Heiko Mell

„Ausland“ fehlt mir

Frage: Ich bin langjährig als Führungskraft tätig und habe mehrere Betriebsübergänge durch Fusion bzw. Firmenverkauf erleben dürfen. Angefangen hatte ich bei einem deutschen Energieversorger, jetzt gehöre ich einer internationalen Telekommunikationsgesellschaft an.

Ich bin froh über diese Entwicklung, da mich die Aufgaben herausfordern und mir meist Freude bereiten, auch wenn der Stress und die Arbeitszeiten stark zugenommen haben. Jetzt jedoch merke ich öfter, dass mir das „Jahr im Ausland“ fehlt. Insbesondere auch die perfekte Beherrschung der englischen Sprache (Feinheiten).

Sehen Sie Möglichkeiten, die Lücke – außer durch Sprachkurse – noch zu schließen? Ansonsten kann ich wahrscheinlich die jetzt größer gewordenen beruflichen Chancen nicht nutzen!

Antwort:

Das Beispiel unterstreicht meine ständige Mahnung: Ohne Englisch geht es in Zukunft nicht mehr! Selbst wenn man treu und brav bei einem deutschen, nur auf den nationalen Markt ausgerichteten Unternehmen anfängt, ist man nicht dagegen gefeit, sich eines Tages bei einem internationalen Konzern wiederzufinden.

Und da läuft dann alles in Englisch! Jede Positionsbezeichnung, jede Arbeitsanweisung, jedes größere Meeting (die wissen schon gar nicht mehr, dass sie in Besprechungen sitzen), zahllose Telefonate, Berichte etc. Vorgesetzte, Kollegen, Arbeitspartner sind entweder Menschen mit Englisch als Muttersprache oder anderweitige Ausländer, die kaum Deutsch sprechen. Von Kunden auf internationalen Märkten gar nicht zu reden.

Also gilt insbesondere für Leser, die noch jung genug dazu sind: Nutzen Sie jede Möglichkeit, in der Schule (Schüleraustausch) oder im Studium (Auslandssemester) die Sprache im englischsprachigen Ausland so perfekt wie möglich zu lernen. Das gilt selbstverständlich auch für berufliche Entsendungen ins Ausland, insbesondere in den ersten Jahren nach dem Studium (mit zwei schulpflichtigen Kindern und einem eigenen Haus wird das schon schwieriger).

Und für Sie, geehrter Einsender, gilt: Die üblichen Sprachkurse, so einmal abends an der Volkshochschule, helfen Ihnen nicht mehr. Und für eine längere berufliche Entsendung ins Ausland sind Sie fast schon zu alt (die Reintegration in den deutschen Arbeitsmarkt wäre schwierig). Aus meiner Sicht bleiben solche Möglichkeiten:

Opfern Sie einmal einen Jahresurlaub für ein Intensiv-Sprachtraining in Großbritannien. Als Ergänzung dazu oder notfalls alternativ können Sie privaten Sprachunterricht durch entsprechend vorgebildete Muttersprachler vorsehen, mit denen Sie sich im Rahmen Ihrer zeitlichen Möglichkeiten verabreden. Inserieren Sie einmal in der örtlichen Tageszeitung, da ergibt sich ganz sicher etwas (sogar in meiner Familie bietet jemand derartige individuelle Sprachschulungen als Muttersprachler an – in einer anderen Region, also soll das hier auch keine Werbung sein).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1575
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 14
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-04-06

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