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Nach dem Fest ist vor dem Fest

Der Samstag nach Weihnachten war für den Einzelhandel ein verkaufsstarker Tag und zählte noch mit zum Weihnachtsgeschäft. Kleidung, Elektrogeräte und am häufigsten Parfums wurde gegen passendere oder beliebtere Varianten umgetauscht. Obwohl das Umtauschrecht nicht gesetzlich verankert ist, nutzen viele Menschen das Angebot der Geschäfte, gegen Vorlage des Kassenzettels die nicht gefallende oder nicht passende Ware umtauschen zu können. Insofern sagten Sprecher des Einzelhandels: „Nach dem Fest ist vor dem Fest“.

Geschenkekauf: Meist bloße Formalität statt wirkliches Interesse am Anderen.

Geschenkekauf: Meist bloße Formalität statt wirkliches Interesse am Anderen.

Foto: panthermedia.net/AntonMatyukha

Die Flüchtigkeit des Geschenkekaufs

Woran mag es liegen, dass heute – mehr denn je – die Geschenke der Lieben umgetauscht werden? Liegt es auch daran, dass viele sich vor Weihnachten so sehr unter Druck fühlen, dass sie bei der Wahl des entsprechenden Geschenkes nicht mehr nachdenken, sondern das kaufen, das ihnen selbst gefällt, aber eben nicht dem Beschenkten? Oder sind wir so mit uns selbst beschäftigt, dass wir nicht mehr richtig zuhören, wenn zum Beispiel der Partner im Laufe des Jahres den einen oder anderen Wunsch äußert, den wir ihm zu Weihnachten erfüllen könnten? Mein Partner fragte mich einige Wochen vor Weihnachten, was ich von einem Kaffeevollautomaten hielte. Davon abgesehen, dass das ein eher kostspieliges Geschenk gewesen wäre, wollte ich auf keinen Fall eine solche Kaffeemaschine unter dem Weihnachtsbaum liegen haben, weil er –  als leidenschaftlicher Kaffeetrinker – sich selbst, aber nicht mir ein Geschenk gemacht hätte. Ich wollte gar nichts Großes, aber ein Geschenk, an dem ich erkennen konnte, dass er sich Gedanken über mich und meinen Geschmack, die Möglichkeit, mir eine Freude zu machen, gemacht hätte. Nun mögen Sie als Ingenieur sagen, das sei eine eher große Herausforderung, denn der Kauf eines Schmuckstückes sei doch nicht so leicht. Raus aus dem rationalen Alltag, rein in die emotionale Weihnachtswunderwelt und mit millionen anderer Menschen von Geschäft zu Geschäft jagen, dafür seien sie nicht geschaffen. Und weil nicht nur Ingenieure, sondern wir alle vor Weihnachten so unter Druck stehen, werden die Geschenke dann eher flüchtig gekauft.

Die Einstellung zum Schenkenden macht den Unterschied

Ich kann mich noch gut an das erste Weihnachten mit meinem ehemaligen Mann erinnern. Er hatte mir einen Ring gekauft und hielt mit einer Flasche Champagner bei meiner Mutter um meine Hand an. So schmale Ringe, wie er mir einen geschenkt hatte, mag ich eigentlich nicht, aber es war für mich trotzdem der schönste aller Ringe und ich trug ihn mit Freude. Ich war verliebt und dieser Mann hätte mir wahrscheinlich selbstgestrickte Socken schenken können und ich hätte sie voller Stolz getragen. Jahre später bekam ich vom gleichen Mann einen Bademantel geschenkt. Ich hatte mir ihn gewünscht, in Braun. Ich bekam ihn, in Weinrot. Der braune sei in dem Laden ausverkauft gewesen und weinrot sei ja auch eine schöne Farbe. Das mag stimmen, aber nicht meine. Ich ärgerte mich darüber, dass er sich über meinen Wunsch hinweggesetzt hatte, dass er nicht noch in einem anderen Laden versucht hatte, einen braunen Bademantel zu erstehen. Umgetauscht habe ich den Bademantel nie, weil ich den Schenkenden nicht hatte kränken wollen, aber getragen habe ich ihn auch nicht. Zwischen beiden Geschenken lagen zwanzig Jahre und womöglich spielte nicht das Geschenk eine so große Rolle, sondern das Gefühl, das ich für den Schenkenden hatte. Die Begeisterung für denjenigen, der schenkt, schwappt also womöglich über auf das Geschenk oder eben auch andersherum: Die stille Abneigung wird als Ventil auf das Geschenk bezogen.

