Karrierestrategie 23.09.2015, 00:00 Uhr

MBA für Ingenieure auf dem Prüfstand

Wirtschafts- und Managementkenntnisse sind notwendig, wenn Ingenieure Führungsverantwortung in Unternehmen übernehmen möchten. Doch die jeweils ganz unterschiedlichen, weil individuellen Voraussetzungen machen es sehr schwer zu entscheiden, welche konkreten Zusatzqualifikationen sinnvoll sind. Auch der Master of Business Administration (MBA) ist umstritten. Ausbildungsstätten und viele Absolventen schwören auf das breite, anwendungsnahe Wissen, das diese Programme vermitteln, aber es gibt auch kritische Stimmen, die sagen, der MBA-Abschluss sei meist zu teuer, häufig überflüssig und überbewertet.

Bringt die Weiterbildung immer einen Karriereschub?

Bringt die Weiterbildung immer einen Karriereschub?

Foto: iStock / Thinkstock

Der MBA kommt aus den USA und die europäischen Anbieter modifizieren natürlich Curricula, Abläufe und Verfahren, aber die Herkunft bleibt wichtig, da auch heute noch kulturelle Traditionen aufeinandertreffen. Die MBA-Ausbildung ist etwas anderes als ein reguläres Studium an einer deutschen Hochschule. Bei den prestigeträchtigen sogenannten Businessschools in den USA und auch in Europa werden für die Vollzeitprogramme höchstens ein Viertel der Bewerber angenommen. Logischerweise ist dann der Abschluss an solch einer renommierten Ausbildungsstätte etwas Besonderes. Ein MBA von einer wenig anerkannten und in den Rankings unter ferner liefen gelisteten Business-School ist wenig wert.

Voraussetzungen

In Deutschland sind ein FH-Abschluss oder der Uni-Bachelor Grundvoraussetzungen für ein MBA-Studium. Englische Sprachkenntnisse, meist nachgewiesen durch den kostenpflichtigen TOEFL-Test, und Berufserfahrung (bis auf wenige Ausnahmen) sind ebenfalls notwendig. Auch der Graduate Management Admission Test (kurz GMAT), mit dem die Eignung für ein weiterführendes betriebswirtschaftliches Studienprogramm ermittelt werden soll, ist häufig eine weitere Zugangsvoraussetzung. Der persönliche Eindruck der Bewerber beim Auswahlgespräch ist ebenso mitentscheidend.

Programme

Das klassische MBA-Programm in den USA läuft über zwei Jahre und kann direkt nach dem Collegeabschluss angegangen werden. In Deutschland laufen die Vollzeitprogramme meist über 18 Monate, es gibt aber auch kürzere (9 Monate) und längere (24 Monate) Zeiträume. Europaweit bieten 70 Prozent der Schulen einjährige Vollzeitprogramme an. Im Trend liegen eher die Teilzeitangebote mit immer kürzeren Studiengängen, aber über die Hälfte der Teilzeitprogramme haben noch die klassische Laufzeit von zwei Jahren. Die sogenannten Executive MBAs oder EMBAS sind so konzipiert, dass sie nebenberuflich zu absolvieren sind. Die Idee ist wohl, diese meist teuren Programme als besondere Form der beruflichen Weiterbildung anzusehen, die ganz oder zum Teil von den Arbeitgebern finanziert werden. Vielleicht entwickelt sich so auch allmählich nachamerikanischem Vorbild ein grundsätzlich neuer Ausbildungsweg, wenn Bachelors nach ersten Berufsjahren noch einmal theoretisches und praxisnahes Wissen kompakt auf einer Businessschool oder Hochschule erwerben.

Warum MBA?

