Seit namenhaft und werdet sinnig

(1) Ich bin Dipl.-Maschinenbauingenieur / Fertigungstechnik (FH) und arbeite heute bei einem namenhaften Automobilzulieferer. (2) Seid einem Jahr arbeite ich im Qualitätswesen. Während des Studiums habe ich den REFA-Grundschein gemacht. QM-Weiterbildungen laufen derzeit und sind bis zum Auditor TÜV geplant.Nach dem Studium habe ich einen Aufbaulehrgang Betriebswirtschaft für staatlich geprüfte Techniker mitgemacht. Inhalte waren Controlling, BWL und Logistik. Dieser Lehrgang erstreckte sich über ein Schuljahr in Abendform. (3) Als Ingenieur gab es für mich nur ein Zeugnis, wo nicht gängig aus der Schule bekannt benotet worden ist, sondern z. B. „mit guten Erfolg“.(4) Derzeit besuche ich den Lehrgang technischen Betriebswirt IHK. Inhalte sind zu oben genanntem Lehrgang zu 70 % gleich, der IHK-Lehrgang geht nur noch mehr in die Tiefe. (5) REFA-Kenntnisse des Lehrgangs habe ich mit dem Grundschein abgedeckt. QM-Kenntnisse decke ich mit den anderen Schulungen ab. Weiterhin plane ich, in Kursen mein Englisch zu verbessern.(6) Ist dieser Lehrgang IHK für mein Profil sinnig? Hat er einen anerkannten Stellenwert in der aus- und inländischen Wirtschaft? Kennen Sie den BWL-Lehrgang für Techniker und reicht dieser für mich aus? BWL wird ja oft in Stellenanzeigen gefordert.

Antwort:

Bitte nehmen Sie mir ab, dass ich Ihnen nur helfen will. Es dürfte das letzte Mal in Ihrem Leben sein, dass jemand Sie so deutlich auf so eklatante Schwächen hinweist. Später müssen Sie damit rechnen, dass Ihre Briefe oder internen Vorlagen für die Unternehmensleitung nur noch Kopfschütteln hervorrufen und man Ihr Anliegen nicht ernst nimmt. Die in Klammern gesetzten Nummern vor manchen Sätzen sind von mir und sollen den Lesern nur das Mitverfolgen erleichtern.Zur Einführung: Sie haben „Contolling“ geschrieben. Das habe ich als Tippfehler gewertet und stillschweigend korrigiert. Aber der Rest ist äußerst schwerwiegend und gefährdet eines Tages Ihren Berufserfolg! Ein deutscher Akademiker muss dies alles richtig schreiben können – darüber ist nicht zu diskutieren.Zu 1: Es heißt „namhaft“ (aber dann wieder „namenlos“).Zu 2: Es heißt „seit“ einem Jahr. Man kann es sich so merken: „Seit mit t, wenn es von der Zeit kommt“ (die andere Form lautet beispielsweise „Seid umschlungen, Millionen“).Zu 3: Verzeihen Sie mir, ich kann nicht anders, daher: Hä?Zu 4: Entweder heißt es „… Lehrgang zum technischen Betriebswirt“ oder „Lehrgang Technischer Betriebswirt“.Zu 5: Der Lehrgang hat keine Kenntnisse, also gibt es keine „Kenntnisse des Lehrgangs“. Es gibt aber z. B. „im Lehrgang vermittelte Kenntnisse“.Zu 6: „Sinnig“ ist im berufsrelevanten Schriftdeutsch kein gängiger Begriff, vorsichtig gesagt.Zum Thema: Sie sind Ingenieur, darauf sind Sie stolz und dürfen es auch sein. Warum aber häufen Sie jetzt mehrere Lehrgänge einer Fachrichtung (BWL) aus der Niveaustufe darunter an – und wundern sich? Statt dessen hätte einer gereicht – am besten einer, der „für Ingenieure“ lautet statt „für Techniker“; z. B wäre ein nebenberufliches Aufbaustudium zum Dipl.-Wirtschaftsingenieur ideal gewesen. Sagen wir es so: Zwei Autos mit 50 PS sind nicht schneller als eines mit 75 (jetzt warte ich auf den Schlaumeier, der mir nachweist, es müsse kW heißen). Was wollen Sie eigentlich wissen? Ob Sie den IHK-Lehrgang abbrechen sollten? Ich rate ab; er hat einen hohen Stellenwert – und passt immer noch besser als ein Lehrgang „für Techniker“.

Kurzantwort:

Für Zusatzstudien empfiehlt sich grundsätzlich eines auf dem Niveau des Erst-/Hauptstudiums. Greift man tiefer, kann das zu Enttäuschungen führen.
Frage-Nr.: 1934
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 21
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-05-19

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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