Problem „Tätigkeitsdefinition“

Ich hatte zunächst einen befristeten Arbeitsvertrag als Konstruktionsingenieur im technischen Büro eines Unternehmens. Dann bekamen wir einen neuen Abteilungsleiter. Der veranlasste, dass ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekam als Sachbearbeiter Technisches Büro.In beiden Arbeitsverträgen wird die Tätigkeit so definiert: „Er wird mit allen einschlägigen Arbeiten nach näherer Anweisung der Betriebsleitung und seiner Vorgesetzten beschäftigt.“Ist das Berufsprofil des Sachbearbeiters Technisches Büro so breit gefächert? Ist dieser vergleichbar mit einem Konstruktionsingenieur oder mit dem Berufsbild eines technischen Angestellten?Wir haben eigentlich weniger Konstruktionstätigkeiten. Können Sie mir bitte helfen, das Berufsprofil zu definieren?

Antwort:

Klären wir erst einmal Ihre Ausgangssituation: Sie hatten einen befristeten Vertrag. Er bedeutet: Sichere Arbeitslosigkeit ab Enddatum, falls nicht intern ein kleines Wunder geschieht oder Sie eher zufällig genau zum Stichtag extern einen neuen Job finden. Ich gebe diesem früheren Vertrag etwa 30 imaginäre „Wertpunkte“.Dann kam der neue Abteilungsleiter. Der gab Ihnen erst einmal einen unbefristeten Vertrag. Diesem gebe ich etwa 100 imaginäre „Wertpunkte“. Sie müssen diesem neuen Chef nun nicht direkt die Füße küssen, aber dankbar für diese wesentliche Verbesserung Ihrer Arbeitsvertragssituation dürfen Sie schon sein. Sicher haben Sie dieses Vertrauen durch Ihre Leistungen im befristeten Verhältnis verdient – aber nicht jeder hat das Glück, so anerkannt zu werden.Dann hat der neue Chef auch noch registriert, dass es dort eigentlich kaum etwas zu konstruieren gibt und hat – um späteren „Diskussionen“ (z. B. mit Ihnen) vorzubeugen, die Tätigkeitsbezeichnung weniger speziell, sondern sehr viel breiter gefasst. Das liegt in seinem Interesse, das war aus seiner Sicht eine gute Lösung. Dazu gehört es, jene völlig allgemein gehaltene „Gummi“-Definition der Tätigkeitsbeschreibung auch für den neuen Vertrag beizubehalten.Sie hätten es lieber, Ihre Tätigkeit im Vertrag „zur Sicherheit“ exakter umrissen zu sehen – damit klarer ist, was Sie tun müssen und was nicht. Ich kann Sie verstehen, aber:1. Das dient nicht den Interessen des Arbeitgebers und ist gegen seinen Willen kaum bis gar nicht durchzusetzen. Chefs hassen Mitarbeiter, die bei jeder neuen Anweisung mit dem Vertrag unterm Arm gelaufen kommen und protestieren, dieses und jenes gehöre nicht zu ihren Pflichten. Chefs schauen niemals(!) im laufenden Betrieb in die Tätigkeitsdefinitionen ihrer Mitarbeiter, sie verteilen Aufgaben nach betrieblicher Notwendigkeit – und wer will schon vom Chef gehasst werden?2. Das ist in Deutschland eher nicht üblich, die meisten Verträge sehen aus wie Ihrer oder sind noch schlimmer („… als Maschinenbauingenieur angestellt und wird nach Weisung seiner Vorgesetzten tätig sein“).3. Weder ist „Technisches Büro“ ein klar umrissenes und auch nur halbwegs eindeutig definiertes Feld, noch ist „Sachbearbeiter“ mehr als eine verschwommene, höchst allgemeine Bezeichnung, die jedes Unternehmen individuell definiert (was es sich meist auch noch schenkt). Da also „kein Mensch“ genau weiß, was ein „Sachbearbeiter Technisches Büro“ im Detail ist und üblicherweise tut, gibt es auch keine halbwegs verbindliche Tätigkeitsdefinition.Übrigens würde auch keine der üblichen mehrseitigen Stellenbeschreibungen helfen. Da steht dann im Arbeitsvertrag, maßgeblich sei sie „in der jeweils gültigen Fassung“, die der Arbeitgeber auch wieder ändern kann.Fazit: Ihre Aufgabe ist es nicht(!), die eventuellen Detailvorgaben der Tätigkeitsbeschreibung Ihres Arbeitsvertrages buchstabengetreu umzusetzen und Ihrem Vorgesetzten detailliert zu erläutern, was Sie tun müssen und was nicht, sondern Sie sollen die Weisungen Ihres Chefs so ausführen, dass er mit Ihnen hochzufrieden ist. Und wenn er von Ihnen ständig(!) verlangt, etwas zu tun, was in Ihren Augen unter Ihrer Würde ist, dann können Sie in aller Ruhe mit ihm darüber sprechen oder sich extern eine neue Position suchen. Aber vom Herumwedeln mit dem Arbeitsvertrag als „Beweis“ dafür, dass er im Unrecht ist, rate ich ab.

Kurzantwort:

Ihr Chef muss Sie mit Aufgaben betrauen wollen, die Ihnen attraktiv und angemessen erscheinen (weil er Sie und Ihre Leistungen schätzt), nicht aber betrauen müssen (etwa weil Sie ihm ständig die Detailformulierungen Ihres Vertrages unter die Nase reiben).
Frage-Nr.: 2426
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 35
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-09-01

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