Heiko Mell

Master oder besser nicht?

Nach meiner schulischen Ausbildung habe ich bei einem Unternehmen ein spezielles Ausbildungsprogramm erfolgreich absolviert (Industriemechaniker mit 1,2 und FH-Bachelor Maschinenbau mit 1,2). Schon beim Abschluss vor etwa zwei Jahren stellte sich die Frage nach einem zusätzlichen Master-Studium.Allerdings bot mir damals mein Ausbildungsunternehmen eine Stelle in meiner Wunschabteilung zum Master-Einstiegsgehalt an, die ich annahm.

Ich arbeite dort, habe ein vielschichtiges Aufgabengebiet in der Entwicklung, mein Vorgesetzter bot mir auch noch die Möglichkeit zu einer fachlichen Zusatzqualifikation, die ich inzwischen abgeschlossen habe.

Nun stellt sich mir die Frage, ob ich für meine berufliche Zukunft doch noch ein Master-Studium benötige oder ob meine Weiterbildung und meine bisherige Berufserfahrung für eine solide Karriere ausreichen? Kann ich heute mit Ingenieuren mithalten, die einen Master-Abschluss haben? Ich befürchte, dass mir mein derzeitiger akademischer Grad irgendwann Grenzen aufzeigen könnte, z. B. auch bei Bewerbungen.

Ich könnte auch den MBA in Teilzeit erwerben. Diese Ausbildung ist jedoch sehr kostspielig und bringt mir für meine aktuelle Tätigkeit nicht unbedingt DEN Nutzen. Wieviel Zeit darf nach dem Master-Abschluss verstreichen, bis man eine Anstellung antritt, die zu dieser Zusatzqualifikation passt? Und passt dieses Zusatzstudium in meinen aktuellen Werdegang?

Antwort:

Nur ganz kurz zum Hintergrund von Fragen wie dieser: Die Verunsicherung auf diesem Gebiet liegt daran, dass wir jahrzehntelang mit einem System aufgewachsen sind, das – um es vorsichtshalber einmal wertfrei zu formulieren – völlig anders aufgebaut war. Alle etwas älteren Menschen wie Eltern, erfahrene Kollegen, Vorgesetzte etc. sind von diesem anderen Studienaufbau geprägt und müssen, wenn sie in Bachelor/Master denken sollen, erst einmal „umrechnen“. Das wiederum scheitert oft daran, dass man Äpfel schlecht auf Birnen umrechnen kann.

Hauptunterschied ist, dass der Master auf dem Bachelor aufbaut und dass der Bachelor theoretisch einfach weiterstudieren kann. Der Bachelor hat gegenüber dem Master viel mehr vom kleinen Abschluss gegenüber dem großen der gleichen Richtung als der frühere Dipl.-Ing. FH gegenüber dem Dipl.-Ing. univ./TH/TU hatte. Der Dipl.-Ing. FH war eine eigenständige Qualifikation, in sich abgeschlossen, bei ihm stellte sich die „automatische“ Frage nach einer Weiterführung auf die nächste Qualifikationsebene nicht.

 

Fazit – und damit beim Kern angekommen -:

Der Dipl.-Ing. FH mit 1,2 war eben ein Top-Absolvent einer ziemlich eigenständigen Ausbildungsrichtung. Er hatte die Chance, es damit besonders weit zu bringen – aber die Frage nach einer Weiterführung seines Ursprungsstudiums stellte sich in dieser Dringlichkeit nicht, ein Weiterstudieren war nicht im System vorgesehen.

Und wenn man so will (ich gehöre selbst dazu): Der Dipl.-Ing. (FH) stand nicht genau unter der nächsten Stufe des Dipl.-Ing. univ./TH/TU, sondern er wurde mit seinen anderen Ausbildungselementen, die der Uni-Absolvent z. T. gar nicht hatte, auf einer Parallel-Schiene, wenn auch im wissenschaftlichen Niveau etwas „tiefer“ gesehen.

Heute stellt sich der Bachelor die logische Frage: aufhören oder weitermachen. Denn der Master steht genau über ihm, nicht irgendwie seitlich verschoben. Irgendjemand muss sich dabei etwas gedacht haben.

 

Also: Ihre Gedanken sind zunächst einmal absolut berechtigt.Meine hier schon einmal geäußerte Meinung dazu: Ein Bachelor mit Einser-Abschluss müsste zum Master weitermachen, es sei denn, er hätte spezifische Gründe dagegen.

