Heiko Mell 01.01.2016, 07:28 Uhr

Zu viele Superlative?

Frage: Das beigefügte Zwischenzeugnis beruht auf meinem Entwurf, der fast ohne Änderungen übernommen wurde. Kritische Kollegen merkten an, dass zu viele Superlative im Text vorkämen. Müssen die Funktionen der Unterzeichnenden genannt werden (bei uns wohl nicht üblich)?

Antwort:

Letzteres zuerst: nein! „Der Arbeitgeber“ verantwortet das Zeugnis. Wer es unterschreibt, ist formal gleichgültig, solange es den Unterschriftsregelungen des Hauses entspricht (was aber der Leser stets unterstellen darf).

Ihr Dokument identifiziert den Mitarbeiter, nennt Eintrittsdatum und Funktion, danach werden in einer Strichaufzählung Aufgabendetails aufgelistet. Das folgt üblichen Gepflogenheiten.Dann kommt die Bewertung. Ich zitiere Schlagworte:“rasche Auffassungsgabe; hohes Lernvermögen; eingearbeitet in kürzester Zeit; engagierte Tätigkeit; dynamische Persönlichkeit; stark mit Aufgaben identifiziert; zielorientiert und selbständig bearbeitet; Gestaltungsmöglichkeiten immer zu unserer vollsten Zufriedenheit kreativ und verantwortungsvoll genutzt; Leistungen verdienen in jeder Hinsicht höchste Anerkennung; bei Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern wegen aktiven und kooperativen Wesens sehr anerkannt; ausgeprägte Kommunikations- und Kontaktfähigkeit; in der Zusammenarbeit von Kunden sehr geschätzt und beliebter Ansprechpartner; Anlass: Vorgesetzten- und Aufgabengebietswechsel; Dank für stets sehr gute Leistungen; viel Erfolg bei weiterem Werdegang im Hause“.

Das ist alles sehr gut und grundsätzlich nicht überzogen. Man spürt ehrlich klingende Anerkennung.Achtung: Die Kernformel mit der „vollsten Zufriedenheit“ ist hier nicht für die Generalaussage der Beurteilung, sondern „nur“ für die Nutzung der Gestaltungsmöglichkeiten „verbraucht“ worden. Darin könnte man diffizile Absichten vermuten – aber die anschließende „höchste Anerkennung“ für Leistungen und die unten noch einmal erwähnten „stets sehr guten Leistungen“ zerstreuen jeden Zweifel – es ist ein „sehr gutes“ Zeugnis.

PS: Wenn das Dokument auf Ihren Entwurf zurückgeht, dann waren Sie so mutig, eine Top-Meinung von sich zu haben und die Ihren Chefs auch nahe zu bringen. Nicht jeder wagt das – weshalb eigene Entwürfe auch ihre Tücken haben.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1501
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-06-23

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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