Heiko Mell

Bildungsurlaub als Werdegang-Turbo?

Frage: Wie wirkt sich ein Bildungsurlaub auf den beruflichen Werdegang aus? Einige Veranstalter bieten Sprachkurse im Ausland an. Einen Prospekt der Kreisvolkshochschule habe ich beigefügt.

Antwort:

Der beigefügte Prospekt informiert den Leser darüber, dass er einen Anspruch auf fünf Arbeitstage Bildungsurlaub innerhalb des Kalenderjahres hat. Und dann bietet er einen Spanischkurs für Anfänger an, der – siehe da – genau fünf Tage dauert. Auf der Rückseite werden dann Einsteiger- und Auffrischerkurse in Englisch und Französisch angeboten. Dort heißt es zwar „Wir gehen auf Entdeckungsreise durch Großbritannien (resp. Frankreich)“, die Reise dürfte aber am heimischen Schreibpult stattfinden.

Ich weiß nicht, wieviel Spanisch man einem Anfänger in fünf Tagen beibringen kann – in Deutsch beispielsweise würde es sicher nur für ein paar Grundbegriffe, nicht für eine Konversation und nicht für ein Telefongespräch reichen.

Aber: Jede Art von Bildung oder Weiterbildung ist irgendwo und irgendwie nützlich. Sie zeigt guten Willen und kann eine Basis vermitteln, auf der man dann unter Einsatz von Zeit und Energie weiter aufbauen kann. Dass eine Bescheinigung über ein solches Sprachseminar beruflich großen Nutzen bringt, glaube ich allerdings nicht.

Wenn Sprachkenntnisse in einer Anstellung oder in einer Anzeige wirklich gefordert sind oder als außerordentlich nützlich bezeichnet werden, dann sucht man entsprechendes praktisches Können, keine Kurse. Wo Sie das Können herhaben, ist zweitrangig; nur bei hochqualifizierten Fremdsprachlern (z. B. Übersetzern etc.) verlangt man zur Sicherheit Diplome. Bei der „Allerwelts-Fremdsprache“ Englisch gehen Arbeitgeber in solchen Bedarfsfällen dazu über, Teile des Vorstellungsgesprächs in dieser Sprache zu führen. Und dann sehen sie, ob der Bewerber den gewünschten Grad der Kenntnisse mitbringt oder nicht. Beruflich einsetzbare Sprachkenntnisse erwirbt man vor allem durch regelmäßige Anwendung im beruflichen Tagesablauf und natürlich durch einen längeren Aufenthalt (mindestens mehrere Monate) im entsprechenden Ausland.

Deshalb ist es empfehlenswert, in Bewerbungen unter „Sprachkenntnisse“ im Lebenslauf beispielsweise zu schreiben: „Englisch: Basis aus Schule und Studium, zwei Auslandssemester in UK, seit drei Jahren nahezu tägliche berufliche Anwendung (Konzernsprache)“.

Dann weiß der Bewerbungsempfänger das schon einzuordnen und kann viel mehr damit anfangen als etwa mit „gute Kenntnisse“. Im anderen Extrem würde man schreiben: „Spanisch: Basiskenntnisse durch fünftägigen Einführungskurs vor zwei Jahren“.

Wenn da keine praktische Anwendung nachgekommen ist, würde das kaum weiterhelfen. Immerhin wäre es etwas besser als hätte man noch nie mit der Sprache Berührung gehabt. Nach wie vor ist „Muttersprache“ die Krönung der entsprechenden Sprachkenntnis-Stufen. Und darüber gibt es auch kein Zertifikat.

Bei der Gelegenheit: Wenn Sie in einer deutschen Gemeinde geboren sind, einen deutsch klingenden Namen tragen, Schulen und ggf. noch Hochschulen in Deutschland besucht haben, dann brauchen Sie unter „Sprachkenntnisse“ nicht „Deutsch (Muttersprache)“ zu schreiben – das denkt man sich dann schon.

Und zur Sicherheit noch: Arbeitgeber honorieren durch Weiterbildung oder auf anderen Wegen erworbene Spezialkenntnisse nur dann, wenn diese für den heutigen oder den per Bewerbung angestrebten Arbeitsplatz notwendig oder erkennbar förderlich sind. Spanisch gelernt zu haben, ohne dass am heutigen oder per Bewerbung angestrebten Arbeitsplatz diese Sprache angewendet werden kann, nützt gar nichts oder besser: ist Hobby pur.

Kurzantwort:

Weiterbildung schadet nie, nützt aber nur, wenn sie in vernünftiger Relation zur Komplexität des jeweiligen Wissensgebietes steht – und am heutigen oder per Bewerbung angestrebten Arbeitsplatz hilfreich ist.

Frage-Nr.: 2825
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 25
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-06-23

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