Zeitoffizier und Dipl.-Ing. mit vielen Aufgaben

Nach dem Abitur bin ich direkt zur Bundeswehr gegangen, wurde Zeitoffizier (Hauptmann), habe während dieser Zeit Maschinenbau studiert und zuletzt noch ein Abendstudium zum MBA absolviert. Ich war bei der Bundeswehr in sehr vielen verschiedenen Positionen tätig (sechs vor dem ersten Studium und drei mit größerer Verantwortung danach, dazu gehörten auch zwei Auslandseinsätze).Wie sollte dabei nun mein fälliges Dienst-/Arbeitszeugnis aussehen? Eine Tätigkeitsbeschreibung nach der anderen von Anfang an oder nur die letzten drei oder nur die aktuelle? Schlösse sich an jede Tätigkeitsbeschreibung eine Bewertung/Beurteilung an? Oder gibt es eine zusammenfassende Wertung?

Antwort:

Die Bundeswehr ist a) immer noch eine große, „mitarbeiterstarke“ Organisation und b) im Bereich des öffentlichen Dienstes angesiedelt. Mit allergrößter Sicherheit gibt es also eine Verwaltungsvorschrift mit ellenlanger Nummer zum Thema „Zeugnisformulierung für ausscheidende Offiziere“ – die eigentlich alle Ihre Fragen beantworten müsste. Große Organisationen müssen so etwas einheitlich regeln – und sie tun es nur zu gern.Ich sehe seit vielen Jahren immer wieder einmal solche Bundeswehr-Dienstzeugnisse, die ja ausschließlich zur Vorlage im Zivilbereich dienen. Dabei kann ich einen Wandel hin zum Positiven bestätigen: Man gibt sich heute sehr viel Mühe, Zeugnisse in Aufbau und Wortwahl jenen des nichtmilitärischen Bereiches anzupassen und ist erfolgreich damit.Im nichtmilitärischen Bereich (wir verwenden weder diesen Begriff ständig, noch sagen wir „zivil“. Wir sehen uns einfach als Standard, als die „normale“ Welt, neben der es, wie man hört, auch noch eine etwas exotisch wirkende andere gibt, mit der man aber nur sehr selten in Berührung kommt. Insbesondere die Generation unserer jüngeren Entscheidungsträger hat in der Regel nicht mehr „gedient“, sie hat, wenn überhaupt, Zivildienst geleistet. Ich möchte nicht spekulieren, wie viele davon noch wissen, was einen Ober von einem Oberstleutnant unterscheidet. Und dann sind viele Personalmanager Frauen) lösen wir das in der Regel so:- Im vorderen Teil des Zeugnisses, das auch bei Ihren vierzehn Dienstjahren mit 2 bis 2,5 Seiten auskommen sollte, werden jeweils mit Datum (Monat und Jahr reichen) alle verschiedenen dienstlichen „Verwendungen“ (ein Wort, das es bei uns auch nicht gibt) aufgelistet. Die weit zurückliegenden Tätigkeiten aus rangniederen Positionen werden nur bezeichnet oder ganz kurz (!) erläutert, die letzten zwei bis drei Verwendungen werden etwas ausführlicher (mit den wichtigsten Aufgaben in Stichworten) dargestellt, die aktuelle/letzte am ausführlichsten.Dann erfolgt eine (!) zusammenfassende Wertung/Beurteilung (in der Vergangenheitsform, rückblickend aus der Sicht des letzten Arbeitstages) der üblichen Details zu Eigenschaften und Fähigkeiten, gekrönt durch die Zusammenfassung der Zufriedenheit des Arbeitgebers/Dienstherren („stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ entspricht „sehr gut“):Dann folgt der Hinweis, auf wessen Wunsch die Auflösung/Kündigung erfolgte („scheidet aus auf eigenen Wunsch“), das sollte der Arbeitgeber im Idealfall bedauern, dann schließen gute Wünsche für die Zukunft das Dokument ab.Noch ein Wort zur Beruhigung: Sie sind auf dem Sprung in eine andere, die „zivile“ Welt. In ihr ist tatsächlich vieles nicht so wie bei der Bundeswehr. Aus der Sicht dieser neuen Welt, die sich selbstverständlich für den Standard schlechthin hält (Sie sind der Exot), ist wenig Vergleichbares zwischen Ihrem bisherigen Umfeld und dem neuen. Kaum jemand im „Zivilbereich“ weiß etwas aus dem militärischen Sektor – und kaum jemand interessiert sich besonders dafür.Man weiß Sie nicht so recht einzuordnen, weiß nicht, wie man Ihre Führungserfahrung einsortieren und bewerten soll und denkt normalerweise nicht daran, Sie 1:1 umzusetzen („erst mal schauen, was der so draufhat und wie er sich einfügt“). Bei all dem ist es nicht so furchtbar wichtig, ob Ihr Zeugnis, das ohnehin eine „völlig andere Welt“ beschreibt, ein bisschen vom Industriestandard abweicht.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2762
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 25
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-06-18

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