Methodenkenntnisse, Interdisziplinarität, Führungskompetenz und praktische Anwendungen: Das suchen wohl die meisten Ingenieure, die den MBA anstreben. Manche suchen zielgerichtet diese Skills, um ihre Karriere strategisch voranzutreiben, häufig wird aber wohl eher eine Art Praxisschock die Motivation ankurbeln. Grundsätzlich ist vielleicht die intensive Ausrichtung der Programme auf die kommunikativen Seiten des Managements – wie sprachliches Vermögen, milieugerechtes Sozialverhalten, Kontakte knüpfen und pflegen – ein wichtiges Argument für den MBA. Betriebswirte und vor allem Finanzmarktexperten sprechen eine Sprache, die nicht nur Ingenieuren per se fremd ist. Um bei zunehmender Managementverantwortung mithalten zu können, ist in vielen Fällen durchaus noch einmal ein strukturierter Wissenserwerb sinnvoll. Vor allem wirklich anspruchsvolle MBA-Programme sind in allen Belangen sehr international ausgerichtet, die verschiedenen kulturellen als auch professionellen Herkünfte der Teilnehmer können ebenfalls zum Vorteil für alle Beteiligten werden. Es gibt aber auch (Teilzeit-) Programme, die sich speziell an Ingenieure mit ihren spezifischen Bedürfnissen im Hinblick auf praxisnahes Wirtschafts- und Managementwissen richten. Kritiker monieren, dass viele Weiterbildungen den MBA so weit ausdifferenzieren, bis überhaupt nicht mehr klar ist, was überhaupt damit gemeint ist.

Akkreditierung und Ranking

In Deutschland sind mittlerweile gut 90 Prozent der MBA-Programme meist durch FIBAA oder AQUIN akkreditiert, die internationale Akkreditierung beispielsweise durch AMBA können rund ein Viertel der Programme vorweisen. In den Vereinigten Staaten ist die Association to Advanced Collegiate Schools of Business (AACSB) die maßgebliche Agentur zur Akkreditierung, die auch zunehmend weltweit agiert.

Die Rankings in der Financial Times, dem Wallstreet Journal oder der Business Week sind aber eine Wissenschaft für sich und stark umstritten. Die deutschen Programme sind nicht so einfach nach den us-amerikanischen Kriterien zu beurteilen. Dementsprechend erfordert die Auswahl des Studienanbieters leider eigene zeitaufwändige Recherchen, denn die Rankings können nicht das alleinige Auswahlkriterium sein.

Kosten und Finanzierung

Der MBA ist eine teure Investition in die eigene Zukunft. Laut Staufenbiel MBATrends-Studie 2013/14 – die auf den Angaben von 156 Schulen mit 259 Programmen in den USA und Europa basiert – kosteten die Vollzeitprogramme in Deutschland meist zwischen 20.000 und 50.000 Euro. Ein europäisches Vollzeitprogramm kostete durchschnittlich 37.500 EURO. 73 Prozent der Business-Schools verlangten zwischen 20.000 und 50.000 Euro und 17 Prozent waren sogar noch teurer. In den USA kostete ein MBA durchschnittlich 82.900, allerdings laufen die Programme in Europa meist über 16 Monate und in den USA bis zu 24 Monate. Die Teilzeitprogramme 2013/14 kosteten in Europa durchschnittlich 33.400 Euro, in Deutschland im Schnitt 21.900 EURO.

Wer das MBA-Studium im Ausland absolvieren möchte, kann beispielsweise beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Stipendium beantragen. Bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes können Stipendien aus dem Haniel-Programm beantragt werden von monatlich max. 1.500 Euro und einem jährlichen Studiengebührenzuschuss von max. 14.000 Euro. Für MBA-Studiengänge in den USA kommen auch Fulbright-Stipendien in Frage. Auch einige Business-Schools in Deutschland bieten selbst Stipendien an.

Fein raus ist, wer von seinem Arbeitgeber den MBA finanziert bekommt, nach der Staufenbiel MBA Trends-Studie 2013/14 werden rund die Hälfte der MBA-Kandidaten von ihren Unternehmen unterstützt, doch 90 Prozent müssen auf eigene Ersparnisse zurückgreifen, 80 Prozent nehmen sogar ein Darlehen auf.

Karriere mit dem MBA – oder auch nicht

Es gibt keine Garantie, dass der MBA die eigene Karriere entscheidend voranbringt; und es gibt keine Automatismen, dass der MBA in jedem Fall für ein höheres Gehalt sorgt und sich somit auch finanziell rentiert. Aber beides ist möglich und in vielen Fällen wahrscheinlich. Eine unbefriedigende Aussage vielleicht, aber bei genauem Hinsehen auch selbstverständlich. Genauso wenig wie ein sehr guter Masterabschluss das folgende Berufsleben von allein erfolgreich verlaufen lässt, bietet auch eine Zusatzqualifikation wie der MBA keine Garantie für (besonderen) Erfolg. Die berufliche Praxis ist natürlich stets das entscheidende Kriterium zur Einschätzung von Mitarbeitern. Ob der MBA ein zwingendes Argument für mehr Gehalt bei einer Neueinstellung ist, darüber streiten sich die Experten.

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