Heiko Mell

Was tun während halbjähriger Pause?

Ich (m, 23) befinde mich kurz vor meinem letzten Semester im Bachelor-Studiengang Elektro- und Informationstechnik an einer FH. Da mich meine gewählte Fachrichtung sehr interessiert, würde ich diese gern weiter vertiefen und den Master an einer Universität machen.

Der „Haken“ an der Sache ist: An meiner „Traum-Uni“ ist ein Studienbeginn erst zum übernächsten Semester möglich. Momentan plane ich, die dazwischen liegende Zeit (etwa sechs Monate) mit einem freiwilligen Dienst in der Bundeswehr zu überbrücken.

1. Was raten Sie, wenn ein halbes Jahr zwischen Bachelor und Master zu überbrücken ist?

2. Wie „macht“ sich ein freiwilliger Wehrdienst in den zukünftigen Bewerbungen?

3. Bei meinem Berufseinstieg werde ich dann voraussichtlich 26 Jahre alt sein. Wie wirkt sich das auf den Berufseinstieg aus?

Antwort:

Vorsichtshalber weise ich noch einmal darauf hin, dass dies keine Studienberatung sein kann und will. Ich kann nur auf solche Fragen eingehen, die aus Sicht der späteren Praxis eine Rolle spielen. Das ist hier der Fall.Für Ihre Situation gilt: Nutzen Sie die Zwangspause möglichst so, dass sie Ihnen beim späteren Berufseinstieg bzw. während der späteren Berufsausübung möglichst viel „bringt“.

Damit sind an erster Stelle zu nennen: Praktika, Praktika, Praktika. Wenn Sie schon ungefähr wissen, wo Sie später hinwollen, umso besser: Versuchen Sie, für die ganze Zeit oder einen wesentlichen Teil davon ein Unternehmen des bevorzugten Typs (Branche, Größe) zu gewinnen und dort eine Tätigkeit in der Nähe des später gewünschten Einsatzgebiets zu bekommen. Dann haben Sie nicht nur später bei Bewerbungen einen Vorteil, häufig nutzen Unternehmen ihrerseits die Praktika, um schon früh Kontakte zu späteren Mitarbeitern zu knüpfen.

Und wenn Sie von Ihrer späteren Berufstätigkeit noch keine rechte Vorstellung haben, dann nutzen Sie die Zeit, um in zwei oder drei Praktika unterschiedliche Unternehmen und Tätigkeiten kennenzulernen. Das erleichtert Ihnen dann die fällig werdende Festlegung.

Selbst ein Praktikum in einer aus späterer Sicht „falschen“ Firma und im „falschen“ Tätigkeitsgebiet ist besser als keines. „Hat er schon einmal in die Praxis hineingerochen, und wie hat er sich bewährt?“, das sind später die entscheidenden Fragen.Achtung: Formal sind Sie in jenem halben Jahr dann fertig ausgebildeter Bachelor. Die Unternehmen haben aber generell für fertige Ingenieure keine auf wenige Monate ausgelegten Jobs, da dauert ja die Mindest-Einarbeitungszeit doppelt so lange. Am besten kommen Sie zurecht, wenn beide Parteien (Sie und die Unternehmen) Sie weniger als Bachelor-Ingenieur, sondern als Master-Student sehen. Für Leute wie Sie ist ja praktisch das ganze Bachelor-Studium lediglich Teil der angestrebten Master-Ausbildung. Es kommt nicht darauf an, ob das formal und verwaltungstechnisch so ist – der Industrie wird es bei Ihren Bewerbungen um einen Praktikumsplatz einleuchten.

An zweiter Stelle wäre zu nennen: Erwerb nützlicher berufsrelevanter Spezialqualifikationen – vom Intensivsprachkurs in Englisch bis zum CAD-Lehrgang oder was immer einigeraßen zu Ihrem späteren Thema passt.

Damit ist Frage 1 erledigt.

 

Zu 2: Einen Vorteil bei Bewerbungen dürfen Sie von der kurzen Bundeswehrzeit nicht erwarten. Sie könnten allerdings für Sie wertvolle Erfahrungen sammeln und vielleicht an Persönlichkeitsreife gewinnen. Aber es gilt eben auch: Sehr, sehr viele insbesondere der jüngeren Entscheidungsträger in der Wirtschaft haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten bereits Zivil- statt Wehrdienst geleistet, geben also einer Bundeswehrzeit keine „Extra-Punkte“.

 

Zu 3: 26 Jahre als Berufseinstiegsalter sind grundsätzlich unproblematisch. Das entspricht so in etwa dem Einstiegsalter der früheren Dipl.-Ing. (univ.). Wenn Sie dann noch gute Noten und interessante Praktika vorweisen können, ist alles in Ordnung.

Kurzantwort:

Ergibt sich aus „technischen Gründen“ eine mehrmonatige Zwangspause im Studium, so kann es niemals schaden, diese für Praktika oder ähnlichen Praxiskontakt zu nutzen.

Frage-Nr.: 2535
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 3
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-01-19

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