Heiko Mell

Bachelor/Master – die unendliche Geschichte

Für die Zukunft entstehen mit einem Universitätsbachelor, welcher ja erst für den wissenschaftlichen Master die Zugangsberechtigung ist, jede Menge „Fachidioten“, da ja längst nicht jeder in den Genuss des Masterstudiums kommt. Zum anderen bleibt die Frage offen, ob der FH-Bachelor genügend qualifiziert ist, um einen wissenschaftlichen Masterstudiengang zu beginnen.

Antwort:

Wir wollen uns einmal darauf einigen, hier ohne kraftvolle Schimpfworte auszukommen. Dies vor allem, wenn man über die jeweils „andere Fakultät“ spricht (Sie sind, wie aus anderer Stelle Ihres Briefes hervorgeht, FH-Mann).

In der Sache scheint „kein Mensch“ Antworten auf alle Fragen zu haben, die sich zu diesem Thema ergeben. Damit insbesondere junge Leute nicht unnötig falsche Methoden als Beispiele für eigenes Handeln nehmen, hier ein kurzer Hinweis darauf, wie man es richtig macht (Einführung Bachelor/Master):

Man nimmt sorgfältig den Ist-Zustand auf, plant noch sorgfältiger die Neuregelung (Bachelor/Master), spielt alle Varianten durch, spricht mit Fachleuten, korrigiert Fehler rechtzeitig und führt das Neue ein, wenn alle offenen Fragen geklärt sind. Dann gibt es in den ersten Monaten ein paar Anlaufschwierigkeiten, die bereinigt man, dann hat es sich. Ingenieure übrigens beherrschen diesen Prozess, der beispielsweise beim Serienanlauf eines neuen Automodells praktiziert wird. Ob sie niemand gefragt hat?

Zu den heute angesprochenen Detailproblemen:

1. Ich glaube nicht, dass der Uni-Bachelor eine eigenständige Zukunft hat. Er scheint mir aus der Sicht des Marktes nicht Fisch noch Fleisch zu sein. Ich sehe auch derzeit keinen Bedarf dafür bei den Unternehmen (es wird auch keinen eigenständigen Uni-Bachelor mit guten Noten geben!). Er ist Eingangsstufe für den Uni-Master, klar, auch ein Wechsel an die FH zum FH-Master scheint aus meiner Sicht eine sinnvolle Möglichkeit zu sein. Auch früher schon haben Studenten, denen ihr ausgewähltes Uni-Studium zu schwer wurde, mit Erfolg den Wechsel an die FH als Lösung gesehen.

Der Bachelor als eigenständiger, marktgängiger und auf Nachfrage treffender Abschluss scheint mir vorrangig als FH-Grad sinnvoll zu sein.

2. Ob der FH-Bachelor problemlos zum Uni-Master-Studium Zugang hat, weiß ich nicht. Aber eine gewisse Durchlässigkeit der Ausbildungssysteme zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bildungsgänge, warum dann nicht auch hier. Aus meiner – unmaßgeblichen – Sicht könnte ich mir eine Notenvorgabe („2 oder besser“) ebenso vorstellen wie einige vertiefende Grund-/Aufbaukurse beim Wechsel an die Uni. Ähnlich war es ja bisher auch, wenn ein FH-Dipl.-Ing. an der Uni weiterstudieren wollte. Und warum nicht die jeweilige Uni selbst entscheiden lassen, welche Seiteneinsteiger sie nimmt?

Frage-Nr.: 2352
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-09-24

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