chancen. Eine Weiterbildung kann zur Sicherung des Arbeitsplatzes dienen, wenn know how aktualisiert und Defizite ausgeglichen werden. Sie kann zur Fortentwicklung beitragen (z.B. Erwerb eines MBA), wenn sie intern oder extern Ambitionen auf eine höhere Position unterstreichen soll. Sie kann Arbeitslosen zur Überbrückung als „Beschäftigung“ dienen oder schlichtweg eine niveauvolle Freizeitalternative darstellen.

Weiterbildung muss zur Karriereplanung passen

Egal, welchen Zweck die Weiterbildung verfolgt, sie muss im sinnvollen Zusammenhang zum bisherigen Werdegang oder der Karriereplanung stehen. Nur ein Anhäufen von Qualifikationen bringt nichts, wenn dadurch der „Rote Faden“ verloren geht. Gerade Ingenieure sollten darauf achten, dass nicht durch zuviel Management- oder Betriebswirtschaftsweiterbildung ihr Lebenslauf verwässert wird, d.h. der Ingenieur nur noch stark vernebelt erkannt wird. Um nicht den Anstrich des Theoretikers zu bekommen, sollte die Weiterbildung in einem gesunden Verhältnis zur Berufspraxis stehen.

Anregungen für die Weiterbildung ergeben sich aus Gesprächen mit Vorgesetzten und Personalabteilungen. Hierbei geht es meist darum, geplante oder bestehende Aufgaben im aktuellen Job besser erledigen zu können. Sie können aber auch einen perspektivischen Charakter haben. Der Mitarbeiter soll auf eine höherwertige Position vorbereitet werden (Personalentwicklung). Der kritische Blick auf die eigenen fachlichen und persönlichen Qualifikationen liefert gleichfalls Anregungen genauso wie Gespräche mit Freunden, Bekannten, Kollegen.

Weiterbildung am Arbeitsmarkt orientieren

Am besten ist die Verknüpfung von Standortbestimmung (Karrierestatus), Karriere- und Weiterbildungsplanung (siehe dazu Checklisten Karriereplanung, Standortbestimmung). Am Anfang der Weiterbildung steht die Analyse der eigenen Qualifikationen und Erfahrungen. Sie werden den Karrierezielen gegenübergestellt und Weiterbildungsmaßnahmen abgeleitet. Wer über eine klare Karriereplanung verfügt, kann zudem leicht Weiterbildungsmaßnahmen beurteilen, die z.B. von der Personalabteilung vorgeschlagen werden. Außerdem können eigene Vorschläge gut begründet an die Personalabteilung heran getragen werden.

Weitere Ansätze zur Weiterbildung liefern Schlüsselqualifikationen, die der Arbeitsmarkt nachfragt. Hierzu wurden unter ingenieurkarriere.de umfangreiche Auswertungen aus aktuellen Stellenanzeigen zu den großen Berufsfeldern von Ingenieuren vorgenommen. So ergeben sich für Fach- und Führungskräfte aus Konstruktion, Produktion, Vertrieb usw. ganz spezielle fachliche und persönliche Anforderungen, aber auch Zusatzkenntnisse, Sprach- und EDV-Qualifikationen. Hieraus können eine Reihe von zielgerichteten Weiterbildungsmaßnahmen abgeleitet werden.

Weiterbildung: Anforderungen bei Jobwechsel

Im Vorfeld zum Jobwechsel sollten im Vorstellungsgespräch detailliert Anforderungen zur neuen Stelle erhoben und danach entschieden werden: Welche Form der Weiterbildung ist bereits vor Jobantritt sinnvoll (z.B. Perfektionieren der Englischkenntnisse, Einarbeitung in eine bestimmen CAD-Software o.ä.), welche während der Probezeit und welche danach. Die Punkte können mit dem Arbeitgeber besprochen und dessen Bereitschaft geprüft werden, sich an den Kosten zu beteiligen. Möglicherweise plant der Arbeitgeber im Rahmen der Einarbeitung und Entwicklung bereits Weiterbildungsmaßnahmen.

Weitere Anforderungen an Weiterbildung ergeben sich aus formellen Voraussetzungen für bestimmte Arbeitsgebiete. Selbst, wenn man auf dem Arbeitsgebiet über Jahre tätig war und das Gebiet „aus dem ff“ kennt, kann es für den Bewerbungsprozesses sinnvoll sein, bestimmte Zusatzkenntnisse durch entsprechende Bescheinigungen zu belegen. Teilweise sind die Bescheinigungen zwingend notwendig, um in einem bestimmten Arbeitsgebiet tätig werden zu können, teilweise dienen sie der Glaubhaftmachung von Kenntnissen. Beispiele: Bescheinigungen auf den Gebieten Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, Schweißen usw.

