Absagen haben Gründe

Lernen Sie, Absagen für sich zu nutzen

Absagen erhält keiner gerne. Ob im privaten oder im beruflichen Umfeld – Absagen können uns empfindlich treffen. Insbesondere wenn sie sich häufen. Deswegen sollte man jedoch nicht seine Motivation begraben oder gar sein Selbstwertgefühl anzweifeln. Bewerber sollten Absagen als konstruktive Kritik begreifen und lernen, damit umzugehen.

Aus Absagen lernen hilft in der nächsten Bewerbung!

Aus Absagen lernen hilft in der nächsten Bewerbung!

Foto: panthermedia.net/AndreyPopov

Manchmal hilft ein zweiter Blick auf die Dinge. Die erste Reaktion nach Öffnen des großen Briefumschlags, in dem – vielleicht einmal mehr, vielleicht aber auch zum ersten Mal – die eigenen Bewerbungsunterlagen zurückgesendet wurden, ist häufig Enttäuschung. Da helfen auch keine Bekundungen, dass Sie nahezu geeignet gewesen wären, ein anderer Kandidat jedoch noch besser geeignet war. Zumal wir alle wissen, dass das Floskeln sind. Ein zweiter Blick auf eine Absage, ein Anruf oder ein Moment des Innehaltens kann aber helfen und die nächste Bewerbungssituation positiv beeinflussen.

Absagen sind unpersönlich

Jedem sollte klar sein, dass er sich bei Bewerbungen auf ein Spiel einlässt, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt. Meist gibt es sogar nur einen Gewinner und viele Verlierer. Auch unter Akademikern und unter Ingenieuren sind Absagen völlig normal. Gerade Absolventen konkurrieren etwa zur gleichen Zeit mit all ihren ehemaligen Kommilitonen, die nun den Einstieg ins Berufsleben anstreben. In Deutschland verlassen derzeit jedes Jahr rund 65 000 Ingenieure die Hochschulen allein mit einem Bachelorabschluss – ein Großteil davon versucht, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Der Wettbewerb ist also riesig.

Damit sind Absagen in Bewerbungsprozessen vorprogrammiert. Um der Enttäuschung vorzubeugen, sollten sich Bewerber bewusst machen, dass eine Absage immer unpersönlich ist. Nicht nur in ihrer Form, sondern eben auch auf der Ebene der Entscheidungsträger. Der Personaler kennt den Bewerber in der Regel nicht, er sucht nach bestimmten Studiengängen, nach Schlüsselqualifikationen oder Schlagworten. Und er hat seine persönlichen Präferenzen, die der eine mit seinen Unterlagen und seinem Werdegang trifft und der andere eben nicht.

Ein weiterer Grund, der zu einer Absage führen kann und absolut nichts mit dem Bewerber als Person der gar als Fachkraft zu tun hat, ist die interne Besetzung. Manche Stellen werden zunächst intern ausgehängt, bevor sie extern ausgeschrieben werden. Das wird nicht kommuniziert, führt aber selbstverständlich zu einer Absage bei allen externen Kandidaten, sollte sich ein Bewerber aus dem Mitarbeiterpool als geeignete Besetzung herausstellen. Kandidaten von außen werden im Zweifelsfall abgelehnt, ohne dass sie auch nur die Chance hatten, sich persönlich vorzustellen.

Absagen haben Gründe

Auch wenn Absagen frustrierend sind, das Ende bedeuten sie nicht. Viel eher sollten sie als Ausgangspunkt genutzt werden, um die eigenen Unterlagen oder das eigene Auftreten kritisch zu reflektieren. Die Stellschrauben mit Änderungsbedarf lassen sich am Zeitpunkt der Absage ablesen. Wer auf seine Unterlagen unmittelbar eine Absage erhält, ohne zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden zu sein, sollte sich seine Bewerbung noch einmal genau durchsehen. Dabei sollte man auch Bekannte oder Profis zurate ziehen, die ein aufrichtiges Feedback geben können. Folgende Punkte gilt es besonders zu beachten, da sie immer wieder Quellen für Irritationen im Bewerbungsprozess sind:

  • Das Anschreiben sollte zur Stellenausschreibung passen und auf diese eingehen. Ist es beliebig, lässt die Absage sicher nicht lange auf sich warten.
  • Ein Lebenslauf, der Fragen aufwirft, kann neugierige Personaler dazu bewegen, den Bewerber einzuladen und nachzufragen. Besser ist es jedoch, wenn Leerläufe, Studienplatzwechsel oder fehlende Praktika kurz erwähnt und erklärt werden.
  • Das Foto vermittelt den ersten Eindruck. Auch wer sich nicht für den technischen Vertrieb, sondern für eine Forschungsstelle entscheidet, sollte sein Foto mit Bedacht auswählen. Die Meinung von Dritten kann hier entscheidend sein!

Wenn die Formalien stimmen, kann ein weiterer Grund für eine frühe Absage in der Auswahl der Stellen liegen. Nach einer Absage lohnt daher ein erneuter Blick auf die Stellenanzeige. Ist die angestrebte Position erreichbar oder fehlt dafür nicht doch die ein oder andere Schlüsselqualifikation? Sollte dem so sein, sind die Lösungswege vielfältig: Zunächst kann man bei weiteren Bewerbungen gezielt darauf achten, ob die angebotene Stelle zum eigenen Werdegang passt. Auf jeden Fall sollte man gerade bei der Suche nach Einstiegspositionen einen breiten Stellenhorizont wahren. Zudem können Schlüsselqualifikationen nachgeholt und fehlende Berufserfahrung mit fachnahen Nebenjobs teilweise wettgemacht werden.

Nach dem Vorstellungsgespräch kam die Absage

Wenn die Absagen eintrudeln, nachdem das erste Bewerbungsgespräch gelaufen oder das Assessment-Center überstanden ist, sollte der eigene Auftritt unter die Lupe genommen werden. Auch hier können professionelle Bewerbungstrainings oder ein Rollenspiel mit Freunden helfen. Bewerbungssituationen sind nicht alltäglich und sich selbst darzustellen, fällt vielen Bewerbern schwer.

Nachhaken ist in Einzelfällen ratsam

Wer sich auch nach der zigsten Absage nicht erklären kann, woran er scheitert oder wer gerade von seinem absoluten Wunschunternehmen abgelehnt wurde, sollte nachhaken. Absageschreiben enthalten normalerweise keine Begründung. Das liegt am Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, das im Jahr 2006 in Kraft trat und vor Diskriminierungen, bspw. aufgrund des Alters, der Herkunft, des Geschlechts oder einer Behinderung schützen soll. Im Bewerbungsverfahren ist das Ergebnis allzu häufig phrasengespickte Absagen ohne jede Aussage.

Trotzdem kann man als Bewerber zum Telefonhörer greifen und nach den Gründen für die Absage forschen. Kleine und mittelständische Unternehmen gelten übrigens als auskunftsfreudiger als Konzerne. Der Umgangston sollte dabei immer professionell bleiben und die Nachfrage zukunftsgerichtet sein. Denn seine bereits getroffene Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten wird kein Personaler mal eben begründen wollen. Entlocken Sie ihm stattdessen eine Empfehlung, was Sie persönlich bei Ihrer nächsten Bewerbung besser machen können. Und bedanken Sie sich im Falle einer ehrlichen Antwort für die konstruktive Kritik, auch wenn sie schmerzt. Bei der nächsten Bewerbung werden die Karten neu gemischt.

 

Von Lisa Schneider

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