Heiko Mell

Aufnahme in den Arbeitsvertrag

Frage: Ich habe eine Frage zum Thema berufliche Weiterbildung: Ist es üblich/möglich, diesen Punkt in den Arbeitsvertrag aufzunehmen, um sich gewissermaßen ein Minimum an Weiterbildung (beispielsweise 2 Tage/Jahr) zu sichern? Wenn ja, wie sieht so eine Regelung typischerweise aus? Ich würde dies eventuell gern in der nächsten Gehaltsverhandlung mit meinem Chef einbringen.

Antwort:

Lassen wir eventuelle gesetzliche oder tarifvertragliche Ansprüche beiseite und konzentrieren wir uns auf die von Ihnen ins Spiel gebrachte individuelle Vereinbarung.

Sagen wir es einmal so: Arbeitgeber mögen, ja erwarten weiterbildungswillige Arbeitnehmer. Was ist darunter zu verstehen? Ein solcher Mitarbeiter ist jederzeit gern bereit, eine im betrieblichen Interesse liegende Weiterbildung zu absolvieren, sich dabei zu engagieren und – da diese Maßnahme ja mittel- bis langfristig ganz besonders auch ihm dient – in zumutbarer Weise auch ein bisschen selbst zu investieren, auch private Zeit einzubringen (beispielsweise). Denn jede Weiterbildung erhöht ja auch den Wert des Arbeitnehmers auf dem Arbeitsmarkt.

Der Kernsatz dieser Definition ist der mit dem „betrieblichen Interesse“! Führt das Unternehmen ein neues SAP-Modul ein – nimmt dieser ideale Mitarbeiter gern (und sicher auch ein wenig bis in den Feierabend hinein) an einer SAP-Schulung teil. Oder man kauft eine Tochter in GB; dann freut man sich über Mitarbeiter in Kontaktabteilungen, die ein Sprachkursangebot gern akzeptieren.

Generell weniger beliebt sind Mitarbeiter, die sich pauschale Ansprüche vertraglich absichern lassen und die dann im Dezember zwei Tage „auf Lehrgang“ gehen, komme was da wolle und gleichgültig, ob das Unternehmen die neue „Qualifikation“ nun gebrauchen kann oder nicht. Hier also der zweite Teil der Aussage: Die Unternehmen lieben weiterbildungsbereite, nicht aber weiterbildungssüchtige Mitarbeiter (die ihren „Anspruch“ zum Prinzip erheben).

Ich bin also in Ihrem Interesse gegenüber Ihrem Vorschlag sehr skeptisch. Dabei dürfen, ja sollten Sie durchaus gelegentlich (nicht: pünktlich zu Ostern) die Initiative ergreifen: Schlagen Sie Ihrem Chef ruhig einmal Ihre Teilnahme an einer begrenzten Maßnahme vor, bei der das erworbene Wissen im Interesse Ihrer Abteilung liegt. Und seien Sie nicht allzu enttäuscht, wenn er nicht jeden Vorschlag akzeptiert. Jede Investition muss im betrieblichen Interesse liegen – Weiterbildungskosten fallen in diese Kategorie.

Kurzantwort:

Arbeitgeber schätzen Mitarbeiter, die sich gern und engagiert Weiterbildungen unterziehen, die im betrieblichen Interesse liegen. Sie schätzen es weniger, wenn Mitarbeiter solche Maßnahmen pauschal und „aus Prinzip“ fordern.

Frage-Nr.: 1910
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-02-10

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