Was kostet die Weiterbildung?

Um über die konkrete Weiterbildung (Inhalt, Dauer, Bildungsträger, Form der Weiterbildung) zu entscheiden, muss das Weiterbildungsbudget feststehen. Was nützt der Weiterbildungswille, wenn die Mittel fehlen. Es muss klar sein, wieviel Geld privat in das Thema Weiterbildung investiert werden kann oder soll. Zudem ist im Fördergespräch zu prüfen, wieviel Geld der Arbeitgeber bzw. das Arbeitsamt für die persönliche Weiterbildung bereitstellt und ob die Gelder an bestimmte Weiterbildungsmaßnahmen geknüpft sind. Möglichkeiten der Weiterbildung sollten schon im Vorstellungsgespräch diskutiert werden.

Es kann grundsätzlich zwischen der fachlich- und persönlichkeitsorientierten Weiterbildung unterschieden werden. Der fachlichen Schiene wird meist zu Unrecht eine sehr hohe Bedeutung beigemessen, zumindest, wenn der einzelne für die Weiterbildung selbst in die Brieftasche greifen muss. Themen z.B. zur Verbesserung der Führungs-, Sozial- und Kommunikationskompetenz werden dagegen gerne zurückgestellt. Dabei sind es gerade diese Kompetenzen, die letztlich die berufliche Zukunft entscheiden.

Möglichkeiten der Weiterbildung

Preiswerte Formen der Weiterbildung sind das Literaturstudium und das bewusste Lernen am Arbeitsplatz, wobei reale Gegebenheiten dem Selbststudium dienen. Teuerer sind Seminare, Schulungen oder ein gesamtes Aufbaustudium, evt. im Ausland (siehe dazu Checkliste Auslandsstudium). Zu fragen ist, ob die Präsenzform sein muss oder ein Fernstudium ausreicht. Bei sachorientierten Themen kann im Regelfall auf Präsenz verzichtet werden, bei persönlichkeitsorientierten Themen geht es ohne Anwesenheit nicht. Die intensivste, wenn auch teuerste Form, ist das Einzelcoaching.

Generell ist zu überlegen, ob nicht gezielten Einzelmaßnahmen der Vorzug gegenüber einer langen Weiterbildung eingeräumt wird. Ein komplettes Aufbaustudium bringt möglicherweise einen klangvollen Abschluss. Wenn aber bereits Diplom oder Promotion vorliegen, darf bezweifelt werden, dass ein weiterer Studienabschluss den Kandidaten entscheidend voran bringt. Bei der Weiterbildung ist unter dem Gesichtspunkt der fortschreitenden Globalisierung auf einen gewissen internationalen Bezug zu achten.

Auswahl des Bildungsträgers für die Weiterbildung

In der internationalen Szene der Weiterbildung wird das Thema Ranking groß geschrieben. Über die tatsächliche Bedeutung dieser Rankings in der Wirtschaft darf gestritten werden. Kaum ein Personalentscheider kennt die aktuellen Rankings, die sich zudem ja auch ständig ändern und ja auch keinesfalls allerseits anerkannt sind. Es sollte sich niemand kopfscheu machen. Nicht jede Weiterbildung muss bei der No. 1 der Szene gebucht werden. Bei Weiterbildungen, die für das berufliche Fortkommen von hoher Bedeutung sind und Arbeitgebern im Rahmen des Bewerbungsprozesses präsentiert werden sollen, empfiehlt es sich allerdings schon, auf die Billigvariante zu verzichten.

Nicht immer ist es vorteilhaft, den Arbeitgeber über die geplante oder laufende Weiterbildung zu informieren. Eine in Eigenregie angegangene Weiterbildung kann z.B. der Vorgesetzte schnell mit Abwanderungsfantasien verbinden. Der Mitarbeiter ist mit dem aktuellen Job nicht zufrieden und strebt nach höherem! Weiht man den Vorgesetzten in eine laufende Weiterbildung ein, könnte dies mit der Fantasie einer minderwertigen Arbeitsleistung einher gehen, unabhängig ob dies zutrifft oder nicht. Die beste Fortbildung bringt aber nichts, wenn der Arbeitgeber davon nichts weiß. Insofern sollte die Gesamtsituation betrachtet und danach entschieden werden, wann der Arbeitgeber in Kenntnis gesetzt wird.

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