Heiko Mell

Besseres Englisch oder kürzeres Studium

Frage/1: … und hoffe das Sie mir …

Frage/2: Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen an einer FH und werde im kommenden Jahr den Abschluss (Master) in der Regelstudienzeit erlangen.

Meine größte Sorge im Hinblick auf das spätere Berufsleben sind meine Englischkenntnisse. Diese liegen unter dem durchschnittlichen Kursniveau meiner Kommilitonen, zudem weiß ich auch unabhängig davon, dass ich auf diesem Gebiet Defizite habe.
Also überlege ich, ein Auslandssemester in England zu absolvieren. Dies würde allerdings eine Verlängerung meines Studiums bedeuten, ich könnte die Regelstudienzeit nicht einhalten.

1. Was raten Sie mir? Ist das Einhalten der Regelstudienzeit oder sind sehr gute Englischkenntnisse mehr wert für meinen beruflichen Werdegang?
2. Wie sieht ein Unternehmen einen Kandidaten, bei dem bis auf die Englischkenntnisse alles passt? Scheidet er aus oder wird er betriebsintern im Bereich Englisch fit gemacht?

Antwort:

Antwort/1: Ich kann und will. Aber Sie zahlen einen Preis, indem Sie sich Kritik bei allzu schlimmen sprachlichen Fehlern gefallen lassen müssen.

Die Geschichte mit „das/dass“ ist eine schier endlose. Die von Ihnen gewählte Version ist falsch und verursacht dem kundigen Leser Bauchschmerzen. Ich wiederhole meine Warnung: Viele (nicht alle!) Chefs kommen tatsächlich recht gut mit der deutschen Sprache zurecht und „zucken“ regelrecht, wenn sie so etwas lesen. Dieser Fehler in einer wichtigen Präsentation, in einer persönlichen Nachricht an einen ranghohen Vorgesetzten oder an einen wichtigen Kunden kann Sie erfolgsentscheidendes Wohlwollen kosten.

Ganz deutlich gesagt, es wirkt auf Kundige ungebildet.Hier muss es also klar heißen: „… und hoffe, dass Sie mir …“Da dieser Fehler recht häufig vorkommt, hier der Versuch, wenigstens ein Regelfragment für die wichtigsten Fälle aufzustellen:

a) „Dass“ muss immer dann stehen, wenn „das“ nicht passt.

b) „Das“ steht als Artikel (das Kind); man könnte sprachlich richtig (sachlich nicht ganz) auch „ein“ Kind sagen.

c) „Das“ steht als Relativpronomen (Das Kind, das rote Haare hatte); hier kann man „das“ recht gut durch „welches“ ersetzen.

d) „Das“ steht als Demonstrativpronomen (Das kommt keinesfalls infrage). So schwer ist auch das nicht, denn man kann „das“ ziemlich gut durch „dieses“ ersetzen.

e) Als grobe Kurzregel daraus: Wenn Ersatzwörter wie „ein“, „welches“ oder „dieses“ nicht möglich sind, heißt es „dass“. Letzteres ist praktisch nicht durch ein anderes Wort ersetzbar.

f) Und jetzt als krönenden Abschluss ein Zitat von mir aus dieser Serie. Es gefällt mir heute immer noch, und ich kann es Ihnen unmöglich vorenthalten. Am 23. Januar 2009 schrieb ich in der Antwort auf Frage 2.284 („Die das-dass-Rechtschreibkultur“): „… hier die Krönung (aber noch einfacher sollte man bei der Zielgruppe ‚Deutsche Akademiker“ denn doch nicht werden:

WENNS ANDERS NICHT GEHT,DANN DOPPEL-S STEHT.

Beachten Sie bitte auch das ausgesuchte Versmaß. Und es reimt sich.“ Ende des Zitats.Ich widme dem so viel Raum, weil Ihr Hauptthema auch „Sprache“ lautet, diesmal jedoch eine fremde. Und zur Vorsicht noch einmal für meine Kritiker: Es geht nicht darum, ob ich etwa auch Fehler mache; mein Ziel ist es, dass Sie keine machen (mir ist eh kaum noch zu helfen).

 

Antwort/2: Nachdem ich im ersten Teil der Antwort damit angefangen habe, muss ich jetzt auch so weitermachen. Denn diese Aussage ist mindestens so wichtig wie der Reim zu „dass“:

FLIESSENDES ENGLISCH IN WORT UND SCHRIFT IST UNVERZICHTBAR.

Das gilt eigentlich für alle akademisch gebildeten Angestellten, sogar für die älteren. Und auch für diejenigen, die heute warm und trocken in einer deutschen Firma sitzen, nichts mit dem Ausland zu tun haben und das auch so beibehalten wollen. Aber dann wird ihr Unternehmen verkauft, etwa von einem amerikanischen Konzern erworben – und schon ist die offizielle Geschäftssprache Englisch. Amerikanische und japanische Firmen neigen dazu, in ihre deutschen Töchter Führungskräfte zu entsenden, die kein Wort Deutsch sprechen (und die natürlich nur solche Mitarbeiter gebrauchen können, die Englisch sprechen).

