Promotion mit FH-Abschluss möglich?

Besteht in Deutschland die Möglichkeit, mit einem FH-Abschluss (Maschinenbau) zu promovieren? Meine Abschlussnote (1,9) gehört zu den besten meines Jahrganges.Es ist schon verwunderlich, dass es für FH-Absolventen immer noch sehr schwer ist, in Deutschland zu promovieren, obwohl eine Promotion mit einem praxiserfahrenen FH-Ingenieur für die Uni und die Wissenschaft doch eigentlich sehr interessant sein müsste – zumal sich dieses auch für unser Land positiv auswirken könnte.

Antwort:

Ich mag Menschen, die mit offenen Karten spielen. Nein, damit ist noch nicht die Tatsache angesprochen, dass Sie Ihre Anfrage jetzt zum vierten Male in kurzer Zeit geschickt haben. Wenn Sie glauben, dass mich das erheitert, tun Sie es ruhig.Aber Sie müssen sich auch die Ermahnung gefallen lassen, sich in Zukunft mehr Mühe mit Ihrer Argumentation zu geben:Im ersten Satz Ihrer Einsendung stellen Sie eine klare, sachliche Frage. Jedenfalls habe ich Ihren Satzaufbau so interpretiert – und Ihnen das vergessene Fragezeichen beim Abdruck „spendiert“. Von der Logik des gesamten Textaufbaus (weiter unten in Ihrer Zuschrift unterstellen Sie ja, dass es diese Promotion für FH-Absolventen sehr wohl gibt), wäre die Konstruktion des Satzes als Aussage besser gewesen. Dann aber hätte es heißen müssen: „In Deutschland besteht die Möglichkeit, mit einem …“ Das ist schon ein Unterschied; in jedem Fall war Ihr Aufbau jenes Satzes missverständlich, um nicht „falsch“ zu sagen.Und da wir gerade bei Formulierungen sind: Im letzten Satz ist Ihre „… Promotion mit einem … FH-Ingenieur“ auch nicht üblich, es müsste heißen: „… obwohl die Promotion eines … FH-Ingenieurs …“Halten Sie mich bloß nicht für kleinlich, aber mit mehrfacher Wiederholung Ihres Briefes und dieser nicht zuzuordnenden Aussage im ersten Satz („Will er etwas sagen oder etwas fragen?“) legt man diese Zuschrift gern zur Seite und bearbeitet andere, bei denen zumindest das Anliegen klar ist.Und mit Ihrer Aussage über Ihre besonders gute Abschlussnote legen Sie natürlich die „Latte“, über die Sie dann springen müssen, noch ein paar Rasten höher.Nun zu Ihrer speziellen Promotion:Ja, soweit ich richtig informiert bin, ist eine Promotion für FH-Ingenieure grundsätzlich möglich. Aber:1. Sie als Kandidat müssen einen entsprechenden Universitätsprofessor finden, der Sie für ein solches Vorhaben annimmt. Das ist durchaus möglich, oft haben die FH-Professoren sogar entsprechende Kontakte.2. Wenn die Promotion erfolgreich abgeschlossen ist, sind Sie zwar völlig zweifelsfrei ein „richtiger Dr.-Ing.“, aber eine Stellenanzeige „promovierter FH-Ingenieur gesucht“ habe ich noch nie gesehen. Wann immer gezielt ein „Dipl.-Ing. mit Promotion“ gesucht wird, unterstellt der Suchende praktisch „automatisch“ eine Ingenieurausbildung auf Universitätsniveau (also stärker wissenschaftlich ausgerichtet) mit der entsprechenden Vertiefung eines engeren Themenspektrums durch die Dissertation.Formal also handelt der promovierte FH-Ingenieur völlig korrekt, wenn er sich auf eine Anzeige „promov. Dipl.-Ing. gesucht“ bewirbt. Aber gedacht hat der Suchende eigentlich an das „Fundament“ eines Unistudiums. Das gilt dann auch für das gesamte Aufgabenspektrum der Position.Nun gibt es durchaus auch promovierte FH-Ingenieure, die mit ihrer Promotion glücklich geworden sind und überzeugend berichten, sie seien nie auf Schwierigkeiten gestoßen. Aber das ändert nichts an den grundsätzlichen Bedenken.Sagen wir es so: Wer am Beginn des Studiums gar keine Wahlmöglichkeit hatte, weil er z. B. nur die Fachhochschulreife besaß, wer dann einen FH-Abschluss mit besonders guter Note hingelegt und noch weiteren Ehrgeiz hat, für den ist der hier angesprochene Weg eine Chance, sich noch durch eine Zusatzqualifikation auszuzeichnen. Wer jedoch mit einem guten Abiturabschluss in der Tasche den – tatsächlicher eher etwas leichteren – Weg über die FH wählt und dann unbedingt an der Uni promovieren will, der hätte ja einen geraderen Weg zum Dr.-Ing. und also gleich auf die Uni gehen können.Ob es sich „für unser Land positiv auswirken“ würde, gäbe es mehr promovierte FH-Ingenieure, kann ich nicht beurteilen.Aber ein versöhnlicher Ausblick fällt mir zu diesem Thema noch ein: Zur Promotion werden – unabhängig von der Art der Hochschule – nur Kandidaten mit besonders gutem Abschluss, mit Ehrgeiz und mit „Potenzial für mehr“ zugelassen. Diese Menschen würden es, so meine Erfahrung, überwiegend auch ohne Promotion zu „etwas“ bringen. Eigentlich also trägt der „Dr.“ nur eine Befähigung, die man ohnehin hat, sichtbar nach außen.Bleibt die intensive Beschäftigung mit einem speziellen fachlichen Thema und die Persönlichkeitsformung z. B. durch die Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Beides ist wertvoll, es gibt aber auch viele Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer ganz ohne Promotion.PS 1: Dass viele Fachhochschulen aus verschiedenen Gründen lebhaft für eine Promotionsmöglichkeit für ihre besten Absolventen plädieren, kann ich durchaus verstehen.PS 2: Zur Promotion gehört die Anfertigung einer Dissertation. Es sind Uni-Professoren denkbar, die an die Fähigkeiten zu einer einwandfreien sprachlichen Darstellung noch höhere Ansprüche stellen als ich sie an die Einsendungen in dieser Serie stelle.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2563
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 22
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-05-31

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