Heiko Mell

Schweizer Deutsch

Frage: Ich bin in der Schweiz beschäftigt und verlasse in Kürze das Unternehmen. Schweizer Arbeitszeugnisse unterscheiden sich stark von deutschen. Sind diese Unterschiede in Deutschland bekannt oder sollte ich mich um ein Zeugnis nach „deutschem Standard“ bemühen?

Antwort:

Soweit ich das beurteilen kann, waren vor dreißig oder vierzig Jahren die Unterschiede zwischen den Dokumenten aus beiden Ländern noch größer. Vielen Zeugnissen aus der Schweiz sieht man ihre spezielle Herkunft, von Details abgesehen, heute kaum noch an. Das mag auch von der Firmengröße und damit vom Vorhandensein eines professionellen Personalapparates abhängen.

Dass es solche nationalen Besonderheiten (aus der Sicht der Schweiz mögen die Deutschen diejenigen mit abweichenden Besonderheiten sein) gibt, ist überall in Deutschland bekannt.Sie können also grundsätzlich ein landesübliches Dokument akzeptieren. Für Bewerbungen nach Deutschland wäre „deutscher Standard“ zwar besser. Aber einmal könnte der Aussteller etwas verschnupft auf Ihre damit irgendwie verbundene Missachtung landesüblicher Gepflogenheiten reagieren – und dann ist völlig offen, ob Ihr Arbeitgeber überhaupt den deutschen Standard beherrscht. Nachher kommt ein „Versuch“ dabei heraus, der beiden Ansprüchen nicht (mehr) genügt.

Bei der Gelegenheit sei mir ein Appell an unsere Nachbarn erlaubt:

Selbstverständlich weiß ich um so manche nationale Besonderheit, wir haben die unseren ganz sicher auch. Aber seit vielen Jahren regt sich mein Widerspruchsgeist, wenn ich in Schweizer Zeugnissen in meiner Muttersprache lese:

„Herr Max Müller, geb. am …, von Deutschland, war …“In „von Deutschland“ stecken nach meinem ausgeprägten Sprachgefühl zwei spezielle Aspekte:Es wirkt distanziert, im Sinne von „na ja, von hier ist er nicht“ (das ist nur mein Gefühl, aber immerhin). Und es ist nach den in Deutschland gebräuchlichen Regeln der deutschen Sprache nicht einfach nur falsch, das wäre zu kurz gesprungen und arrogant. Nein es geht einfach so nicht, passt nicht, es knirscht im sprachlichen Getriebe. Schön, wir würden „aus Deutschland“ sagen, das wäre sprachlich in unseren Augen eleganter – aber schön wäre das immer noch nicht.

Was soll denn eigentlich damit gesagt sein? Dass der Mensch kein Schweizer, sondern Deutscher ist? Dann sagen wir das doch: „Herr Max Müller, geb. am …, deutscher Staatsbürger, war …“. Oder, wenn man nur ein zusätzliches Element der Identifizierung (zusätzlich zum Namen und Geburtsdatum) will: „Herr Max Müller, geb. am …, in … (Deutschland), war …“.

Nun weiß ich sehr wohl, dass man in unserem überdurchschnittlich geschätzten Nachbarland auf vieles gewartet hat, ausgenommen Belehrungen aus Deutschland; daher weise ich schnell noch darauf hin, dass ich mich ja auch nur einer Besonderheit annehme, die ausschließlich Deutsche und ein Dokument betrifft, dass diese Deutschen später überwiegend in Deutschland vorlegen und das dort von Deutschen gelesen wird.Ich glaube übrigens beobachtet zu haben, dass die Quote sinkt, mit der „von Deutschland“ in entsprechenden Zeugnissen auftaucht.

Hoffen wir also auf einen beständigen Trend.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2636
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 27
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-07-05

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