Heiko Mell

Freiwillig arbeitslos?

Frage: Fast zwei Jahre war ich bei einem …-Unternehmen als Dipl.-Ingenieur in der Abteilung Qualitätswesen tätig. Das Unternehmen mußte nun am 28.10.99 den Konkurs beantragen. Aufgrund fehlender Gehaltszahlungen in den letzten Monaten haben fast alle Mitarbeiter zum 31.10.99 gekündigt. Das Konkursausfallgeld wird drei Monate rückwirkend gezahlt. Ich bin seit 1.11.99 arbeitslos.
Mehrmals habe ich den Personalleiter um ein Arbeitszeugnis gebeten. Weder der zuständige Verwalter noch der ehemalige Personalleiter des Unternehmens haben meinen Wunsch erfüllt. Statt dessen wurde ich gebeten, mir selbst ein Zeugnis auszustellen, welches dann vom Verwalter unterschrieben wird.
Leider bin ich mit den Formulierungen nicht vertraut und möchte Sie bitten, meinen Entwurf zu prüfen.
Inzwischen habe ich einen neuen Arbeitgeber gefunden, bei dem ich am 1.1.2000 beginnen kann. Dieser möchte jedoch, daß ich mein Arbeitszeugnis zum Dienstantritt mitbringe.

Antwort:

Wichtig für alle Leser ist der letzte hier abgedruckte Satz der Frage: Neue Arbeitgeber wollen Zeugnisse lesen – auch dann, wenn sie einen Bewerber zunächst ohne ein solches Dokument einstellen. Also lautet der Rat: Kümmern Sie sich um „lückenlose“ Dokumente!

Nun zu Ihnen, geehrter Einsender. Im harten Kern Ihres Entwurfes heißt es:

„Er hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt … Herr X scheidet auf eigenen Wunsch zum 31.10.99 aus unserem Unternehmen aus. Wir bedauern das Ausscheiden sehr und wünschen ihm …“Das ist formal tadellos. Schulnotenwertung „sehr gut“, zusätzlich das Ausscheiden auf eigenen Wunsch und das Bedauern des Arbeitgebers darüber. Das wäre tatsächlich die Lösung gewesen! Wäre – wenn Sie zum 1.11.99 einen neuen Job gehabt hätten. Nun aber weist Ihr Lebenslauf Arbeitslosigkeit ab 1.11.99 für zwei Monate aus. Und Sie hätten diesen Zustand aus lauter „Spaß an der Freud“ selbst herbeigeführt! Sie wollten, wird man später denken, einmal sehen, wie das so ist, arbeitslos zu sein (schlimm, der Verdacht).

Oder die Geschichte mit dem Ausscheiden auf eigenen Wunsch stimmt gar nicht – in Wirklichkeit sind Sie gefeuert worden, vielleicht wegen Unfähigkeit. Die Formulierungen hätte man Ihnen, so könnte vermutet werden, „geschenkt“ (was vorkommt), weil sie nichts kosten und „Papier ja geduldig ist“. Das wäre nun noch schlimmer.

Nein, die Grundregel lautet: Die Formulierung „auf eigenen Wunsch“ im Zeugnis ist erstrebenswert – hat aber nur einen Wert, wenn der Lebenslauf anschließend lückenlos eine neue Anstellung ausweist. Bei Ihnen ist die Lücke im Lebenslauf schon da, also lautet die Empfehlung: Verwenden Sie eine Formulierung, die alle Zusammenhänge erklärt, verzichten Sie auf eine Aussage, nach der Sie „von allein“ auf die Idee gekommen sind, sich ohne Not in die Arbeitslosigkeit zu verabschieden. Beispiel:“Das Unternehmen hat zum 28.10.1999 Konkurs beantragen müssen, nachdem u. a. die Gehälter in den Monaten davor nicht mehr gezahlt werden konnten. Herr X scheidet in diesem Zusammenhang zum 31.10.1999 aus. Wir bedauern es sehr, diesen wertvollen Mitarbeiter zu verlieren und wünschen …“

Leider stecken zwei Probleme in dieser Empfehlung:

1. Die juristische Terminologie ist mir nicht so vertraut, daß ich mich als sattelfest bezeichnen würde. Es gibt wohl ein neues Insolvenzrecht mit speziellen Begriffen – das weiß aber natürlich der Konkursverwalter, selbst wenn er sich jetzt anders nennt.

2. Formulierungsvorschläge sind eine Sache. Aber Sie müssen den zuständigen „Verwalter“ dazu bringen, das auch so zu übernehmen. Das gilt natürlich insbesondere für die Bewertungen Ihrer Person und Ihrer Leistungen, die er selbst ja gar nicht beurteilen kann (wenn die Formulierung mit den Gehältern nicht übernommen wird, ist das nicht schlimm). Der „Rest“ des Dokumentes ist dann nicht mehr ganz so wichtig. Folgende Anregungen kann ich dennoch geben:

Sehr gut gelöst sind die fachlich-sachlichen positiven Würdigungen Ihrer Arbeit („… hat zur erfolgreichen … im Unternehmen … beigetragen“), wobei andere auch noch dicker auftragen würden: „… hat …. maßgeblich beigetragen.“

Ich möchte aber Ihre Aufmerksamkeit auf einen anderen Punkt lenken, die von mir so genannte „verzichtbare Verknüpfung“, die „gern genommen“ wird, aber kein Optimum darstellt. Sie formulieren:“Mit viel Eigeninitiative setzte er sich beim Aufbau und der Inbetriebnahme neuer …-techniken ein.“ Schön, aber nur dabei, sonst nicht? Besser wäre: „Herr X zeichnete sich durch ausgeprägte Eigeninitiative aus.“ Das gilt dann für alles.

Den Rest Ihres alten Satzes kann man dann separat darstellen: „… zeigte besonderen Einsatz beim Aufbau und der Inbetriebnahme neuer …“

Kurzantwort:

Ein „Ausscheiden auf eigenen Wunsch“ in Zeugnissen ist unbedingt erstrebenswert – aber nur, wenn sich lückenlos ein neues Beschäftigungsverhältnis ergibt. Sonst bedeutet es, „auf eigenen Wunsch arbeitslos“ geworden zu sein.

Frage-Nr.: 1452
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 52
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-12-31

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