Probleme am Arbeitsplatz 28.11.2008, 01:00 Uhr

Mobbing ist für Arbeitgeber günstiger, als Ingenieure zu kündigen

Wenn die Personalkosten sinken müssen, kann Mobbing für Ingenieure die Folge sein. Manche Arbeitgeber versuchen auf diese Weise, ihre Mitarbeiter zu einer Kündigung zu bewegen, um das Geld für teure Abfindungen zu sparen. Ein Fachanwalt und Verhaltenstipps können helfen.

Mobbing: Für Arbeitgeber günstiger als Kündigen.

Mobbing: Für Arbeitgeber günstiger als Kündigen.

Foto: iStock / Thinkstock

Auch an den deutschen Unternehmen wird die Krise nicht vorübergehen, selbst wenn es heute in vielen Unternehmen noch keine akuten Probleme gibt. Dies liegt daran, dass trotz der einbrechenden Quartalsergebnisse die Gesamtzahlen für das laufende Wirtschaftsjahr für die meisten Unternehmen sehr gut aussehen. Doch vielerorts brodelt es bereits hinter den Kulissen von Branchen und Unternehmen, die als erste vom Abschwung gepackt werden. Einige hatten sich noch in den letzten Monaten fleißig mit Ingenieuren eingedeckt, plötzlich müssen sie zurückrudern. Personaleinstellungen, die mit der Aussicht auf anhaltendes Wirtschaftswachstums verbunden waren, werden inzwischen bedauert, Mobbing ist oft die Folge, um Ingenieure zu Kündigungen zu drängen.

Die nun erwartete Rezession bedingt neue Personalstrategien – Mobbing der Ingenieure. Denn einige Unternehmen stellen sich offensichtlich die Frage, wie man auf billige Weise die teuer eingekauften Ingenieure, insbesondere die Führungskräfte, schnell wieder loswerden kann. Dass manche Arbeitgeber dabei teilweise stillos und ruppig verfahren ist eine unschöne Begleiterscheinung des einsetzenden Abschwunges.

Mobbing als Mittel, um Ingenieure zur Kündigung zu drängen

Statt offen mit den betroffenen Ingenieuren zu sprechen und ihnen einen fairen Aufhebungsvertrag mit der realistischen Möglichkeit einer Anschlussbeschäftigung anzubieten, wird die gesamte „Trickkiste“ ausgepackt. Die im wahrsten Sinne des Wortes billigste Maßnahme ist dabei, die relativ kurz im Betrieb befindliche Führungskraft „sauer zu fahren“. Mobbing ist also das Mittel der Wahl.

Dazu gehören „beliebte Spiele“ wie das Abschneiden der Informationsversorgung, das Mobbing in Form des Ignorierens des Ingenieurs bei Meetings durch den Vorgesetzten, das „Levitenlesen“ durch den Chef, obwohl es keinen Anlass zur Rüge gibt etc. Beliebt sind auch Versetzungsangebote, um den Arbeitnehmer in der schwierigen Situation „zu helfen“. Der Kandidat wird von einem Bereich in den anderen geschoben, um hier nochmals eine „letzte Chance“ zu bekommen. Es werden ihm unattraktive deutsche oder ausländische Standorte als Alternative angeboten usw.

Ingenieure sollten bei Verdacht auf Mobbing sofort einen Fachanwalt kontaktieren

Der Arbeitgeber hat dann sein Ziel erreicht, wenn er den Ingenieur durch das Mobbing tatsächlich so weich kocht, dass dieser von sich aus das Handtuch schmeißt. Gibt das Unternehmen dem Betreffenden dann noch ein „passendes“ Arbeitszeugnis mit auf den Weg, sieht es sich in ganzer Linie bestätigt.

Doch wie soll sich der so traktierte Ingenieur konkret verhalten? Sobald erste Verdachtsmomente zum Thema Mobbing aufkommen, dass trotz guter Arbeitsleistungen, Vorgesetzte plötzlich auf Distanz gehen, sich verleugnen lassen bzw. vergleichbare Spielchen bereits mit Kollegen getrieben werden, sollte der erste Kontakt mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht geknüpft werden. Im Erstkontakt geht es lediglich darum, den Fachanwalt kennenzulernen und ihn so einzustimmen, dass er im Ernstfall sofort mit Rat und Tat zur Seite steht – und nicht erst Wochen später.

Ingenieure dürfen dem Mobbing nicht nachgeben

Jede vom Arbeitgeber vorgeschlagene Maßnahme wie Versetzung oder Gehaltskürzung sollte mit dem Fachexperten diskutiert werden und Basis für die Kommunikation mit dem Arbeitgeber bilden. Auf jeden Fall sehr wichtig ist es, gegenüber dem Arbeitgeber in jeder Phase hohe Arbeitsbereitschaft zu zeigen, um nicht etwa durch abfällige Bemerkungen, plötzliches Krankmelden oder einen Motivationseinbruch dem Arbeitgeber eine Bestätigung für sein Mobbing zu geben. Ziel für den Ingenieur muss es sein, Zeit für die Abwicklung eines normalen Bewerbungsprozesses zu gewinnen.

Am Ende des gesamten Prozesses sollte ein Aufhebungsvertrag stehen, der dem Betreffenden genügend Zeit bietet, einen Bewerbungsprozess zu starten und erfolgreich zu Ende zu bringen. Neun Monate kann für einen derartigen Prozess im Durchschnitt gerechnet werden, wenn mit der Kaltakquise zur Stunde Null begonnen werden muss. Natürlich spielt auch die absolute Höhe der Abfindung eine Rolle, wichtiger ist es aber, sich so lange wie möglich aus einem laufenden Arbeitsverhältnis heraus bewerben zu können – statt dies aus der Arbeitslosigkeit zu tun. Auf keinen Fall dürfen Ingenieure dem Mobbing einfach nachgeben.

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