Technik der Kommunikation

Konfliktmanagement für Ingenieure

Georg Steffen ist Ingenieur, arbeitet aber nicht in seinem eigentlichen Beruf. Statt mit der Technik an sich, befasst er sich mit der Technik der Kommunikation. Als Trainer berät er Ingenieure im Bereich Konfliktmanagement. Auch das VDI Wissensforum bietet sein Seminar an.

Mit professionell ausgetragenen Auseinandersetzungen kann die Innovation gefördert werden!

Mit professionell ausgetragenen Auseinandersetzungen kann die Innovation gefördert werden!

Foto: panthermedia.net/BrianAJackson

VDI nachrichten: Warum bieten Sie Konfliktmanagement speziell für Ingenieure an? Sind die besonders streitlustig?

Steffen: Im technischen Umfeld lässt sich mit professionellem Konfliktmanagement besonders viel bewirken. Denn technische Produkte und Dienstleistungen werden durch eine besonders intensive interne und externe Kooperation entwickelt. Wesentlich sind hier die zwischenmenschliche Kommunikation und der professionelle Umgang mit sich daraus ergebenden schwierigen Situationen. Wenn Ingenieure diese „weichen“ Faktoren bewusst und aktiv handelnd in ihrem technischen Berufsalltag einsetzen, bieten sich ihnen vielfältige „harte“, wirtschaftliche Chancen. Ich kann Ingenieure also nur zur konstruktiven Streitlust animieren!

Gibt es Branchen, wo es besonders erforderlich ist?

Ein aktives Konfliktmanagement kann und sollte in den verschiedensten Branchen und unterschiedlichsten Unternehmensbereichen eingesetzt werden: Problemgespräche mit Geschäftspartnern, Vorgesetzten, Kollegen oder Mitarbeitern führen, konfrontativ über technische Entwicklungen oder Möglichkeiten diskutieren, sich mit Spannungen in technischen oder multidisziplinären Teams auseinandersetzen. Diese Herausforderungen begegnen Ihnen überall, ob in der Entwicklungsabteilung, im Vertrieb, im Projektteam oder im Management. Die eigentliche Frage ist, ob ich dieses Konfliktpotenzial für eine vertiefte Verständigung und technische Weiterentwicklungen nutzbar mache oder eben nicht.

Was genau verstehen Sie unter Konfliktmanagement?

Konfliktmanagement heißt, bei Herausforderungen des technischen Berufsalltages praktisch, lösungsorientiert und souverän zu handeln. Konkret zum Beispiel Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu entschärfen, Verhaltensmuster in einem Konflikt bei sich selbst und anderen besser einzuschätzen, Konfliktgespräche mit wirkungsvollen Kommunikationstechniken konstruktiv zu nutzen oder in Streitgesprächen und „nervenzerrenden“ Situationen gelassen zu agieren. Außerdem wird die persönliche Konfliktlösungskompetenz durch erweiterte Handlungsoptionen gestärkt. So können Auseinandersetzungen genutzt werden, um für alle Beteiligten und für das Unternehmen ein besseres Arbeitsklima und Mehrwerte zu schaffen. Natürlich lässt sich der Konfliktmanagement-Begriff noch erweitern, beispielsweise in Richtung „gelebter“ Konfliktkultur, Wirtschaftsmediation, unternehmensinterner Konfliktmanagementsysteme oder Organisationsentwicklung.

Es gibt ja unterschiedliche Arten von Konflikten: Zwischen einzelnen Mitarbeitern, zwischen Teams, zwischen Chef und Mitarbeiter, zwischen Mitarbeitern und Kunden und andere Varianten. Gibt es für alle eine spezielle Konfliktmanagement-Variante oder existiert ein roter Faden?

