Was tun nach dem Berufseinstieg?

Ich habe meine Fachhochschulreife und das Studium auf dem zweiten Bildungsweg (fast) absolviert. Zuvor hatte ich eine Berufsausbildung abgeschlossen und zwei Jahre Berufserfahrung gesammelt.Welche vernünftigen Weiterbildungsmöglichkeiten ergeben sich für mich nach einem Berufseinstieg und einigen Jahren Berufserfahrung als Ingenieur?

Antwort:

Natürlich ist Weiterbildung wichtig, permanente und lebenslange.Aber der Schlüssel zu Ihren konkreten Fragen liegt in Ihrem zweiten Bildungsweg. Eine Besonderheit vieler Absolventen dieses Weges: Herkunftsbedingt bewertet man den Wert dieses Abschlusses und noch eines und dieser Zusatzausbildung und jener Weiterbildung über. Die Kinder von promovierten Naturwissenschaftlern, Oberlandesgerichtspräsidenten oder sonstigen Top-Akademikern sehen die Frage meist gelassener. Sie kennen den Onkel mit Mehrfachstudien, der in der Familie als Trottel gilt und lernen, einen akademischen Abschluss für ebenso normal zu halten wie z. B. ein Abitur („hat man eben, beweist aber gar nichts“). Auf der Basis geht man dann mit der Frage, die Sie stellen, ganz gelassen um. Und man lernt: Weder das Erst-Studium, noch irgendeine Weiter- oder Zusatzausbildung machen Karriere, sondern der Mensch, der dahintersteht. Konkret: Die richtige Persönlichkeit ohne Weiterbildungskonzept kommt weiter als die „falsche“ mit.Aber ich will dennoch eine Orientierung geben:1. In Deutschland sind Studienabschlüsse grundsätzlich so aufgebaut, dass einer davon ausreicht, um in diesem Fachgebiet Karriere zu machen. Es gibt keine pauschal, also für alle, zu empfehlende Zusatzaus-/Weiterbildung, die nach ein paar Jahren Praxis unbedingt absolviert werden muss.2. Im Detail hängen empfehlenswerte Weiterbildungen von der Art der ausgeübten Tätigkeit, der Karriere-Zielsetzung und den persönlichen Stärken und Schwächen ab.Beispiele: Ein Vertriebsingenieur für Medizintechnik wird nur äußerst selten eine Weiterbildung in 3D-CAD absolvieren, ein Berechnungsingenieur wird keine Präsentationstechnik-Schulung und ein Instandhaltungsingenieur keine Weiterbildung für Unternehmensführung absolvieren. Bei Zielen wie „Aufstieg ins Top-Management“ schmücken betriebswirtschaftliche Zusatzausbildungen (MBA, Dipl.-Wirtsch.-Ing.) ungemein; eine anspruchsvolle Karriere im französischen Konzern wird durch diverse Sprachkurse in Französisch sehr gefördert, auch wenn es heißt, die Konzernsprache sei Englisch.Zu unterscheiden ist zwischen der rein fachlichen, tätigkeitsbezogenen Weiterbildung und jener im persönlichen Bereich. Die eine brauchen Sie in Ihrem jeweiligen oder kurzfristig angestrebten Job, die andere soll helfen, Ihre Persönlichkeit besser auf die bestehenden oder künftigen Anforderungen auszurichten. In letzterem Bereich gilt allerdings: Begabung/Naturtalent im Bereich Persönlichkeit allein ist stärker, deutlich stärker, als rein fachliches Talent + persönliche Weiterbildung; Begabung/Naturtalent im Bereich Persönlichkeit + persönliche Weiterbildung jedoch machen unschlagbar.Das heißt konkret: Schicken Sie einen unbegabten Redner auf ein Rhetorik-Seminar – und er wird nicht mehr Mitleid erregen, sondern nur noch langweilen. Entsenden Sie einen begabten Redner – und er wird danach mitreißend argumentieren.3. Das alles heißt für Sie: Noch ist Gelassenheit angesagt. Legen Sie Ihr Karriereziel fest, wählen Sie eine passende Einstiegsposition, seien Sie offen für laufende Umplanungen (weil kein Konzept 40 Berufsjahre überdauert) – und dann warten Sie in Ruhe ab, was sich auf dem Weiterbildungsmarkt für Sie anbietet und wo sich Bedarf zeigt. Für eine konkrete Planung ist es noch etwas zu früh.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2353
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-09-24

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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