Heiko Mell

Leerlauf zwischen Bachelor und Master

Frage 1:

Sehr geehrter Herr Dr. Meling, …

Antwort 1:

Bei manchen Einsendungen stellt sich schon die Frage, ob man für diesen Einsender überhaupt etwas tun kann. Mal versteht man das Problem nicht so recht, dann wieder ist der Karren ganz offensichtlich bereits endgültig an die Wand gefahren worden. Das alles gilt hier nicht. Ohne jeden Zweifel kann ich eine vielleicht entscheidende Hilfestellung geben:

MACHEN SIE DAS NIE WIEDER! Schreiben Sie notfalls „Maschine“ mit „ie“ oder „Ingenieur“ mit „ö“, aber schreiben Sie niemals (absolut nie) den Namen einer Person falsch, von der Sie etwas wollen.

So, geehrter Einsender, ich hoffe, das bleibt Ihnen im Gedächtnis – und zwar für den Rest Ihres Berufslebens (das noch gar nicht so recht begonnen hat).

Hintergrund dieser eindringlichen Ermahnung ist die Erfahrung, dass ein derart mit Missachtung überzogener Mensch (so sieht er es) keine große Lust mehr hat, sich Ihres Anliegens anzunehmen. Und Sie wundern sich dann über einen ablehnenden Bescheid oder über eine ausbleibende Antwort. Oder auch: So etwas gilt als Beleidigung mittlerer Größe.

Und bevor Sie vielleicht darauf hinweisen, so schlimm könne das alles gar nicht sein, denn ich hätte (siehe Frage 2) ja Ihren Brief dennoch abgedruckt: Ich nehme gern ein schlechtes Beispiel zum Anlass einer Darstellung, mit der ich – noch – nicht betroffenen Lesern helfen kann. Andere Adressaten solcher Briefe würden den Papierkorb als Ablage wählen.

Frage 2:

Ich schließe in Kürze mein Bachelor-Studium (Maschinenbau) ab. Danach möchte ich die Branche wechseln. Der Masterstudiengang Produktionstechnik wird zeitlich nur so angeboten, dass ich dazwischen ein halbes Jahr „Leerlauf“ haben werde. Ich habe für diese Zeit als Überbrückung gedacht an: ein Praktikum nahe der Studienrichtung des Masters, Arbeit im Lehrberuf Industriemechaniker, Produktionshelfer, freiwilliger Wehrdienst, Auslandsaufenthalt (Verbesserung meiner Sprachkenntnisse).

Antwort 2:

Ich glaube, Sie verwechseln „Branche“ mit „Fachrichtung“. Erstere gilt nur für Unternehmen und ihre Ausrichtung auf ein Produktspektrum. Und: „Produktionstechnik“ passt zu einem Basisstudium des Maschinenbaus, man wird da keinen dramatischen Wechsel erkennen, sondern darin eine logische „Krönung“ Ihre Ausbildung sehen.

Das Praktikum (wenn es denn zu bekommen ist) und auch der sprachfördernde Auslandsaufenthalt sind uneingeschränkt empfehlenswert. Die praktische Arbeit im Lehrberuf schadet nicht, bringt Sie aber nicht weiter. Die Tätigkeit als Produktionshelfer halte ich für sinnlos (bringt aber etwas Geld), der Wehrdienst (geht so etwas überhaupt?) wird vermutlich später bei Bewerbungsempfängern mehr fragend hochgezogene Augenbrauen als Begeisterung auslösen.

Schön, dass Sie in jedem Fall ein Nichtstun/Herumgammeln für sich ausschließen.

Und: In zehn bis zwanzig Jahren werden Sie erkennen, dass ich Ihnen mit „Antwort 1“ deutlich mehr geholfen habe als mit Nr. 2.

 

Hinweis: Praktika und Werkstudententätigkeiten finden Sie in unserer Praktikabörse auf ingenieur.de

 

Frage-Nr.: 2.990
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 4-5
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2019-01-25

 

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Dortmund, Kongresszentrum Westfalenhallen 15. März 2019

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Dortmund, Kongresszentrum Westfalenhallen 13. September 2019

 

Von Heiko Mell

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