Warum steht nichts über Aufgaben drin?

Ich habe gerade einen Arbeitsvertrag mit einem größeren mittelständischen Unternehmen abgeschlossen. Zu meiner Enttäuschung steht dort nur die Positionsbezeichnung, aber nichts über Aufgaben und Zuständigkeiten. Auch das Unterstellungsverhältnis ist nicht festgelegt.Vorsichtshalber habe ich nicht protestiert, frage aber jetzt einmal Sie: Liegt das an diesem Unternehmen, steckt eine Absicht dahinter, ist das nachteilig für mich?

Antwort:

Ein Arbeitsvertrag ist eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien, die beide unterschrieben haben müssen. Das Problem dabei: Jede kleine oder größere Veränderung der getroffenen Regelungen muss auch wieder von beiden Parteien unterschrieben werden, sonst hat sie keine Gültigkeit.Je mehr sich also das Unternehmen im Vertrag schriftlich festlegt, desto unflexibler wird es in allen Details der Arbeitsorganisation. Flexibilität aber ist heute das zentrale Thema, wenn ein Unternehmen erfolgreich sein oder auch nur überleben will. Die Märkte sind einem ständigen Wandel unterworfen, einzelne Kunden haben neue Wünsche, die Technik verändert sich in immer kürzeren Abständen – das Unternehmen muss sich immer wieder neu ausrichten, anpassen, verändern.Und nun stellen Sie sich vor: Wie ein Fels in der Brandung steht Sachbearbeiter Müller in der Fertigungssteuerung, liest täglich seinen sehr ausführlich gehaltenen Vertrag, in dem jede Kleinigkeit geregelt ist – und blockiert jegliche Abweichung vom Geschriebenen. Seien Sie versichert: Es gibt solche Leute! Und hätte Müller solch einen Vertrag, hätten ihn alle Kollegen auch, es gibt schließlich eine Verpflichtung zur Gleichbehandlung.Für die Unternehmensleitung wäre das eine Horrorvision: Vor jeder noch so kleinen Veränderung eines Arbeitsablaufs müssten die Verträge aller Betroffenen durchforstet werden, ob festgelegte „Rechte“ der Mitarbeiter betroffen sind. Dann müsste man in Verhandlungen mit diesen Angestellten eintreten und ihnen neue Vertragsregelungen vorschlagen. Für ihre Unterschrift darunter würden Leute wie unser Müller etwas fordern („zum Ausgleich“). Fazit: Das Unternehmen wäre unregierbar.Deshalb steht im Regelfall tatsächlich nur eine recht grob formulierte Positionsbezeichnung im Vertrag und über Aufgaben und Zuständigkeiten eher nichts. Mitunter wird auf „Stellenbeschreibungen in ihrer jeweils geltenden Fassung“ hingewiesen, die solche Details regeln. Es besteht aber Klarheit darüber, dass deren (wechselnde) Formulierung dem Arbeitgeber obliegt.Die bei Ihrem neuen Unternehmen vorgefundene Regelung ist also üblich und benachteiligt Sie nicht.Generell gilt: Sehr viele sehr erfolgreiche Angestellte haben nie wieder in ihre bei der Einstellung abgeschlossenen Arbeitsverträge geschaut, haben zur Freude ihrer Vorgesetzten erfolgreich gearbeitet, bekamen größere Verantwortungsbereiche übertragen, erhielten Gehaltserhöhungen etc.Nach wie vor lautet der Grundsatz: Ihr Arbeitgeber sollte etwas für Sie tun wollen, nicht gegen seinen erbitterten Widerstand müssen. Wenn man sich gegenseitig Vertragsparagrafen „um die Ohren haut“, ist das erstrebenswerte gute Verhältnis ohnehin kaputt.

Kurzantwort:

Service für Querleser:
Unternehmen schreiben bewusst wenig oder gar nichts zu Aufgaben und Zustän-digkeiten in Arbeitsverträge, um sich ihre unabdingbare Flexibilität zu sichern.
Ihr Arbeitgeber muss etwas für Sie tun wollen, nicht lt. Vertrag „zähneknir-schend“ müssen.
Frage-Nr.: 2831
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 36
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-09-08

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