Kündigungsfrist zu kurz?

Ich habe zurzeit einen neuen Arbeitsvertrag zur Unterschrift vorliegen. In diesem Vertrag bin ich über den Passus Kündigungsfrist gestolpert.Diese Frist beträgt dort vier Wochen zum Monatsende (gesetzlich). Es handelt sich um einen Job als Vertriebsingenieur.Ich habe bereits 8,5 Jahre Berufserfahrung als Entwicklungs- und Vertriebsingenieur. Meine heutige Kündigungsfrist beträgt vier Monate zum Quartalsende. Die im neuen Vertrag festgeschriebene Frist kommt mir nun sehr kurz vor (hire and fire), besonders im Hinblick auf die derzeitige wirtschaftliche Lage. Ist es üblich, in so einer Position eine so kurze Frist zu haben? Was können Sie mir raten?

Antwort:

Drei Aspekte muss man sehen:1. Ein Unternehmen wird stets bemüht sein, alle Mitarbeiter in vergleichbarer Position mit weitgehend gleichen Verträgen auszustatten. Irgendwelche Besonderheiten sind also im Normalfall nicht gegen Sie gerichtet, sondern Standard dieses Hauses.2. Die Länge der Kündigungsfrist regelt zunächst die Verfügbarkeit eines Bewerbers auf dem Markt (wann könnte er anfangen?). Eine kurze Frist ist grundsätzlich besser, da suchende Firmen fast immer am schnellen Dienstantritt interessiert sind. Bewerbungen scheitern oft am zu späten Eintrittsdatum des Kandidaten.3. Die Länge der Kündigungsfrist regelt auch die Absicherung des Einkommens des Mitarbeiters im Falle einer arbeitgeberseitigen Kündigung. Je länger die Frist, desto höher die Sicherheit.Daraus folgt: Eine rundum ideale Frist gibt es nicht. Was der Existenzabsicherung nützt, schadet der Attraktivität auf dem Markt – und umgekehrt.Als Randaspekt muss noch erwähnt werden: Die Länge der Frist sollte auch in einer vernünftigen Relation zur Bedeutung der Position stehen, sonst wird die Gesamtkonstruktion unglaubwürdig (z. B. wären sechs Monate zum Halbjahr beim Sachbearbeiter ebenso falsch wie vier Wochen zum Monatsende beim Bereichsleiter).Zu Ihrer konkreten Situation: Die bisherigen vier Monate zum Quartalsende beim Vertriebsingenieur auf Sachbearbeiterebene sind recht lang. Im Extremfall wird daraus ein halbes Jahr – da lässt das Interesse potenzieller neuer Arbeitgeber schon deutlich nach.Die neue Frist von vier Wochen zum Monatsende ist gesetzlicher Standard und damit nicht direkt zu beanstanden. Dennoch ist sie recht kurz, wenn man vorher „verwöhnt“ war – und wenn man die risikobehaftete Konjunktur bedenkt. In nur vier Wochen findet der Angestellte kaum je einen neuen Job – eine Absicherung gegen spontane Arbeitgeberkündigungen ist das nicht gerade.Was ist zu tun? Natürlich dürfen Sie um eine längere Frist (z. B. drei Monate zum Monatsende) bitten oder entsprechend „verhandeln“, wenn Ihnen das Wort besser gefällt. Aber wahrscheinlich ist ein Erfolg nicht. Dann bleibt Ihnen nur eine grundsätzliche Entscheidung für oder gegen das Unternehmen.PS. Warum wechseln Sie überhaupt von einem Vertriebsingenieurjob zum anderen, wo noch dazu Ihr heutiger so viel besser abgesichert ist? Falls die neue Position anderweitige Vorteile gegenüber der alten bietet, müssen Sie halt abwägen, so ganz ideal in allen Aspekten trifft man es eben nie …

Kurzantwort:

Bei der Kündigungsfrist gilt es zwischen den gegenläufigen Interessen von „Verfügbarkeit auf dem Arbeitsmarkt“ und „Existenzsicherung“ individuell abzuwägen.
Frage-Nr.: 2331
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 28
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-07-08

Top Stellenangebote

BASF Coatings GmbH-Firmenlogo
BASF Coatings GmbH Projektingenieur_in Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Münster
DACHSER Group SE & Co. KG-Firmenlogo
DACHSER Group SE & Co. KG Versorgungstechniker (m/w/d) TGA Kempten
DACHSER Group SE & Co. KG-Firmenlogo
DACHSER Group SE & Co. KG Elektrotechniker (m/w/d) Kempten
Goblet Lavandier & Associes Ingenieurs-Conseils S.A.-Firmenlogo
Goblet Lavandier & Associes Ingenieurs-Conseils S.A. Ingenieure / Techniker (m/w/d) für die Gewerke HVAC/S und medizinische Gase, im Geschäftsbereich Krankenhausprojekte Niederanven (Luxemburg)
Goblet Lavandier & Associes Ingenieurs-Conseils S.A.-Firmenlogo
Goblet Lavandier & Associes Ingenieurs-Conseils S.A. Ingenieur (m/w/d) Energie & Gebäudephysik Niederanven (Luxemburg)
KfW Bankengruppe-Firmenlogo
KfW Bankengruppe Experte / Sachverständiger (w/m/d) für Umwelt- und Sozialrisikomanagement Frankfurt am Main
Technische Hochschule Bingen-Firmenlogo
Technische Hochschule Bingen Präsident (m/w/d) Bingen
OST – Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
OST – Ostschweizer Fachhochschule Professor/in für Industrielle Automation Rapperswil (Schweiz)
Technische Universität Dresden-Firmenlogo
Technische Universität Dresden Professur (W3) für Autonome Systeme / Mitgliedschaft in der Institutsleitung Dresden
Technische Universität Dresden-Firmenlogo
Technische Universität Dresden Professur (W3) für Kooperative Systeme / Leitung der Abteilung "Kooperative Systeme" Dresden
Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.