Solch ein Leitfaden wurde von uns für das offene „Konfliktmanagement für Ingenieure“-Seminar entwickelt, welches wir über das VDI Wissensforum anbieten. Der Kerngedanke ist, dass ein technischer Mitarbeiter in einer vertrackten Situation sinnvolle Ideen für die nächsten konkreten Schritte erarbeitet. Je nach aktueller Fragestellung wählt der Ingenieur aus einem Pool von Konfliktmanagementtechniken die jeweils passende aus, um der Konfliktsituation gerecht zu werden. Dabei geht es nicht um die „perfekte Lösung“, dafür sind Konfliktsituationen in der Regel zu komplex. Vielmehr betätigt sich der Teilnehmer als „Konfliktdetektiv“ und spürt vorteilhafte Handlungsoptionen auf, die zur Situation und auch zu ihm selbst passen.

Wie sieht das genau aus? Können Sie ein kurzes Beispiel geben?

Angenommen, im Unternehmen steht ein Meeting an, in dem ein neues technisches Projekt initiiert werden soll. Die Diskussionen im Vorfeld des Meetings, an dem Kollegen unterschiedlicher hierarchischer und fachlicher Positionen beteiligt sein werden, lassen Meinungsverschiedenheiten und Interessenkonflikte erwarten. Abhängig vom Hintergrund und Anliegen identifiziert der Teilnehmer mithilfe des Leitfadens die wichtigsten Schwerpunkte für das Meeting und entwickelt vorteilhafte Optionen für das Handeln.

Als technischer Experte beispielsweise will der Teilnehmer sein Thema „an der richtigen Stelle“ anbringen. Daher erstellt er eine sogenannte „Konfliktlandkarte“, damit er sich auf die hierarchische Abhängigkeit und Verbundenheit der Beteiligten besser einstellen und die richtigen Personen ansprechen kann.

Einem Projektleiter könnte ein gemeinsamer, motivierter Start in das neue Projekt ein besonderes Bedürfnis sein. Deshalb sortiert er zu erwartende „Konfliktarten“, bereitet integrierende Vorschläge zum Umgang mit ihnen vor, wobei er die Methode „Trennen von Anliegen und Strategien“ anwendet und sich darauf einstellt, die Diskussion aktiv zu moderieren.

Was macht man in einem schier ausweglosen Fall, wo Streithähne auch nach Coaching etc. zu keiner Lösung kommen?

Niemand verlangt von einem unmittelbar oder mittelbar an einem Konflikt Beteiligten, dass er zaubern kann. Allerdings kann er alle Möglichkeiten ausnutzen, die sich ihm im Rahmen der gegebenen Konstellation bieten. Diese können, abhängig von der Ausgangssituation und der individuellen Konfliktmanagementkompetenz, sehr unterschiedlich sein. Selbstverständlich sind im Unternehmen, in dem es ja um das gemeinsame Erreichen von Unternehmenszielen geht, auch der Rückgriff auf vorhandene Regeln oder die Herbeiführung einer betrieblichen Entscheidung legitime Mittel, wenn auf dem Wege der Verständigung keine ernst zu nehmende Annäherung erreicht werden kann. Zumeist sind Konflikte aber lösbar, selbst wenn dieses für die Konfliktbeteiligten anfänglich oft schwer vorstellbar ist.

Welche Strategie hilft, Konflikte bereits im Vorfeld zu vermeiden? Ist das überhaupt wünschenswert?

Konflikte sind ein essentieller Teil unseres Lebens und damit auch unseres Arbeitslebens. Mit professionell ausgetragenen Auseinandersetzungen und einer konstruktiven Konfliktkultur werden in technisch ausgerichteten Unternehmen Innovationen gefördert und dauerhafte Mehrwerte geschaffen.

Der Punkt, an dem wir aktiv ansetzen, ist die nicht professionelle, häufig destruktive Art und Weise, wie Konflikte ausgetragen werden. Durch ein wirksames Herangehen an Meinungsverschiedenheiten entwickeln sich nicht nur langfristig bessere Beziehungen zwischen den Konfliktpartnern.

Auch erwachsen daraus vielschichtige Diskussionen, die unmittelbar zu den grundlegenden Motivationen technischer Entwicklungen und ihren wesentlichen Anforderungen führen. Dies stellt einen erheblichen Vorteil gegenüber jener Konkurrenz dar, der eine vergleichbare Kooperation nicht gelingt.

 

Von Claudia Burger

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