Heiko Mell

Der Studiengang enttäuschte

Ich bin Anfang 30, ledig und flexibel. Nach der Schule absolvierte ich eine handwerkliche Ausbildung (Heizung / Klima / Sanitär). Anschließend machte ich das Fachabitur, um das Studium der Versorgungstechnik aufnehmen zu können. Diese Studienwahl erschien mir als weiterer logischer Schritt auf dem Weg zu meinem Ziel, dem Vertriebsingenieur.

Leider haben sich meine Erwartungen an dieses Studium nicht erfüllt. Als dann die FH in … den Studiengang Transport- und Logistikmanagement einführte (der mit einem Dipl.-Kaufmann FH) abschließt, wechselte ich dorthin. …

Antwort:

Das hat geklappt, aber Sie haben jetzt andere Probleme, deren Schilderung sehr aufwendig ist und viel Platz erfordert. Da Sie nun aber gar kein Ingenieur sind und damit die unter jedem Beitrag stehende Voraussetzung nicht erfüllen, sind mir die Hände gebunden.

Aber ich will den Anfang Ihrer Schilderung aufgreifen: Sie hatten eine (Lehr-)Ausbildung in einem bestimmten Beruf, haben später drei lange Jahre das darauf aufbauende Studium absolviert und ohne Abschluss „aus Enttäuschung“ abgebrochen. Über die konkreten Hintergründe dieser Entwicklung wissen wir nichts, aber:

Eine (Lehr-)Ausbildung und das dazu passende Studium stehen in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Das betrifft die Anforderungen an das Interesse des Kandidaten im Hinblick auf fachliche Details, an seine Lernbereitschaft, an die Fähigkeit, in diesem Fachgebiet in die Tiefe zu gehen etc. Sagen wir einmal, die Anforderungen des Studiums sind um den Faktor x höher. Oder einfacher: Wer eines Tages ein Studium einer Fachrichtung mit vorzeigbarem Ergebnis absolvieren will, der sollte die dazu passende Lehre „mit links“ absolvieren. Schließt er jedoch – wie Sie – die Lehre mit einer befriedigenden und einer ausreichenden Note ab (im Durchschnitt also 3,5), dann darf die spätere „Enttäuschung“ beim Studium keine Überraschung sein. Bevor mir Leser jetzt Beispielfälle einreichen, in denen trotz schlechter Ausbildungsabschlüsse ein vorzeigbares Studienresultat erreicht wurde: Ich bestreite ja nicht, dass es solche Fälle gibt.

Aber wenn nach einem Lehrabschluss mit 3,5 das passende Studium „enttäuscht“, darf sich der Student doch nicht wundern!

Kurzantwort:

Wer später einmal ein Fach studiert, sollte vorher nicht mit einem äußerst schwachen Lehrabschluss in diesem Fachgebiet „glänzen“, schließlich ist die Lehre sehr viel leichter.

Frage-Nr.: 2474
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-03-24

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