Chancen abwägen 21.08.2009, 00:00 Uhr

Ingenieure sollten jede Chance auf Karriere prüfen

Auch wenn es wirtschaftlich schwieriger wird, ergeben sich Chancen für die Karriere eines Ingenieurs. So kann es beispielsweise sein, dass Unternehmensleitungen über bestimmte Verläufe von Projekten nicht glücklich sind, plötzlich vernachlässigte Kunden zu entscheidenden Umsatzträgern werden sollen oder gewissen Führungskräften Mängel im Krisenmanagement vorgeworfen wird.

Karriere: Entscheidung für oder gegen den Job gründlich überlegen.

Karriere: Entscheidung für oder gegen den Job gründlich überlegen.

Foto: Creatas / Thinstock

Schon allein aus Kostengründen erinnert man sich bei anstehenden Veränderungen oftmals an die „zweite Reihe“ im Unternehmen. Über Nacht ergibt sich dann die eine oder andere Chance für einen Ingenieur, Karriere als „Heavy Weight“-Projektmanager, Abteilungsleiter, Werksdirektor oder sogar Geschäftsführer zu machen.

So könnte unverhofft ein Vorstandsmitglied, der Personalleiter, eine andere entscheidende Führungskraft oder die Talentschmiede des Unternehmens beim Ingenieur anrufen und fragen, ob er an der Position XYZ interessiert ist oder nicht – eine schnelle Antwort innerhalb weniger Tage wäre aber notwendig. Dieses „Bauchpinseln“, das jedem gut tut, ist die eine Seite der Medaille. Doch wie so oft liegen jetzt Chance und Risiko eng beieinander und die Entscheidung für oder gegen die angebotene Position muss reichlich überlegt werden. Es sollte mit Blick auf die Karriere weder voreilig zu- noch abgesagt werden.

Ingenieure müssen angebotene Positionen mit Blick auf die Karriere genau prüfen

Am Anfang der Überlegungen muss eine nüchterne Bestandsaufnahme der Aufgaben und Anforderungen der Position stehen. Danach ist die Frage zu stellen: Traue ich mir die Position zu? Bringe ich ausreichende Erfahrungen für die wichtigsten Aufgaben der Position mit? Es ist klar, dass ein Ingenieur, der z.B. nie Geschäftsführer gewesen ist, auch keine entsprechenden Erfahrungen mitbringen kann. Dies ist jedoch hier nicht gemeint. Karriere können Ingenieure nur machen, wenn sie eine Aufgabe auch tatsächlich erfüllen.

Besteht beispielsweise die entscheidende Aufgabe der angebotenen Geschäftsführungsposition darin, in einem asiatischen Land ein Projekt „zu retten“ oder ein neues Marktsegment zu erschließen, stellt sich vielmehr die Frage, ob ausreichende Erfahrungen im Management von Schlüsselprojekten und „Erobern von Märkten“ vorliegen, eventuell bereits Erfahrungen in dem entsprechenden Land gesammelt wurden oder sich der Ingenieur bestens mit der asiatischen Mentalität auskennt. Sonst kann das Angebot – falls die Aufgabe scheitert – der Karriere sogar erheblich schaden.

Das Ablehnen eines Angebots kann für die Karriere des Ingenieurs ebenfalls hinderlich sein

Die anfälligen Aufgaben des Generalmanagements sollten vom Anspruch eher nicht überschätzt werden. Je höher die Positionen aufgehängt sind, desto mehr zählen Lebenserfahrungen, Machtstreben, politische Finesse und spezielle Fähigkeiten – die Detailarbeit erledigen ohnehin die Mitarbeiter. Wer sich als Ingenieur in der zweiten Reihe befindet und mit den Hufen scharrt, um den entscheidenden Sprung in seiner Karriere zu machen, wird diese Qualifikationen ohnehin mitbringen, davon ist auszugehen, denn sonst wäre bestimmt jemand anderes angesprochen worden.

Der Kandidat sollte sich auch mit der Frage beschäftigen, was passiert, wenn er die Position ablehnt. Sicherlich gibt es im Verlaufe der beruflichen Karriere nicht oft Angebote dieser Art für Ingenieure. Hat man etwa in Fördergesprächen stets den Karriereanspruch unterstrichen und den beruflichen Aufstieg gefordert, fällt ein Rückzieher sicherlich sehr schwer und dürfte letztlich dazu führen, unglaubwürdig zu wirken. Möglicherweise ist damit schon die Karriere im Hause beendet.

Bei einer Karriere über interne Bewerbungen sollten Ingenieure besonders vorsichtig sein

Eine zweite derartige Chance wird es dann wahrscheinlich nicht mehr geben. Schließlich hat der Kandidat den maßgeblichen Personen im Unternehmen einmal die kalte Schulter gezeigt. Die eitlen Top-Manager wurden verprellt. Andererseits ist die Karriere des Ingenieurs natürlich auch dann zu Ende, wenn die neue Position zum Flop wird. Wer also eine angebotene Position nicht annehmen möchte, sollte sehr hieb- und stichfeste Argumente dafür haben und mit aller Diplomatie seine Entscheidung vermitteln.

Eine besondere Note bringt das Angebot mit sich, wenn es zunächst nicht darum geht, Ja oder Nein zu sagen, sondern mehrere Kandidaten zu einer internen Bewerbung aufgefordert werden. Möglicherweise ist der eigene Vorgesetzte nicht so sehr von der Bewerbung begeistert, weil er andere Dinge mit dem Ingenieur vorhat. Vielleicht kommt es bei ihm zu einer großen Enttäuschung. Scheitert die Bewerbung, ist das Verhältnis nachhaltig getrübt und mit der Karriere wird es schwer. Dem Vorgesetzten wird klar, dass er mit diesem Ingenieur nicht den treuesten Mitarbeiter an Bord hat.

Was bedeutet es für die Karriere des Ingenieurs, wenn er scheitert?

Manchmal kann eine interne Bewerbung aber auch zu einem entspannteren Verhältnis zum Vorgesetzten führen. Handelt es sich um einen besonders ehrgeizigen Kandidaten, so dürfte der Vorgesetzte möglicherweise froh sein, diesen loszuwerden und einen möglichen Stellenwechsel im eigenen Unternehmen (auch in Zukunft) nach Kräften unterstützen. Natürlich muss auch die Frage aufgeworfen werden, was passiert, wenn in der neuen Position gefloppt wird. Die unternehmensinterne Karriere des Ingenieurs dürfte dann sehr begrenzt sein, möglicherweise droht sogar das Ausscheiden aus dem Unternehmen.

Letztlich stellt sich die Frage, wie das Scheitern im Lebenslauf aussieht. Der bislang lupenreine Lebenslauf eines Ingenieurs in der Kernzeit der Karriere (zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr) verträgt eine solche Station sicherlich besser als der ohnehin schon durch viele Positionen und Karriereversuche zerrissene berufliche Werdegang etwa eines 50-Jährigen. Alle Fragen, die es abzuwägen gilt, können in diesem kurzen Beitrag nicht abgehandelt werden. Dennoch zeigt sich, dass die Entscheidung für oder gegen einen Job gerade in einer Rezessionsphase sehr gründlich überlegt werden muss.

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