Heiko Mell

Auf TH-Basis einen FH-Zusatz

Frage: In dem Unternehmen, in dem ich tätig bin, wird für Mitarbeiter, die mindestens fünf Jahre in der Firma beschäftigt sind, ein Aufbaustudiengang zum Wirtschaftsingenieur an einer Fachhochschule angeboten. Der studierende Mitarbeiter wird dafür einen halben Tag in der Woche von der Arbeit freigestellt. Samstags ist voller Studientag. Das gesamte Aufbaustudium erstreckt sich über vier Jahre. Sie haben hier einmal empfohlen, sich zwar zusätzlich Kenntnisse in Wirtschaftswissenschaften anzueignen, dabei sollte das Aufbaustudium jedoch gleichrangig zum ersten Studium sein. Ich habe an einer TH Maschinenbau studiert und bin seit fünf Jahren im Unternehmen tätig. Würden Sie mir zu diesem Aufbaustudium raten?

Antwort:

Hier ist keine eindeutige Empfehlung möglich. Die Geschichte hat Vorund Nachteile. Ich liste Ihnen die wichtigsten Aspekte auf, Sie müssen sie in Ihrem Fall gewichten und dann entscheiden.

1. Betriebswirtschaftliches Zusatzwissen nützt jedem berufstätigen Menschen, es schadet niemals.

2. Pauschal könnte man allen Ingenieuren raten, das Aufbaustudium zum Dipl. -Wirtschaftsingenieur direkt an ihrer Hochschule zu absolvieren. Im Einzelfall kann lediglich der Zeit-Aufwand dafür zu hoch sein (z. B. wenn sich ein späteres Eintrittsalter von 30 Jahren und mehr ergibt; „trau keinem über 30“). Auch mangelnde Begabung schlechte Noten!) wäre ein Ablehnungsgrund.

3. Grundsätzlich ist anzustreben, jede Art von Zusatzstudium auf demselben Niveau zu absolvieren wie das Hauptstudium. Beispiel: Ist jemand TH-Ingenieur und FH-Wirtschaftsingenieur, so kann er sich eines Tages durchaus im Konflikt sehen: Bei rein technischen Funktionen kann er sich um TH-Positionen bewerben; wird jedoch ausschließlich der Wirtschaftsingenieur gesucht (z.B. „Dipl.-Kfm. oder Dipl.-Wirtsch.-Ing. TH“), reicht seine Qualifikation vielleicht nicht aus.

4. Ein FH-Aufbaustudium ist in jedem Fall besser als gar keines (schlimmstenfalls haben Sie das Wissen im Kopf und lassen den Titel im Einzelfall weg).

5. Sie sind jetzt fünf Jahre dort. Nähmen Sie das FH-Studium auf, müßten Sie dort mindestens neun Dienstjahre lang bleiben ein Studium ohne Abschluß wäre weniger als gar keines. Paßt das in Ihre Pläne, auch wenn man Sie die ganze Zeit lang nicht befördern würde?

Kurzantwort:

Grundsätzlich ist anzustreben, ein Aufbaustudium auf demselben Studienniveau zu absolvieren wie das Hauptstudium.

Frage-Nr.: 1113
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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