Heiko Mell

Löst ein Lehrgang Probleme?

Frage: Ich überlege, an der Technischen Akademie den Lehrgang „Managementwissen für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ zu besuchen. Da dieser Lehrgang eines nicht unerheblichen finanziellen und zeitlichen Aufwandes bedarf, bin ich an Ihrer Meinung bezüglich der Investition interessiert.

Wann und für wen lohnt sich dieser Lehrgang?

Antwort:

Darf ich einmal versuchen, Ihnen zu helfen? Danke sehr. Alsdann:

Bitte glauben Sie niemals, daß „man“ bei bestimmten Anlässen unbedingt geschraubt formulieren muß. Im Gegenteil: je komplexer das Problem, desto einfacher sollten die Kernfragen oder aussagen sein. Nehmen wir Ihren zweiten Satz: Zunächst habe ich aus Mitleid die Genitivendung „es“ an Ihren (im Original) „Aufwand“ angehängt, aber auch so ist die Geschichte noch viel zu kompliziert – kein Mensch redet so, also muß auch „kein Mensch“ so schreiben. Vor allem nicht, wenn man („Aufwand/es“) die Dinge dann doch nicht beherrscht.

Gegenbeispiel: „Dieser Lehrgang ist sehr teuer. Daher bitte ich Sie um Ihre Meinung: Wann und für wen lohnt sich …?“

Glauben Sie mir: Mit dem Tip, zu schreiben wie man redet, kommen Sie im Zweifel weiter. Ich tue das übrigens hier schon seit fünfzehn Jahren.

Nun zur Sache: So richtig schaden können Lehrgänge eigentlich nie. Irgend etwas nimmt man immer mit – und sei es die Erkenntnis, schon vorher so viel gewußt zu haben wie der Referent. Das beruhigt doch auch ungemein.

Man darf nur keine zu großen Hoffnungen im Hinblick auf Karrierefortschritte hegen, zu denen Lehrgänge dieser allgemeinen Art anschließend führen. Beispiel: Kein bis dahin als Sachbearbeiter tätiger Ingenieur wird plötzlich befördert, nur weil er jenes Lehrgangsdokument präsentiert. Und auch kein bisher nichtführend tätiger Bewerber hat bessere Chancen, eine Führungsposition zu erringen, nur weil er jetzt die Bescheinigung beilegt.

Sagen wir es einmal so: Lehrgänge vermitteln Wissen. Und Wissen ist immer gut! Irgendwie und irgendwann hilft es auch garantiert. Manchmal am nächsten Tag, mitunter in zehn Jahren.

So also hilft „Managementwissen“ (natürlich kenne ich diesen Lehrgang nicht im Detail) mit hoher Sicherheit einem Ingenieur bei der täglichen Bewältigung seiner Managementaufgaben. Aber ich glaube nicht, daß er damit schneller Manager wird. Auch eine Statistik der Akademie, nach der 80 % aller Lehrgangsteilnehmer zwei Jahre später Führungskräfte werden, würde mich nicht beirren: Ich sähe darin die Bestätigung, daß sich vor allem ehrgeizige, talentierte junge Ingenieure dazu anmelden – die so oder so Manager geworden wären, es nun aber etwas leichter haben in ihrem Job oder weniger Fehler machen.

Man kann derartige Lehrgänge mit Top-Reifen vergleichen, die man einem Auto aufzieht. Ein vorher „flottes“ Fahrzeug wird noch eine Idee schneller, fährt vielleicht sicherer durch komplizierte Kurven etc. Aber bei einem alten, „schwachbrüstigen“ Kleinwagen sehen Sie keinen Effekt – der wird auf diese Weise nicht zum Rennauto.

Kurzantwort:

Fachlehrgänge sind wichtig und nützlich. Aber wer es bisher nicht zur Führungskraft gebracht hat, darf von einem Managementwissenslehrgang keine Wunder erwarten.

Frage-Nr.: 1383
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 16
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-04-23

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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