Heiko Mell

Kündigungsfrist zu lang?

Ich bin seit etwa zwei Jahren beim XY-Konzern beschäftigt. Vor kurzer Zeit habe ich mich zu einem internen Wechsel entschlossen. Meine Erwartungen an den neuen Arbeitsplatz erfüllten sich jedoch nicht.
Die zentrale Ursache sah und sehe ich in Problemen mit meinem Abteilungsleiter.

Hinzu kommt, daß mein Arbeitsvertrag nicht – wie beim Wechsel vereinbart – unmittelbar der neuen Situation entsprechend geändert wurde.

Mehrere Gespräche mit meinem Abteilungsleiter blieben erfolglos. Ich gewann dabei jedoch den Eindruck, daß ich meine Anstellung als gefährdet ansehen mußte. Daher bewarb ich mich extern, ein Ergebnis liegt noch nicht vor.

Dennoch suchte ich auch das Gespräch mit unserem Hauptabteilungsleiter. Er gab mir in vielen meiner Kritikpunkte recht; inzwischen ist mir auch der verbesserte Arbeitsvertrag vorgelegt worden. Außerdem versicherte der Hauptabteilungsleiter mir, daß ich trotz der Sparmaßnahmen (Stellenabbau) im Unternehmen keine Sorge um meine Anstellung zu haben brauche, da der Bereich nicht direkt betroffen wäre.

Aufgrund des geführten Gesprächs, das mir wieder Perspektiven für die Zukunft gab, bin ich nun gar nicht mehr so sicher, überhaupt das Unternehmen verlassen zu wollen. Zumal ich die Hoffnung habe, mit meinem Abteilungsleiter doch noch ein gutes Arbeitsverhältnis aufbauen zu können. Meine Fragen:

1. Der mir vorgelegte neue, bessere Arbeitsvertrag meines Unternehmens besitzt eine halbjährliche Kündigungsfrist zum Quartalsende. Wie kann ich diese Frist ändern, damit ich auch für andere Unternehmen weiter interessant bleibe? Ich möchte aber auch nicht, daß meine Vorgesetzten den Eindruck haben, ich wollte demnächst kündigen. Sind drei Monate ein fairer Kompromiß?

2. Wie wird mein Arbeitgeber reagieren, wenn meine Bewerbung Erfolg hat und ich in nächster Zeit wechsle? Hätte ich mir damit den Weg zurück für immer verbaut? Schließlich wäre ja der Grund für mein Gehen nicht „das Unternehmen“, sondern die Schwierigkeiten mit dem Abteilungsleiter.

3. Wenn ich jetzt nicht wechseln will: Wie und zu welchem Zeitpunkt sage ich das dem Empfänger meiner Bewerbung? Soll ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch annehmen? Selbstverständlich möchte ich dieses Unternehmen als potentiellen Arbeitgeber nicht verlieren.

Antwort:

Man muß, so eine zentrale Lebenserfahrung, nur Informationen haben, schon werden die Zusammenhänge klarer. Schön, daß Sie Ihren Lebenslauf beigefügt haben. Da wird die „Zeitbombe“, die Sie mit sich herumtragen, doch deutlich sichtbar. Wie viele andere Einsender auch, haben Sie gar nicht das Problem, das Sie in den Mittelpunkt Ihrer Frage stellen, sondern ein anderes, größeres:

Examen vor vier Jahren.

Danach die 1. berufliche Phase: ein dreiviertel Jahr eine aus heutiger Sicht total „artfremde“ (mildes Kopfschütteln hervorrufende) Tätigkeit.

Die 2. Phase: mehrmonatige Arbeitslosigkeit.

Die 3. Phase: eine mehrmonatige, noch viel artfremdere (extremes Kopfschütteln hervorrufende) Tätigkeit.

Die 4. Phase: Zwei Jahre in Abteilung A Ihres heutigen Arbeitgebers.

Die 5. Phase: ein paar Monate in Abteilung B Ihres heutigen Arbeitgebers.Man soll ja nichts öffentlich sagen, was religiös klingen könnte. Aber „um Gottes Willen“ ist inzwischen allgemeiner Sprachgebrauch: Sie brauchen, um Gottes Willen, einen Arbeitgeberwechsel so nötig wie einen Kropf. Wenn Sie jetzt einen neuen Job finden und dort geht es schief (es gibt überall „schwierige“ Abteilungsleiter), dann sind Sie „tot“ auf dem Arbeitsmarkt. Und der Tagesschausprecher sagt abends mit sorgenvollem Gesicht, die Arbeitslosenquote sei gestiegen.

Also bleiben Sie und kämpfen Sie um ein gutes Verhältnis mit Ihrem Vorgesetzten. Der muß mit Ihnen zufrieden sein, nicht so sehr Sie mit ihm. Der kann sich nämlich Ihre Kündigung leisten, Sie hingegen nicht.

Natürlich bekommen Sie dennoch eine Antwort auf die konkreten Fragen:

Zu 1: Die neue Kündigungsfrist wäre extrem lang und beeinträchtigte Ihren „Marktwert“ auf dem Arbeitsmarkt. Drei Monate wären deutlich besser. Aber: Das Unternehmen denkt nun einmal so, es wird Standardverträge haben und kaum mit sich handeln lassen. Sie wollten ja den „angepaßten“ neuen Vertrag, nun werden Sie die „Kröte“ wohl schlucken müssen. Das ist ein Übel, aber das kleinere.

Zu 2: Ja, der Weg zurück wäre mit größter Wahrscheinlichkeit verbaut. Das Unternehmen trennt nicht zwischen „der Arbeitgeber“ und „bloß dieser eine Chef“, Ärger ist Ärger.

Zu 3: Ziehen Sie die Bewerbung jetzt sofort (und freundlich-höflich) zurück – bevor man Sie eingeladen oder Ihnen abgesagt hat. Wenn Sie entsprechend meinem Ratschlag verfahren, können Sie dort in ein paar Jahren wieder anklopfen.

Kurzantwort:

Wer in seinem Arbeitsverhältnis ein Problem hat, sollte versuchen, es im Gesamtzusammenhang seines Lebenslaufes zu sehen. Was der eine locker wegsteckt, das kann den „vorbelasteten“ anderen glatt ruinieren.

Frage-Nr.: 1240
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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