Heiko Mell

Wenn dich die bösen Buben locken …

Nach mehrjähriger Tätigkeit als Entwicklungsingenieur bei Unternehmen A wechsele ich jetzt zum räumlich weit entfernten Unternehmen B. Beide sind in einer Branche tätig, aber auf völlig anderen Gebieten. Eine Konkurrenz beider Firmen sehe ich nicht.
A hat meine Kündigung sehr bedauert und mich (mehr Verantwortung, mehr Geld) zu halten versucht. Ich habe abgelehnt.
Um sich aber weiter mein Fachwissen zu sichern, hat mir A eine entgeltliche Beratertätigkeit (ca. 1 Tag/Monat) angeboten. Lt. Arbeitsvertrag bei B bedarf jede private Erwerbstätigkeit, ja bedarf sogar eine Lehrtätigkeit der Zustimmung der Geschäftsführung.A bietet nun an, diese Regelung zu umgehen, z. B. durch einen Anstellungsvertrag für meine Ehefrau.

1. Ist es ratsam, ein solches Angebot anzunehmen?

2. Ist es ratsam, ein solches Angebot mit einem Winkelzug (Vertrag für Ehefrau) anzunehmen)?

3. Welche Schwierigkeiten könnten bei einer Annahme auftreten?4. Wie werden solche Neben-/Beratertätigkeiten normalerweise vergütet?Ich neige dazu, das Angebot abzulehnen. Mein Grund ist hauptsächlich der zusätzliche Zeitbedarf für die Beratung und die erforderlichen Reisen. Außerdem sehe ich die Gefahr einer Abhängigkeit von A, wenn ich sein Angebot annehme und dabei die Regeln des neuen Arbeitgebers B missachte. Auch halte ich es für unangebracht, als erste Handlung beim neuen Arbeitgeber eine Nebentätigkeit zu beantragen.

Antwort:

Es gehört zum Wesen der Angestelltentätigkeit, dass für ein volles Gehalt die volle Arbeitskraft dem Arbeitgeber gehört. Das hat Arbeitgeber B auch in seinem Arbeitsvertragskonzept, das Sie akzeptiert haben, festgehalten.

Sie müssten also ganz klar wie folgt vorgehen: Bei B wäre anzufragen, ob man bereit wäre, Ihr Gehalt um ca. 5 % zu reduzieren und Sie einen Tag im Monat von der Arbeit freizustellen. Dann müssten Sie als Begründung angeben, an diesem Tag beratend für A tätig werden zu wollen. Für beides brauchen Sie die (vorherige) Zustimmung von B. Nach Lage der Dinge bekommen Sie die nicht!

Und sie würde Ihnen auch nichts nützen – da Sie etwa so viel an Geld bei B verlieren wie A Ihnen zahlt. Auch wenn A etwas mehr zahlt, wäre der Aufwand schon wegen der über 500 km großen Entfernung enorm. Bedenken Sie auch die Details: Stets müssten Sie den Monatstermin mit B und mit A abstimmen, was früher oder später ins Chaos führt.

Die ganze Geschichte ist eine klassische Schnapsidee. Mit der Einbeziehung Ihrer Ehefrau und mit der heimlichen Beratung von A unter Täuschung von B ist es sogar eine kriminelle Schnapsidee. Am Ende könnten Ihre Entlassung durch B und Schadenersatzforderungen an Sie stehen.

Dass ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter rät, seinen nächsten Arbeitgeber zu betrügen, ist ein starkes Stück! Übrigens trügen Sie allein das Risiko, nur Ihre Existenz steht auf dem Spiel, nicht die von A.Trennen Sie sich so schnell und so endgültig wie möglich von A – bleiben Sie jedoch höflich, bis Sie Ihr Zeugnis haben und sogar noch darüber hinaus (vielleicht brauchen Sie die Leute dort noch einmal als Referenz). Aber lehnen Sie den Unsinn konsequent ab. So sprach schon Salomo: „Wenn dich die bösen Buben locken, so folge (ihnen) nicht“ (Sprüche; 1, 10).

Kurzantwort:

Zu einem Arbeitgeber, der dem ausscheidenden Mitarbeiter rät, seinen neuen Arbeitgeber zu betrügen, sollten ebenso höflich wie entschieden die Beziehungen schnellstmöglich abgebrochen werden.

Frage-Nr.: 2054
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 37
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-09-16

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