Heiko Mell

Was tun bei Insolvenz?

Frage: Meinem Lebenslauf sieht man an, seit wann ich Ihren Vorschlägen folge. Vorher hatte ich – gleich von Anfang an – mehrere klassische Karrieresünden begangen.
Heute bin ich seit gut zwei Jahren bei einem größeren Unternehmen der …branche. Das Unternehmen hat, letztlich für alle überraschend, Insolvenz angemeldet. Obwohl der Bereich, in dem ich arbeite, profitabel und erfolgreich ist, ist sein Fortbestand definitiv nicht zu erwarten.

1. Wie soll ich die Insolvenz in den aktuellen Bewerbungen erwähnen? Ich bin z. Z. noch in ungekündigter Stellung.

2. Wie soll die Insolvenz im Arbeitszeugnis berücksichtigt werden? Ich denke besonders an die Stelle, wo normalerweise bei einem guten Zeugnis immer steht: „Herr … verlässt uns auf eigenen Wunsch.“ Auf eigenen Wunsch nach nur 2,5 Jahren zu gehen, klingt nicht besonders gut. Es entspräche aber der Wahrheit, wenn ich jetzt kurzfristig, d. h. bevor mir der Insolvenzverwalter kündigen würde, eine neue Stelle bekäme.

Antwort:

Ich spreche oft davon, dass ein Bewerber Erfolge vorweisen soll, keine Ausreden für Misserfolge. Die Insolvenz als die Einleitung des wirtschaftlichen Endes des Arbeitgebers (meistens ist das so) gilt nicht als Misserfolg der betroffenen Mitarbeiter. Zumindest, so lange man nicht Geschäftsführer oder Vorstandsmitglied ist.

Denn schließlich ist der Bewerber Angestellter, für das Ende der Existenz seines arbeitgebenden Unternehmens kann er nun wirklich nichts. Also ist er entlastet von den Vorwürfen, eine zu kurze Dienstzeit aufzuweisen resp. zu schnell wieder zu wechseln und/oder nicht freiwillig gegangen zu sein.

Aber: So richtig gilt die Aussage nur, wenn im Lebenslauf vor diesem Beschäftigungsverhältnis alles in Ordnung war. Wenn also genügend lange Zeiten mit guten Zeugnissen und jeweiligem Ausscheiden auf eigenen Wunsch vorhanden sind. Sollten jedoch bisher nur kurze Beschäftigungsverhältnisse mit offensichtlichen Entlassungen durch die Arbeitgeber vorliegen, dann kommt zu fünf Katastrophen einfach die sechste hinzu.

Nun und ein kleiner Kratzer im Lack (ärgerlich, aber bei sonst „gesundem“ Auto verkraftbar) bleibt immer: Ein „guter Mann“ hat auch gute Arbeitgeber – und ein in Insolvenz gegangener ist nicht so ganz furchtbar gut … (dass ein Unternehmen auch unschuldig in die Insolvenz geraten kann, seht auf einem anderen Blatt).

Zu 1: Das ist in Ihrer derzeitigen Situation überhaupt kein Problem. Sagen Sie einfach, wie es ist. Die Insolvenz gilt als hinreichende Begründung für Ihre Bemühungen.

Zu 2: Die Standard-Lösung lautet: Lassen Sie sich die Insolvenz im Zeugnis bescheinigen, das ist dann gleich auch die Erklärung für die kurze Dienstzeit sowie für möglicherweise folgende Zeiten der Arbeitslosigkeit. Oft unterschreibt ja auch bereits ein als „Insolvenzverwalter“ gekennzeichneter Mensch oder es findet sich auf dem Briefbogen neben dem Namen der Firma ein Zusatz, der auf den besonderen Status hinweist.

Mit Ihren zwei Jahren dort halte ich es für besser, Sie akzeptieren diesen Standard (beispielsweise: „… er verlässt uns nach angemeldeter Insolvenz auf eigenen Wunsch“).

Wären Sie seit fünf oder mehr Jahren dort tätig und hätten Sie gerade ein neues Angebot zur Hand, das nahtlos zu einem neuen Beschäftigungsverhältnis führt, dann sollten Sie so verfahren: Sie kündigen selbst, scheiden lt. Zeugnis, auf dem nichts auf eine Insolvenz hinweist, auf eigenen Wunsch aus – und niemand kann später an dem Fall „riechen“, es wäre ein unverdächtiger Wechsel. Und auch wenn der Bewerbungsempfänger die Firmenpleite noch im Kopf hätte, wäre es besser, auf eigene Initiative vor dem großen Knall gegangen zu sein und das „Heft des Handelns“ selbst in die Hand genommen zu haben. Das trifft aber auf Ihre Situation nicht zu.

Kurzantwort:

Die Insolvenz des Arbeitgebers ist im Regelfall kein Misserfolg des Arbeitnehmers, durch den er belastet wird. Und: Eine (moralische) Loyalitätspflicht existiert gegenüber einem Arbeitgeber in Insolvenz praktisch nicht mehr.

Frage-Nr.: 1919
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-03-24

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