Auf die Krise reagieren

Ingenieure in der Automobilindustrie sollten Alternativen suchen

Die Wirtschaftskrise trifft im Augenblick die Ingenieure in der Automobilindustrie besonders hart. Doch was tun, wenn man als hochdotierte Fach- oder Führungskraft bei einem Hersteller oder Zulieferer arbeitet? Einfach abwarten und Tee trinken bringt sicherlich nicht viel. Auf der anderen Seite dürfte blinder Aktionismus auch nicht unbedingt ratsam sein.

Automobilindustrie: Ingenieure sollten nach Alternativen suchen.

Automobilindustrie: Ingenieure sollten nach Alternativen suchen.

Foto: panthermedia.net/etienjones

Zunächst einmal sollte klar werden, dass die Automobilindustrie nicht nur „Opfer“ der globalen Wirtschaftkrise ist. Nüchtern betrachtet deuteten sich schon vor einiger Zeit größere Probleme an, wie die verfehlte Modellpolitik oder Rückrufaktionen aufgrund von Qualitätsmängeln. Betrachtet man etwa die Forschung und Entwicklung, so ist die Branche – etwas übertrieben formuliert – näher dran am 1000 PS-Auto für die zeigefreudige Elite als am Sprit- und Geldsparauto für die breite Masse. Das hilft Ingenieuren natürlich wenig.

Die im Eiltempo produzierten neuen Modelle der Automobilindustrie lassen oftmals auch den innovativen Quantensprung früherer Zeiten vermissen und ersticken damit schon im Keim das Bedürfnis, auf das Folgemodell umzusteigen, um up to date zu sein. Hinzu kommt langweilige Uniformität am und im Fahrzeug – vielleicht auch wegen der insgesamt wenigen Zulieferer, die für mehrere Hersteller gleichzeitig arbeiten. Aber auch die Preise der Fahrzeuge haben sich in der Vergangenheit immer mehr an der Kaufkraft der potenziellen Kunden vorbei entwickelt.

Die Automobilindustrie bot bislang viele Jobs für Ingenieure

Insofern tut der gesamten Automobilindustrie ein technologisches und betriebswirtschaftliches Facelifting nur gut, damit eine der wichtigsten volkswirtschaftlichen Branchen in Deutschland mit rund einer Million Arbeitsplätze – auch viele für Ingenieure – langfristig überleben kann. Umfangreiche staatliche Subventionen würden nur vorübergehend ohnehin überfällige Strukturen erhalten und das Gesunden der Branche blockieren. Daher darf kaum erwartet werden, dass der Staat sich massiv einklinkt, um hier „Naturgesetze“ der Marktwirtschaft auszuhebeln.

Es wird also vorübergehend auch in den technischen Fach- und Führungspositionen der Hersteller und Zulieferer eng werden. Viele Ingenieure müssen sich aus der Automobilindustrie verabschieden, die im Ranking der Wunschbranchen ganz oben steht. Zwar gibt es einige Ingenieurgruppen, die gerade jetzt in den Mittelpunkt des Interesses rücken, etwa Forscher, Entwickler, Konstrukteure, die das neueste Know-how aus der Antriebstechnik mitbringen. Ihr Gefährdungspotenzial ist eher relativ gering. Das trifft aber nicht für die Masse zu. Die entscheidende Frage ist: Wann sollten sich betroffene Ingenieure umorientieren?

Ingenieure der Automobilindustrie brauchen jetzt Karrierestrategien

Vor dem zweiten Schritt sollte der erste getan werden. Dabei geht es darum, eine klare Karrierestrategie zu entwickeln. Welche Kenntnisse und Erfahrungen besitze ich als Ingenieur, die außerhalb der Automobilindustrie interessant sind? In welchen Branchen könnte ich meine Karriere fortsetzen? Wo bestehen eventuell Defizite, die einen Branchenwechsel vereiteln könnten? Wer sich allein schwer tut, sollte sich professionelle Hilfe zur Beantwortung der Fragen einholen. Im nächsten Schritt sollten dann Bewerbungsstrategien ausgearbeitet werden.

Ziel ist es im Grunde, eine komplette Bewerbungsaktion in der Schublade zu haben, um sich dann zum richtigen Zeitpunkt auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren. Vereinzelte Bewerbungen, um Erfahrungen auf einem sich drehenden Arbeitsmarkt zu sammeln, können allerdings nicht schaden. Ingenieure sollten sich nicht zu sehr auf Aussagen verlassen, wonach Ingenieure der Automobilbranche sich wohl die wenigsten Sorgen machen müssten, weil sie entsprechend gut qualifiziert sind. Fakt ist, auch andere Branchen haben ihre Probleme und warten wohl kaum auf Seiteneinsteiger als Problemlöser.

Auch für Ingenieure der Automobilindustrie gilt: Ruhe bewahren

Da sich nicht alle Arbeitgeber in der Automobilindustrie fair von ihren Ingenieuren trennen, sollte auf jeden Fall frühzeitig der Kontakt zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht aufgebaut werden. Im Notfall vergehen dann nicht Wochen, bevor es zu einem Termin mit dem juristischen Experten kommt und die Abschiedsverhandlungen beim Arbeitgeber schon Geschichte sind.

So vorbereitet kann jetzt erst einmal die Entwicklung im Unternehmen abgewartet werden. Ein voreiliges Verlassen des Unternehmens ist nur ratsam, wenn der Arbeitgeber definitiv vor dem Aus steht oder die Gehaltszahlungen bereits stottern. Ansonsten sollte abgewartet werden. Wer heute einen noch relativ ungefährdeten Arbeitsplatz mit jahrelanger Betriebszugehörigkeit verlässt, sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass er in diesen Zeiten bei einem neuen Arbeitgeber sicherer aufgehoben ist. Auch Ingenieure der Automobilindustrie sollten daher Ruhe bewahren.

 

Von Bernd Andersch - Karrierecoach Düsseldorf

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