Master haupt- und nebenberuflich

Nach dann dreijähriger Berufstätigkeit in einem Großkonzern plane ich, einen einjährigen Master im Bereich „International Management“, alternativ „International Business“, in England zu absolvieren. Der Grund für den Studienort England liegt in der sehr kurzen Studiendauer von zwei Semestern bzw. einem Jahr.Ich bin Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) mit Schwerpunkt Produktionstechnik, seit nunmehr zwei Jahren im technischen Einkauf tätig.Vonseiten meines Arbeitgebers wurde mir in der Zwischenzeit eine Arbeitsstelle in den USA angeboten, parallel dazu möchte man mir einen berufsbegleitenden Master zumindest teilfinanzieren. Mir wäre der einjährige Vollzeitstudiengang allerdings lieber, vor allem aus Motivationsgründen: Ein Jahr ist eine überschaubare Zeitspanne.Wie schätzen Sie meinen Plan und die arbeitgeberseitig angebotene Alternative ein? Könnten mir für meinen weiteren beruflichen Werdegang Nachteile entstehen?

Antwort:

Für einen berufserfahrenen Dipl.-Wirtsch.-Ing. ist der Master kein strategisches Ziel, sondern ggf. ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem Ziel. Das aber kennen wir nicht.Da ein Mann mit Ihrer Basis (Dipl.-Wirtsch.-Ing. im technischen Einkauf) eigentlich hinreichend gut ausgebildet ist, könnte die hier zu erwerbende Auslandserfahrung ein zentraler positiver Aspekt sein. Aber bei Ihrer Praxis bringt „Arbeiten in den USA“ mehr als „Studieren in GB“. Der Punkt geht an den Arbeitgeber.Vermutlich müssten Sie für das Studium in GB Ihre Anstellung kündigen und sich hinterher auf dem Markt völlig neu bewerben. Das kann ein ziemliches Risiko beinhalten – stellen Sie sich vor, Sie wären mitten in der Krise von 2009 wieder als Bewerber aufgetaucht. Der Punkt geht an den Arbeitgeber.Generell kennt man in Deutschland den Weg „Studium – etwas Praxis – wieder Studium – wieder Praxis“ nicht. Man kennt hingegen „Studium, evtl. Zweit- oder Aufbaustudium, evtl. Promotion – Praxis, Praxis – Rente“. Alle(!) deutschen Entscheidungsträger, die nach Ihrem eventuellen GB-Masterstudium Ihre Bewerbung auf den Tisch bekommen, sind selbst den konventionellen (zweitgenannten) Weg gegangen. Sagen wir es so: In der Zeit vor der Master-Euphorie wäre jemand, der den erstgenannten Weg beschritten hätte, mit absoluter Garantie sehr zurückhaltend betrachtet worden (aus der kalten, fordernden Arbeitswelt wieder zurück in die warme, heile Welt der Uni). Der Punkt geht an den Arbeitgeber.Zu scheitern ist immer schlecht, aber möglich ist alles. Wenn Sie das GB-Studium abbrechen, haben Sie nichts außer einer Lücke im Lebenslauf. Wenn Sie bei der Arbeitgeber-Lösung das nebenberufliche Studium abbrechen, passiert gar nichts, niemand merkt es. Der Punkt geht an den Arbeitgeber.Das Studium in GB ist weniger beschwerlich und kürzer. Der Punkt geht an diese Lösung.Fazit: Wären Sie nur mit Ihrer GB-Idee gekommen, hätte ich gewarnt, aber nicht direkt abgeraten. So aber rate ich im Vergleich zur Arbeitgeber-Lösung. Es gilt übrigens auch: Wer „International Management“ ein ganzes Jahr lang studiert, ist damit noch immer kein „international Manager“.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2445
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-11-19

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