Warum darf ich nicht „bei den Kollegen beliebt“ sein?

In meinem Zeugnis steht, ich wäre im Kollegenkreis beliebt gewesen. Ist das schlecht?

Antwort:

Sie hatten einen Arbeitsvertrag. Dort stand (wörtlich oder es gelten dafür „übliche Gepflogenheiten“), was Sie tun und sein sollten für Ihr Geld. Beispielsweise werden in jedem Fall erwartet „erfolgreiches Lösen der übertragenen Aufgaben“ und „hinreichend respektvolles Verhalten gegenüber Vorgesetzten“. Beides dürfte schon in Cäsars Legionen gegolten haben, ob geschrieben oder nicht.„Beliebt bei Kollegen“ als konkrete Forderung oder auch nur als wünschenswertes Ideal stand oder steht nirgends – in keinem Arbeitsvertrag und in keinem Fachbuch zum Arbeitsleben.Den nächsten und wichtigsten Aspekt steuert die zwangsläufig komplizierte Zeugnissprache bei, die im Prinzip nur loben, kaum jedoch kritisieren darf – auch wenn es, was gelegentlich vorkommt, gerechtfertigt wäre. Und so teile ich als Zeugnisschreiber gewisse Nachteile des ehemaligen Mitarbeiters mit, indem ich ihn lobe: „Sein rechtes Bein war völlig in Ordnung“ – man liest, winkt ab und vermutet Schlimmes beim Linken.Und so soll ein Mitarbeiter das uneingeschränkte Vertrauen seiner Vorgesetzten gehabt haben, vor allem von diesen, aber auch von seinen Kollegen sehr geschätzt worden sein, beispielsweise. Aber Preise für allgemeine Beliebtheit werden in Firmen gemeinhin nicht vergeben. Und wenn nun jemand als Abteilungsclown aufgetreten ist, sich zum (heimlichen) Ergötzen seiner Kollegen stets an die Spitze des Widerstands gegen den Chef gestellt und sich erkennbar mehr darum bemüht hat, seinem engeren Umfeld zu imponieren als den Vorgesetzten, dann schreibt der Arbeitgeber: „Er war bei den Kollegen beliebt.“ Das ist kaum je ein Kompliment – und kann durchaus einmal eine Einladung zur Vorstellung verhindern.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2747
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 13
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-03-26

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