Ein Bachelor mit Zweier-Abschluss sollte ernsthaft über das Weitermachen nachdenken; es kommt auf seine beruflichen Ziele und Vorstellungen über das Berufsleben an.

Ein Bachelor mit Dreier-Abschluss sollte es damit genug sein lassen. Er müsste schon sehr sicher sein, im weiterführenden Studium plötzlich mehr leisten zu können als bisher. Das ist gar nicht so einfach, denn grundsätzlich ist ein Mensch recht durchgängig durch viele Ausbildungs- und Berufsphasen das, was er nun einmal ist. Siehe, geehrter Einsender, Ihre deckungsgleichen Abschlüsse in der Lehre und beim Bachelor-Studium. Sie werden mit hoher Sicherheit auch einen Master noch mindestens mit gutem Abschluss machen. Und es wäre doch schade darum, das gekonnt, es aber nie realisiert zu haben (Sie kennen das von mir vertretene Prinzip „aus sich herausholen, was drinsteckt“).

Aber das war nur Geplänkel auf sachlicher Grundlage. Jetzt kommen die Emotionen! Sie überlegen, Sie zweifeln, Sie befürchten – alles auf der Basis „ich könnte, es steckt drin, ich müsste es nur hervorbringen“. Und ich habe eine wenig erheiternde Aussage für Sie: Das werden Sie nie wieder los.

Und es kommt noch schlimmer: Verzichten Sie auf den jetzt intensiv angedachten Master, dann werden Sie „bis in alle Ewigkeit“ nahezu jede der unvermeidbaren beruflichen Niederlagen, Zurückweisungen bei Bewerbungen etc. auf diese fehlende Qualifikationsstufe zurückführen.

Also müssen Sie den nächsten Schritt auch noch gehen. Ich würde allerdings in Ihrem Fall weniger für den MBA, sondern mehr für den Maschinenbau plädieren. Sie sind in der Entwicklung, da passt das gut hin (der MBA schadet absolut nicht, aber der Maschinenbau-Master könnte zunächst mehr „bringen“).

Ich sage übrigens: Dieser Master wäre gut für Sie und Ihr zukünftiges Seelenheil. Es könnte sein, dass Ihr Vorgesetzter es ganz gern hätte, Sie würden einfach Ihren heutigen Job weitermachen und nicht Unruhe in seine Welt hineinbringen. Denn die derzeitige Tätigkeit beherrschen Sie ja anscheinend.

Sie formulieren selbst, für Ihren derzeitigen Aufgabenbereich brächte ein Master nicht unbedingt großen Nutzen. Und dann fragen Sie noch – etwas besorgt, wie es scheint -, wann Sie denn Ihren geliebten heutigen Job aufgeben müssten, wenn Sie den Master erreicht hätten. Da habe ich einen speziellen Trost für Sie: Sie müssen ihn nicht aufgeben, Sie werden das wollen, kompromisslos und unbedingt. Und zwar an dem Tag, an dem man Ihnen das Master-Diplom aushändigt.

Ein frischgebackener Master will keinesfalls den alten Job weitermachen, der auf einen Bachelor zugeschnitten war. Irgendwie muss sich doch die Quälerei mit dem Zusatzstudium lohnen. Konkret: Der bisherige Job würde Ihnen nicht mehr gefallen. Das hat mehr mit Ihren Gefühlen als mit sachlichen Gegebenheiten zu tun, gilt aber als unabwendbar.

Übrigens dürfte das auch Ihr Vorgesetzter wissen – und er sieht entsprechende Probleme auf sich zukommen. Wundern Sie sich also nicht, wenn er die rechte Begeisterung für Ihr Master-Projekt vermissen ließe. Man könnte das verstehen: Er ist nicht für Ihr Seelenheil in den nächsten dreißig Jahren verantwortlich, er muss bestimmte Aufgaben hier und jetzt lösen. Und da könnte ihm Ihr Vorhaben mehr Ärger bereiten als nutzen.

 

Abschließend: In der Tätigkeit, die Sie so kurz nach dem Studium ausüben, wollen Sie doch ohnehin nicht pensioniert werden. Wehren Sie sich also gar nicht erst gegen Veränderungen.

Kurzantwort:

Ein Bachelor mit Einser-Examen, der befürchtet, er könnte ohne Master-Abschluss später Nachteile haben, sollte unbedingt weiterstudieren. Sonst wird bei ihm der fehlende Master eines Tages zur alles beherrschenden „fixen Idee“.

Frage-Nr.: 2660
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 50
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-12-12

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