Konfliktbewältigung 15.10.2004, 00:00 Uhr

Konflikt mit dem Geschäftsführer

In wirtschaftlich angespannten Zeiten kann es passieren, dass Geschäftsführer zu „laut husten“ und sich in Wortwahl und Tonart gegenüber ihren Mitarbeitern vergreifen.

Kritik vom Geschäftsführer: Nicht überreagieren.

Kritik vom Geschäftsführer: Nicht überreagieren.

Foto: iStock / Thinkstock

Da droht der Geschäftsführer aus einer Unternehmensgruppe dem langjährigen Leiter Produktion und Technik: „In zwei Wochen kommt unser wichtigster Kunde ins Haus. Wir wollen ihm die neue verfahrenstechnische Anlage zeigen. Wenn irgendetwas schief läuft, können Sie sich den Sarg bestellen.“ Die Bemerkung fährt dem Dr.-Ing. tief in die Glieder. Der Vater von vier Kindern nimmt den Hinweis durchaus ernst. Bei nächster Gelegenheit unterhält er sich mit einem bekannten Personalberater über Alternativen und ist drauf und dran, die Brocken hinzuschmeißen. Ob das wohl die richtige Reaktion ist?

Das der Geschäftsführer diese Bemerkung macht, wäre für den Ingenieur nachvollziehbar, wenn er in der Vergangenheit schwache Leistungen gebracht hätte. Das Gegenteil trifft zu. Mit seiner Hilfe entwickelte sich das Unternehmen über Jahre zur „Perle“ der Unternehmensgruppe. Er war federführend bei der Entwicklung, Konstruktion und Einführung der High-Tech-Produktionsanlagen. Durch den hohen Innovationsgrad konnten Produktlebenszyklen rasant verkürzt, Ausschussraten halbiert und letztlich die Zufriedenheit der Kunden maßgeblich gesteigert werden.

Geschäftsführer sind nicht immer gerecht

Der Verfahrenstechniker kann heute behaupten, das Unternehmen durch hohe Prozessbeherrschung und Prozess-Stabilität technisch und wirtschaftlich in die europäische Spitzenposition gebracht zu haben. Dabei konnte sich der Geschäftsführer, ein Kaufmann mit geringen Ingenieurkenntnissen, immer auf seine Kompetenz verlassen. Nie brannte etwas an. Daher verletzt die Entgleisung umso mehr. Der Produktionsleiter reagiert anfänglich gelassen. Er überschläft die Sache und spricht bei nächster Gelegenheit den Vorgesetzten beiläufig auf seine Bemerkung an. Der überhört sie einfach. Weder entschuldigt er sich, noch stellt er nachträglich die Sache klar.

Weiterer Frust steigt bei dem Ingenieur hoch und sein Herz schreit nach ausgleichender Gerechtigkeit, die er nach spontanen Überlegungen nur durch einen Arbeitgeberwechsel erreichen kann. Im Gespräch mit dem Personalberater wird schnell eine Alternative auf den Tisch gezaubert. Was soll der Ingenieur jetzt tun? Der promovierte Ingenieur kennt seinen Geschäftsführer gut. Schon in der Vergangenheit bewies der kaufmännische Kollege den sogenannten Killerinstinkt. Insofern möchte er nicht untätig bleiben. Andererseits ist eine gewisse Nervosität beim Geschäftsführer nachvollziehbar. Wenn der wichtigste Kunde vor Ort auftaucht, muss alles daran gesetzt werden, ihn zu überzeugen. Eine verbale Entgleisung passiert dann schnell, rechtfertigt sie aber nicht. Da der Besuchstermin in Kürze ansteht, sollte der Ingenieur erst das Ergebnis abwarten und in der Zwischenzeit den Besuch gründlich vorbereiten.

Wenn Geschäftsführer Leistungspotenzial verkennen

Wahrscheinlich wird nach dem Kundenbesuch nichts passieren, wie auch immer die Betriebsführung ausgeht. Dem Geschäftsführer wird klar sein, dass er seinen Produktionsleiter bei 10-jähriger Zugehörigkeit nicht so schnell los werden kann. Er weiß zudem nicht, welchen Ersatzmann er bekommt. Außerdem ist ihm nicht entgangen, dass er den Europameister in seinen Reihen beschäftigt.

Dennoch sollte sich niemand auf seine Unabkömmlichkeit verlassen. Oft sind Geschäftsführer blind und verkennen beste Leistungen. Insofern ist es richtig, über Alternativen nachzudenken, aber nicht überstürzt. Einer zu schnellen Reaktion folgt oft der Griff daneben. In der Tat, die Jobalternative des Personalberaters ist keine weiterführende Position. Sie liegt im Grunde unter dem Level der jetzigen Stelle und ist aufgrund der regionalen Lage mit einer Trennung von der Familie verbunden.

Nach Kritik vom Geschäftsführer nicht überragieren

Der Ingenieur muss zunächst zur Ruhe kommen, um nicht emotional sondern rational den Stellenwechsel anzugehen. Im Rahmen einer Standortbestimmung sollten gründlich Ziele des Wechsels ausgelotet werden. Danach ist der Arbeitsmarkt nach Alternativen zu sichten. Die Wut über den Geschäftsführer weicht mit der Zeit und alternative Stellen werden objektiver beäugt. Der Ingenieur sollte nicht zu leichtfertig auf sein Lebenswerk beim aktuellen Arbeitgeber, das dort aufgebaute Know-how und seine Reputation verzichten. Zudem ist nicht klar, ob er beim nächsten Unternehmen vom Regen in die Traufe kommt und ihn die rhetorische Entgleisung nicht einmal in 10 Jahren widerfährt, sondern als tägliches Brot erwartet.

Von Bernd Andersch, Karrierecoach, Düsseldorf Tags:

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