Kommunikation: Der Schlüssel zur Karriere

Werfen wir einen Blick um Jahre zurück in das deutsche Vorzeigeunternehmen der 70er/80er Jahre – die Nixdorf Computer AG in Paderborn. Überschüttet von Aufträgen wird in allen Abteilungen der Zentrale auf Hochtouren gearbeitet. Die gefragten fachlichen Leistungsträger sind schon einmal ununterbrochen mehr als 24 Stunden im Einsatz. Den  diesbezüglichen Rekord hält eine Systemprogrammiererin, die es geschafft hat, zwei Tage und zwei Nächte non stop zu werkeln.

Wichtig für die Karriere: Gute Kommunikation.

Wichtig für die Karriere: Gute Kommunikation.

Foto: panthermedia.net/alebloshka

Zum Glück gibt es für die Fleißigsten des Unternehmens den komfortablen Kaffeeautomaten im Pausenraum, dessen dunkelbrauner Inhalt in der nötigen Menge jeden Anflug des Schwächelns während der Nacht vertreibt. Das Neonlicht in den Büros lässt den einen oder anderen Mitarbeiter noch blasser aussehen als er wirklich ist. Die meisten der hochmotivierten IT-Experten sind noch jung und können sicherlich ein Arbeiten rund um die Uhr wegstecken. Die älteren unter ihnen verwahren in der Schublade des Rollcontainers unter dem Schreibtisch das eine oder andere adäquate Mittel der pharmazeutischen Industrie, das den letzten Kick für die nächsten Stunden am Arbeitsplatz bringt. Die Ringe unter den Augen, das ungepflegte Aussehen und weitere Folgen dieser exzessiven Arbeitseinsätze werden quasi als Statussymbol verstanden und mit Würde getragen. Man ist stolz, ein derart gefragter Mitarbeiter zu sein und schließlich werden die Stunden sehr gut honoriert. Gemeinsam haben diese absoluten Leistungsträger aber alle eines: Für die große Karriere sind sie im Unternehmen nicht vorgesehen.

Vom Netzwerken auf der Rolltreppe

Bei Tagesdämmerung füllen sich langsam die Firmenparkplätze. Der hellblaue NSU Ro 80 (ein Auto mit Wankelmotor) des Firmengründers Heinz Nixdorf steht als erster in einer gesonderten Parkbucht direkt vor dem Haus. Einer der letzten, der sein Auto zackig einparkt, ist ein charmanter, gutaussehender junger Mann. Sean M. ist dafür bekannt, weder der fleißigste noch der begabteste Programmierer zu sein. Oft ist er auf der Rolltreppe des Headquarters anzutreffen, die die einzelnen Etagen der Hauptverwaltung wie in einem Kaufhaus (anstelle eines Aufzuges) miteinander verbindet. Hier kann sich Sean nicht nur ausruhen, sondern er hat immer ein waches Auge für die Großen im Unternehmen, die gleichfalls die Rolltreppe benutzen. Das eine oder andere Pläuschlein wird gehalten, denn den Insidern ist bekannt: Karriere wird hier auf der Rolltreppe beim Small Talk gemacht. Obwohl Sean damals nur unwesentlich länger im Unternehmen arbeitete als ich, kannte er die  entscheidenden Führungskräfte des Unternehmens und deren Sekretärinnen persönlich. Wahrlich, eine exzellente Ausgangsbasis für die Karriere.

Der Weg der Flachzange zum Powertool

Sicherlich geht es auch Ihnen im Arbeitsleben manchmal so wie mir. Sie haben es mit Vorgesetzten, Kunden, Managern und Leuten zu tun, die etwas zu sagen haben und Sie fragen sich: Warum bekleidet diese Person einen solch´ exponierten Job? Wie ist sie an diesen Job gekommen? Intellektuell sind viele dieser Herrschaften eher sehr durchschnittlich ausgestattet, die wirklichen Leistungserbringer sind sie gleichfalls nicht, Fehlentscheidungen produzieren manche von ihnen ohne Ende und trotzdem sitzen sie an den Schalthebeln und reden selbst die schlechtesten Ergebnisse gut – was ihnen tatsächlich auch noch geglaubt wird. Und da sind wir genau bei dem Thema: Diese Menschen können argumentierten, können Visionen vortragen, andere überzeugen, besitzen die Gabe, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Leuten mitzuteilen. Sind sie zusätzlich fotogen, telegen und charismatisch seht im Grunde der großen Karriere nichts mehr im Wege.