Für (künftige) Berufseinsteiger aber gilt praktisch zu 100%: Ohne fließendes Englisch kommen Sie nicht die nächsten 40 Jahre durch Ihr Berufsleben. Ob Sie nach Moskau geschickt werden, um ein technisches Problem zu lösen oder nach China, um eine Produktion aufzubauen, ob Sie in einer deutschen(!) Firmengruppe an international besetzten „Meetings“ teilnehmen oder eine Präsentation gestalten müssen, die auch für die Leiter der Auslandstöchter gedacht ist: Ohne Englisch geht es nicht! Und wenn es die ersten fünf Jahre dennoch geht, dann die folgenden 35 nicht.

Die Organigramme klassischer deutscher(!) Konzerne liegen z. T. nur noch in Englisch vor, die Stellenbeschreibungen sind in dieser Sprache verfasst, und zumindest kurze Dienstreisen an jeden halbwegs zivilisierten Ort der Welt sind immer möglich.

Zum Grad der Kenntnisse: Perfektion wird nicht verlangt – und (siehe oben) meist ja nicht einmal in der Muttersprache geboten. Ein deutscher Restakzent ist nicht schlimm, gelegentliche kleine Fehler sind auch nicht schlimm, sondern unvermeidlich, Sie werden ja nicht vereidigter Übersetzer werden wollen.

Aber: Sie sollten Muttersprachler problemlos verstehen – auch am Telefon -, jeden beruflich relevanten Text lesen und erfassen können, Sie sollten sowohl eine unverbindliche Plauderei (Small Talk) als auch ein beruflich relevantes Gespräch problemlos führen und geschäftliche Briefe/E-Mails schreiben können.

Und seien Sie versichert: Mehr als 50% der Leute, die in Bewerbungen schreiben „Englisch gut“, können das alles nicht.

Für Sie gilt also unter allen Umständen: Englisch ist wichtiger als die „Erbsenzählerei“ bei der Semesterzahl. Vor allem aber: In siebzehn Jahren (Sie sind dann immer noch jung genug, um sich zu bewerben) weiß kein Mensch mehr, was heute für ein bestimmtes Studium „kurz“ oder „lang“ war – die Studienstruktur ist bis dahin mehrfach geändert worden, außerdem überstrahlt Ihr dann vorliegender Werdegang alle Details aus dem Studium weitgehend, aber ob Sie dann hinreichend gut Englisch sprechen, kann für einen Karrieresprung oder auch „nur“ für das berufliche Überleben erfolgsentscheidend sein. Und von der ausländischen Fachliteratur habe ich dabei noch gar nicht gesprochen.

 

Achtung: Ich sage damit nicht, die Studiendauer sei unwichtig. Es geht hier um das eine Semester als Preis für fließendes Englisch. Dieser Preis ist akzeptabel.

Und bei der Gelegenheit meine Empfehlung an ältere Leser: Nutzen Sie jede Gelegenheit (oder schaffen Sie eine solche), Ihr Englisch in die Nähe der umrissenen Idealvorstellung zu bringen. Es ist eine Art „beruflicher Lebensversicherung“ (wobei das Beispiel zwar einprägsam, aber falsch ist: Eine Lebensversicherung hilft überhaupt nicht gegen Todesgefahr, sie nützt im Falle eines Falles nur den Erben).

Soviel zu Frage Nr. 1.

 

Zu Nr. 2: Es kommt zunächst auf die Bedeutung der Englischkenntnisse in dieser Position an: Wenn es um einen internationalen Konzern und eine zumindest teilweise internationale Aufgabe geht, wird das schnell ein K. o-Kriterium (Sie wollen Betriebsingenieur im deutschen Werk eines internationalen Konzerns werden, der Chef ist Deutscher, aber ständig kommen „Oberchefs“ aus den USA, die sich informieren wollen und Anweisungen geben). Manchmal allerdings steht „Englisch“ ohne konkreten Bezug zum Job im Anforderungsprofil, „weil es bei uns automatisch immer dort steht – wir brauchen wegen unserer internationalen Strukturen überall Englisch“. Dann ist man eventuell toleranter.

Wenn ein suchendes Unternehmen Englisch fordert, dann ist es in der Regel nicht bereit, diese Sprachkenntnisse erst nach der Einstellung betriebsintern zu vermitteln. So wie es ja bei gesuchten, dem Bewerber aber fehlenden CAD- oder SAP-Kenntnissen auch nicht dazu bereit ist.

Für jetzt und für die Zukunft gilt: Englisch ist als Geschäftssprache schon heute fast überall unverzichtbar; im Zuge der weiter steigenden Internationalisierung und Globalisierung wird die Forderung nach Englischkenntnissen weiter steigen (ein Volk, das u. a. den eigentlich dämlichen, wenn auch genial „erfundenen“ Begriff „Handy“ kollektiv angenommen hat, sollte damit eigentlich keine Schwierigkeiten haben). Vom Schüleraustausch über Auslandssemester und -praktika bis zum Besuch englischsprachiger Vorlesungen und zu gezielten Sprachurlauben kann alles pauschal empfohlen werden.

Kurzantwort:

1. „Das“ und „dass“ jeweils falsch zu gebrauchen, wirkt auf durchschnittlich gebildete Menschen (Chefs) recht negativ.

2. Ohne gutes Englisch geht es nicht (mehr). Von früher Kindheit an sollte jede Gelegenheit zum Erwerb entsprechender Sprachkenntnisse konsequent genutzt werden.

Frage-Nr.: 2553
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 16
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-04-19

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