Unterschiedliche Leistungsbewertungen der Unis

Mein TH-Studium liegt schon lange zurück. Aber ich habe einen Enkel. Er studiert Elektrotechnik an einer Universität. In diesem Zusammenhang haben sich Fragen mit den unterschiedlichen Leistungsbewertungen der Universitäten ergeben. Die Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates hat 2012 einen Bericht veröffentlicht mit dem Titel „Prüfungsnoten an Hochschulen im Prüfungsjahr 2010“. Danach liegt der Notenunterschied zwischen der am besten und der am schlechtesten bewertenden Universität in der Fachrichtung Elektrotechnik bei 1,1! Bei den Abschlüssen an Fachhochschulen sind die Unterschiede noch viel ausgeprägter. 1. Sind die Personalverantwortlichen der Firmen über die doch deutlich unterschiedliche Bewertung informiert? 2. Gibt es dabei einen Unterschied zwischen Konzernen und mittelständischen Firmen? 3. Gibt es eine Möglichkeit, in einer Bewerbung darauf hinzuweisen, dass man an einer „streng bewertenden“ Universität studiert hat?

Antwort:

Im Gegensatz zur Praxis in vielen angelsächsisch orientierten Ländern gibt es in Deutschland generell und offiziell keine so dramatischen Unterschiede in der Bewertung eines Hochschulabschlusses bei identischen Noten in Abhängigkeit vom Namen der Bildungsstätte. Bei uns dominiert die Tatsache, dass man z. B. „Dipl.-Ing. TU der Elektrotechnik mit einer Note von 2,1“ ist, deutlich gegenüber der Frage, wo man seinen Abschluss gemacht hat.Das gilt ziemlich uneingeschränkt für die mittelständischen Unternehmen. Für Konzerne gilt es ebenso uneingeschränkt so etwa ab drei Jahren nach Studienabschuss – dann beginnt die steigende berufliche Praxis die Bedeutung von Studiendetails zu überlagern.Bei Konzernen, die viele Berufseinsteiger einstellen und eigene Personalspezialisten dafür haben („Hochschulmarketing“) ist es denkbar, dass man dort mit den Absolventen bestimmter Hochschulen besondere Erfahrungen macht, dass man sich mit den Details wie mit dem von Ihnen erwähnten Bericht beschäftigt und die frischgebackenen Absolventen bestimmter Institutionen lieber oder weniger gern nimmt. Aber längst nicht alle Konzerne handeln nach identischen Maßstäben!Überall (in Konzernen wie im Mittelstand) ist es möglich, dass der betriebliche Entscheider persönliche Bezüge bewusst oder unbewusst einfließen lässt: Wo er studiert hat, wo seine Kinder gerade studieren etc., das kann durchaus dem Bewerber nützen oder im anderen Fall auch schaden.Was es kaum gibt, ist „Rabatt“ auf eine schwache Note wegen „strenger Uni“. So etwas gilt als Ausrede. Wenn Absolventen von der Hochschule XY „gern genommen“ werden, dann sucht man unter denen auch wieder die mit den besseren Noten zuerst aus.Damit sind Ihre Fragen 1. und 2. beantwortet, für 3. gilt: eher nein, ich rate von dem Versuch ab.Bitte berücksichtigen Sie auch die Schwächen eines solchen Uni-Vergleichs: Vielleicht zieht die eine Hochschule leistungsstärkere Studenten an oder hat Professoren, die den Stoff effizienter vermitteln oder motiviert ihre Studenten besser oder gestaltet nur die Prüfung abschlussfreundlicher?Wer eine Hochschule besucht, sollte bestrebt sein, sie mit einem Examen „gut oder besser“ zu verlassen. Wer sich dabei eine vermeintlich strenger urteilende Elite-Uni aussucht, legt sich die Latte selbst ein wenig höher. Tapfer, der junge Mensch. Aber drüber springen muss er dann schon.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2882
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2017-05-11

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