Face to face statt elektronisch

Diese Menschen sind Netzwerker im wahrsten Sinne des Wortes. Sie haben ihre Connections – entweder selbst aufgebaut (oder geerbt). Ich meine damit nicht das virtuelle Netzwerken, sondern das persönliche Netzwerken face to face. Nur so werden die wichtigen Eigenschaften, wie Kommunikationssensibilität und -geschick, aktives Zuhören und Erkennen von Emotionen und Knöpfen, die bei Menschen gedrückt werden müssen, trainiert. Diese wirkliche Schlüsselqualifikation verkümmert im E-Zeitalter zunehmend. E-Mails, die Präsenz in den E-Netzwerken, der Informationsaustausch per Maschine im Unternehmen, vorgefertigte Präsentationen bringen keine wirklichen Pluspunkte bei Förderern und Managern auf der Suche nach Talenten. Ganz im Gegenteil, das heutige Zeitalter fördert Distanz statt Nähe, wichtige Reaktionen beim Nachrichtenempfänger bleiben unerkannt auf der Strecke, Emotionen werden ausgeblendet, die Kommunikation im Telegrammstil bringt nicht immer Sympathien, wirkt hölzern, teilweise unhöflich und erst recht unpersönlich. Manche Mitarbeiter haben während des ganzen Jahres nur selten reale Kontakte zu ihren Vorgesetzten.

Die Teeküche gewinnt an Bedeutung

Kein Wunder, dass sich im Laufe der Jahre Verkümmerungserscheinungen breit machen, Defizite in der persönlichen Kommunikation und Berührungsängste auftreten, der direkte Umgang mit Menschen untrainiert und unsicher erscheint. Das Zuhören fällt schwer, die Informationsspeicherung gelingt nicht immer, Gedächtnislücken tun sich auf. Die Kommunikation im Internet ist zudem nicht frei. Die Gewissheit, dass jegliche E-Kommunikation gespeichert und irgendwann einmal für oder gegen einen verwendet werden kann, führt zu einer Bremse, die jeglichen Tiefgang des Informationsaustausches unterdrückt. Daher wird das regelmäßige Gespräch in der Teeküche im heutigen Zeitalter tausendmal wichtiger als in der Vergangenheit.

Ohne Fleiß kein Preis?

Was zählt, sind die persönlichen Kontakte, der persönliche Eindruck, den man dabei hinterlässt. Das Kommunikationsvermögen steht an allererster Stelle als Schlüssel zur Karriere. Wer nicht im Stande ist, hervorragend zu kommunizieren, dem wird es kaum gelingen, sein persönliches Netzwerk im Unternehmen aufzubauen und wahre Förderer zu finden. Die reine Arbeitsleistung kann dabei weiterhelfen. Doch es gilt wie eh und je: Wer alles kann, der kann alles machen – große Zeit Kontakte zu knüpfen bleibt diesen Menschen nicht. Wirkliche Fachleute, z.B. Entwicklungs- oder Konstruktionsingenieure, haben oft Defizite in der Selbstdarstellung und der Präsentation ihrer Leistungen. Daher bleiben sie in der Karriere zurück. Dem „Verkäufertyp“ gelingt es dagegen, mittelmäßiges Know how in  bombastische Worte zu verpacken. So gewinnt man letztlich den Eindruck, dass hier wirkliche Fachexpertise vorhanden ist. Er erhält das Prädikat „förderungswürdig“.

Kommunikation selbst trainieren

Gerade die jüngere Generation sollte sich im eigenen Interesse dazu anhalten, persönliche Kommunikation bewusst im Alltag zu trainieren, Kommunikationssituationen im Unternehmen zu suchen statt zu vermeiden. Die Beherrschung rhetorischer Mittel kann natürlich auch professionell trainiert werden. Hier kann der Kommunikationstrainer helfen, entscheidende Schwächen im Kommunikationsverhalten zu erkennen und abzustellen.

 

Von Bernd Andersch

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