Berufliche Neuorientierung

Ingenieure sollten bei einem Stellenwechsel nicht vorschnell sein

Geduld in Bezug auf den Stellenwechsel fällt vielen Ingenieuren schwer. Wer strebt nicht die schnelle und bequeme Lösung bei der beruflichen Veränderung an? Dort, wo Muße und Energie fehlen, ist beim Stellenwechsel allerdings der Fehltritt programmiert. Eine sorgfältige Planung ist in diesem Bereich umso wichtiger.

Überstürzte Stellenwechsel sind nicht ratsam.

Überstürzte Stellenwechsel sind nicht ratsam.

Foto: panthermedia.net/aha_x

Machen wir uns nichts vor, Ingenieure müssen über einen Stellenwechsel gut nachdenken. Eine Suchzeit von sechs bis zwölf Monaten ist schlichtweg normal. Auch wer sich aus einer misslichen Situation heraus bewirbt, sollte nicht kopflos die erste Alternative akzeptieren. Der Griff nach dem Strohhalm entpuppt sich nicht selten als Fehlgriff. Der Absturz wird umso tiefer und die Situation um so bescheidener.

Der Stellenwechsel kann auch Ingenieure in eine missliche Lage bringen

So passierte es einem in Sachen Bewerbung wenig geübten Selfmademan aus dem Bereich E-Commerce. Da sich sein vergangener Arbeitgeber nach einigen Überlegungen aus dem geplanten Verkauf per Internet zurückzog, entschied sich der Mittdreißiger überstürzt zum Antritt einer neuen Position. Statt in Ruhe nach einer herausfordernden Alternative zu suchen, war es für ihn wichtiger, den Stellenwechsel von heute auf morgen zu vollziehen.

Die Entscheidung war folgenschwer. Beim neuen Arbeitgeber stand es wirtschaftlich nicht zum Besten, und die geplante Beratertätigkeit konnte unser Kandidat dort mangels Kundenaufträgen nicht ausüben. Vielmehr wurde er für die telefonische Kaltakquise eingesetzt, was ihm gar nicht schmeckte. Jetzt, wo schnelles Handeln am Platz wäre, kommt bei ihm die Angst vor dem nächsten Fehltritt hoch. Das Selbstbewusstsein ist im Keller, und er vermeidet einen weiteren Stellenwechsel.

Ingenieure sollten beim Stellenwechsel das große Ganze im Blick haben

Noch ein warnendes Beispiel: Ein Projektingenieur bewarb sich aus der Selbstständigkeit um eine Festanstellung. Sein Vertrag mit dem wichtigsten Kunden lief sechs Monate später aus, er entschied sich für den Weg zurück in ein Angestelltenverhältnis. Also schaltete er ein Stellengesuch, das eine überraschend gute Resonanz brachte. Der Pferdefuß: Nur wenige antwortende Unternehmen lagen vor seiner Haustüre. Um keine Zeit zu verlieren, entschied sich unser Kandidat für die geografisch günstigste Alternative. Gefühlsmäßig war er von Arbeitgeber und Position nicht ganz überzeugt, und doch kündigte er nach der Vertragsunterzeichnung vorzeitig seinen Beratervertrag und zog den Stellenwechsel durch.

Schon bald nach Eintritt in das Unternehmen stellte der Kandidat fest, dass er sich im Charakter seiner doch sehr wankelmütigen Gesprächspartner getäuscht hatte. Die für ihn zu schaffende Stelle wurde nicht eingerichtet, er wurde nach kürzester Zeit auf den undankbarsten Stuhl im Unternehmen gesetzt. Die fehlende Geduld beim Stellenwechsel will er jetzt dadurch kompensieren, dass er zumindest zwei Jahre bei dem Arbeitgeber ausharrt. Substanzverlust und Ärger sind der Preis für die Ungeduld. Hätte unser Kandidat nur einen Bruchteil der Energie in eine weitere Bewerbungsaktion investiert, stünde er heute wahrscheinlich viel besser da.

Ingenieure sollten für den Stellenwechsel richtig ackern

Offensichtlich gibt es mehrere Gründe, weshalb sich Ingenieure keine oder nur wenig Zeit beim Stellenwechsel nehmen. Zum einen scheint es unbequem und lästig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wer nur vier gescheite Bewerbungen am Wochenende auf den Weg bringen will und vorher noch das Internet und Zeitungen nach passenden Stellen absucht, für den ist gut und gerne ein Tag des Wochenendes dahin. Kommen dann noch Vorstellungsgespräche und Telefonate dazu, fühlen sich manche Kandidaten überfordert.

Viele wechselwillige Kandidaten schaffen offensichtlich auch den Spagat zwischen nüchterner Alternativensuche und motivierter Weiterarbeit beim alten Arbeitgeber nicht. Wer sich einmal für einen Wechsel entschieden hat, möchte so schnell wie möglich beim alten Arbeitgeber in den Sack hauen. Vielfach wird ja auch aus einem bestimmten Negativerlebnis gekündigt. Hat gerade der Vorgesetzte eine Rüge erteilt, möchte man es ihm mit einer alsbaldigen Kündigung heimzahlen. Bei vielen Ingenieuren kommt das Gefühl auf, nur ein schneller Stellenwechsel hilft, weil sie sonst ohne Alternative dastehen.

Ingenieure sollten beim Stellenwechsel so viel Geduld haben wie die Arbeitgeber

Auch wenn Ingenieure von Personalentscheidern beim Stellenwechsel nur wenig lernen können – ihre sprichwörtliche Ruhe sollte Vorbild für jeden wechselwilligen Arbeitnehmer sein. Da bewirbt sich ein Datenverarbeitungs-Experte um die Stelle des IT-Leiters einer Stadtverwaltung in NRW. Nach kurzer Eingangsbestätigung hört er Wochen nichts mehr von seiner Bewerbung. Oft ist gleiches Verhalten bei Personalberatern zu beobachten. Fordert ein Personalberater zunächst in atemberaubender Telefonansprache den Lebenslauf des Bewerbers um die Stelle des Director Human Resources an, als ginge es um Sekunden, hört der Bewerber anschließend Monate nichts mehr.

Sicherlich kann man sich so seinen Reim aus dem Verhalten machen. Dennoch steht eines fest: Die Arbeitgeberseite überlegt sehr gründlich, bevor sie sich für einen Kandidaten entscheidet. Daran sollten sich Bewerber orientieren. Gelassenheit bringt mehr! Lassen Sie sich von keinem Personaler der Welt drängen, übereilt die Stelle zu wechseln – auch dann nicht, wenn man Ihnen die größten Komplimente macht und die besten Nutzenargumente auftischt. Je vollmundiger und emotionaler die Versprechungen, desto nüchterner sollten Sie reagieren. Formulieren Sie klare Entscheidungskriterien und verschaffen Sie sich einen möglichst guten Überblick über Ihre Job-Alternativen, bevor Sie als Ingenieur einen Stellenwechsel vollziehen.

 

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