Das veränderte Kaufverhalten

Früher mussten wir uns anziehen, den Wagen in ein Parkhaus bugsieren, ein paar Schritte laufen, um ein Geschäft zu erreichen und dann durch die entsprechenden Abteilungen laufen. Heute brauchen wir nur noch den Computer hochzufahren und ein paar Mausklicks später haben wir bestellt, was unser Herz begehrt, und manchmal auch das, was wir vorher gar nicht gesucht, in den Verkaufsportalen aber gefunden haben. Damit auch nichts schiefgeht, bestellen viele Menschen die begehrte Hose gleich in zwei Größen, eine wird nach der Anprobe dann zurückgeschickt. Bei Amazon werden etwa 50 % der bestellten Waren wieder zurückgeschickt. Trotzdem scheint das Geschäft ja zu florieren, denn Deutschland ist heute der wichtigste Auslandsmarkt für den US-amerikanischen Versandhändler, dessen fast 120.000 Mitarbeiter auch aus dem Erlös des Deutschland-Geschäftes mit immerhin 10,5 Milliarden Dollar im Jahr 2013 ihren Arbeitsplatz gesichert bekommen. Kaufen, umtauschen, zurücksenden, wieder kaufen – das ganze Einkaufsprozedere wird uns heute so leicht gemacht, dass die Frage nach der Notwendigkeit oft viel stärker in den Hintergrund rückt.

Sind wir übersättigt?

Einkaufen ist leicht, einkaufen ist oft günstig. Egal was, wir haben es im Überfluss. Meine Mutter erzählte mir einmal, dass sie kurz nach dem Krieg zu Weihnachten ein paar Winterschuhe bekommen habe, mit denen sie auch ins Bett gegangen sei, aus Stolz, aber auch aus Angst, man könne sie ihr wieder wegnehmen. Es gab nichts und das Wenige, das man bekam, erfüllte einen mit großer Freude. Wir haben viel mehr als wir brauchen und können uns oft über so wenig freuen. Die Ansprüche werden immer höher. Sind wir übersättigt? Das Angebot – ganz gleich welchen Artikels – ist riesig und die Qual der Wahl lastet auf unseren Schultern.

Das Anspruchsdenken macht vor nichts halt

Der Umtauschrausch bezieht sich nicht nur auf unsere Weihnachtsgeschenke. Nein, Dank der Partnerschaftsbörsen ist es leicht, einen Partner, der unseren (hohen) Erwartungen nicht mehr entspricht,  umzutauschen. Beim nächsten Mann, der nächsten Frau, wird bestimmt alles besser. Und wenn nicht, ein paar Klicks und schon haben wir das nächste Date. Wenn am Arbeitsplatz die Bedingungen nicht mehr optimal sind, brauchen wir nicht einmal mehr am Kiosk eine Zeitung zu kaufen, um nach einem neuen Job zu suchen. Fündig werden wir oft in einem der zahlreichen Portale mit Stellenangeboten. Wir brauchen nicht einmal mehr eine teure Mappe zu kaufen, nein, wir bewerben uns online, betätigen einen Button und schon ist wieder eine Bewerbung auf dem Weg. Einkaufshopping, Partnerhopping, Job-Hopping, die virtuelle Welt macht es möglich. Was nicht gefällt, wird ausgetauscht.

Was macht uns noch wirklich glücklich?

Unsere Möglichkeiten sind beinah unbegrenzt, aber machen sie uns auch zufrieden? Früher konnte ich mich über die Tafel Schokolade, die meine Oma mir vom Einkaufen mitbrachte, mehr freuen als über den Karton Lind-Pralinen, den ich heute geschenkt bekomme. Das Einfache war etwas Besonderes. Eine Verabredung mit einem potentiellen Partner verursachte mir schon Tage vorher aufgeregtes Magenkribbeln, eine neue Stelle mit unsagbarem Stolz. Jede noch so kleine Überraschung machte mir Freude. Haben wir solche Gefühle heute noch oder ist ihr Verlust, der Preis, den wir für die unbegrenzten Möglichkeiten zahlen? Was macht uns heute noch wirklich glücklich? Während des Schreibens dieses Artikels habe ich meinen Freund gefragt, über welches Geschenk er sich sehr freuen würde und er sagte mit strahlenden Augen: Einen Rohrbandschleifer! Ich habe keine Ahnung, was das ist, aber ich weiß, was er nächstes Jahr unter dem Baum finden wird.

 

Von Renate Eickenberg, Autorin und Coach

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