Heiko Mell

Lohnt sich in Ingenieurwissenschaften eine Promotion?

Lohnt sich in Ingenieurwissenschaften eine Promotion?

Antwort:

Ja, nein, vielleicht, weiß nicht – das alles ist denkbar und stimmt auch jeweils in bestimmten Situationen.

Seit Beginn dieser Serie zieht sich diese Frage als die wohl am häufigsten gestellte durch unsere Beiträge. Um hier erschöpfend zu antworten, brauchte ich mehr als den Platz, der mir in einer Woche zur Verfügung steht. Es gibt so unendlich viele Facetten dieses Themas – von Sachargumenten über Aspekte der Persönlichkeitsformung bis hin zu menschlicher Eitelkeit. Und es ist abhängig vom Umfeld, in das Sie beruflich geraten.

Ich will an ein paar willkürlich ausgewählten Beispielen die Extreme zeigen, die hier eine Rolle spielen können:

– Wenn Sie ein Uni-Diplom mit „sehr gut“ oder „Auszeichnung“ haben, bietet sich die Promotion schon von daher sehr stark an, sie ist fast Standard;

– wenn Sie mit 40 vom Industriealltag genug haben und gerne FH-Professor werden möchten, würden Sie vermutlich an der fehlenden Promotion scheitern;

– wenn Sie sich mit 45 um eine Position bewerben, in deren Anforderungsprofil es heißt „Dipl.-Ing. oder vergleichbare Ausbildung“ (damit sind z. B. Techniker gemeint) haben Sie als Dipl.-Ing. (univ.) eine Chance, als Dr.-Ing. gälten Sie als überqualifiziert;

– in den drei großen deutschen Automobilkonzernen ist jeweils die Mehrheit der Vorstandsmitglieder promoviert; natürlich beweist das nichts, aber ein Indiz ist es schon;

– bewährt hat sich die Empfehlung: Stellen Sie sich ganz allein vor den Spiegel und fragen Sie sich, ob Sie gern „Dr. Müller“ wären, dann handeln Sie entsprechend.

 

Zuletzt will ich noch einen anderen Ansatz versuchen, indem ich Ihre (im Original tatsächlich so kurze) Frage analysiere: Sie fragen unengagiert, emotionslos, brutal sachlich; Ihr „Lohnt sich …“ lässt sich materiell definieren. Da schwingt nichts mit von Freude an wissenschaftlich vertiefter Arbeit, vom Forschen an komplexen technischen Zusammenhängen auf einem Spezialgebiet, das klingt so sehr nach „verdiene ich da mehr Geld, werde ich schneller befördert?“, dass ich mir in Ihrem Falle(!) die Empfehlung erlaube: Lassen Sie es, „rechnen“ wird es sich in der Regel nicht.

So, jetzt habe ich nur noch ein Problem mit den erwähnten Automobilkonzernen. Die würden natürlich leugnen, dass die Promotion Einfluss auf die Beförderung in den Vorstand gehabt hätte. Und das würde – trotz der Statistik – sogar stimmen. Denn in den Vorstand gebracht hat diese Menschen nicht der Dr.-Grad, sondern ihre Persönlichkeit. Die hatten sie ansatzweise schon als Student: vorn/oben sein wollen, angetreten um zu siegen, um die Dinge nach vorn zu bringen. Eine gewisse – ich sage das, nicht die Betroffenen selbst behaupten das – Elite eben. Und wenn man so denkt und später in den Vorstand strebt (man wird eher nicht „so nebenbei“ dorthin befördert), dann strebt man oft auch schon auf der Uni nach dem höchsten (wissenschaftlichen) Status, der dort zu haben ist.

Und die nichtpromovierten Vorstandsmitglieder? Sind grundsätzlich aus gleichem Holz, haben sich aber damals aus irgendwelchen Gründen anders entschieden. Was bedeutet: Grundsätzlich kann ein junger Akademiker heute „alles“ erreichen. Vorausgesetzt, er hat den Willen dazu und die passende Persönlichkeit. Die Promotion mag die Scharniere mancher Tür, durch die man muss, ein wenig ölen. Und für Positionen in F&E wird sie sehr gern genommen, ist sie oft zwingend.

Kurzantwort:

Nein, „lohnen“ im materiellen Sinne wird sich eine Promotion wohl nicht, aber bereut hat den entsprechenden Weg auch noch kein Dr.-Ing., den ich kennengelernt habe.

Frage-Nr.: 2522
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-11-18

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