Heiko Mell

Bachelor, Master u. k. E.

Würden Sie jemandem, der einen FH-Diplom-Studiengang absolviert hat, dazu raten, anschließend noch einen Master „draufzusetzen“ oder ist das weniger sinnvoll – bzw. unter welchen Voraussetzungen würden Sie dies empfehlen oder eher davon abraten?

Antwort:

Zunächst, dies schnell vorab, rate ich Ihnen dringend, die Namen von Personen, die etwas für Sie tun sollen, richtig zu schreiben. Sie müssen allein aus diesem Grund mit – für Sie unerklärlicher – Ablehnung rechnen. Das gilt insbesondere auch später im Berufsleben. Und ich heiße nun mal nicht „Moll“, versuche aber, Ihnen dennoch zu helfen.“U. k. E.“ steht übrigens für „und kein Ende“ – die Geschichte mit Bachelor und Master ist höchst unvollkommen auf den Weg gebracht worden und wird uns noch weiter beschäftigen. Vielleicht bis zur nächsten Reform der Ingenieurausbildung.Ich weiß ganz bestimmt nicht „alles“ darüber – wüsste aber auch nicht zu sagen, wer alle offenen Fragen beantworten könnte. Jedenfalls gestehe ich meine Informationslücken offen ein, fordere Mehrwisser zu Erläuterungen auf und will gerne dazulernen (sowie das dann wiederum weitergeben). Aber ich versichere Ihnen, dass zahlreiche Professoren, betroffene Studenten, Personalleiter und Personalreferenten in den Unternehmen auch ihre Probleme damit haben. Wir werden ständig gefragt – und sehen besonders in den Betrieben Ratlosigkeit.

Ich fasse einmal zusammen, was ich weiß (oder als gesichert zu wissen glaube), was ich denke und wo ich zweifle:

1. Die Umstellung auf Bachelor/Master ist politisch gewollt, verbindlich international vereinbart, wird u. a. vom VDI unterstützt, manche (größeren) Unternehmen sollen sie sogar gewollt haben – sie wird kommen. Diskussionen darüber, wie sinnvoll das alles ist, sind erlaubt, aber sinnlos.

2. Fachhochschulen und Universitäten (TU/TH) werden sowohl die Bachelor- als auch die Master-Abschlüsse anbieten.

3. Ob die Wirtschaft die jeweiligen gleich klingenden Abschlüsse von Fachhochschulen und Universitäten völlig gleichartig und gleichrangig sieht, ist offen. Ich bezweifle das. Vermutlich wird es später auch Jobs geben für den „Master (Uni)“ und solche für den „Master (FH)“. Andernfalls müsste gelten „FH = Uni“ – und wer das behauptet, müsste schon sehr großes Stehvermögen haben.

4. Sicher ist: Der „Master (Uni)“ (der offiziell nicht so geschrieben werden wird) ist gleichrangig dem bisherigen „Dipl.-Ing. (univ.)“.

5. Ziemlich sicher ist: Der „Bachelor (FH)“ (der ebenfalls offiziell nicht so geschrieben werden wird) ist praktisch gleichrangig dem bisherigen „Dipl.-Ing. (FH)“. Eigentlich war der Dipl.-Ing. (FH) eine Nuance „mehr“, das wird aber wohl untergehen. Manche Fachhochschulen (und Berufsakademien) schreiben heute bereits auf die Urkunden ihres Dipl.-Ing. (FH): „Das entspricht einem Bachelor of Engineering“.

6. Ein Universitätsstudium mit dem von Anfang an verfolgten Ziel, mit dem Bachelor aufzuhören, scheint mir nicht sinnvoll zu sein. Aber wer im Studium merkt, dass es, warum auch immer, zum Master nicht mehr reicht, hätte dann mehr in der Hand als er es früher als Studienabbrecher – z. B. nach dem Vorexamen – gehabt hätte.

7. Ich gehe einmal davon aus, dass von einer Uni künftig viele Master und einige Bachelors abgehen, während von einer FH viele Bachelors und einige Master ins Berufsleben entlassen werden. Dass alle FH-Absolventen Master werden, ist nicht Ziel der Reform.

8. Ich halte es für ziemlich problemarm, mit einem Bachelor (Uni) auf die FH zu wechseln und dort mit einem Master (FH) abzuschließen.

9. Ich würde nicht darauf setzen, dass es jederzeit problemlos möglich ist, mit einem Bachelor (FH) auf die Universität zu wechseln und dort den Master (Uni) zu erwerben. Die Universitäten könnten das nicht uneingeschränkt mögen, sie dürften Einstiegshürden errichten.

10. Der Master berechtigt generell zur Promotion, heißt es. Beim Master (Uni) sind keine Probleme erkennbar. Wie das beim Master (FH) aussehen wird, weiß ich noch nicht. Bekommt die FH eine Promotionsberechtigung (da bin ich skeptisch) oder muss der Master (FH) sich eine Uni suchen, die ihn promovieren lässt? Das kann ein schwieriger Weg werden.

 

Fazit: Wer von vornherein weiß, dass er promovieren will, wird mit einem kompletten Weg an der Universität nichts falsch machen, wie bisher auch.Und bitte lassen Sie mich noch einmal betonen: Ich bin kein Hochschulpolitiker und verfolge bei diesem Thema – wie eigentlich immer an dieser Stelle – keinerlei eigene Interessen. Was in diesen zehn Punkten steht, ist das Wissen, sind die Zweifel und offenen Fragen vieler betrieblicher Entscheidungsträger in Personalangelegenheiten.Auf dieser Basis zu Ihrer Frage, geehrter Ainsender (Ihren Namen kann ich nicht verhunzen, also nehme ich dazu Ihre serienübliche Anrede, rachsüchtig wie ich bin):

Mit Ihrem Bachelor (FH) erwerben Sie einen abgeschlossenen, marktgerechten, akademischen Grad, der Ihnen ebenso eine bis in höchste Ebenen reichende Laufbahn erschließt wie es der bisherige Dipl.-Ing. (FH) für frühere Generationen von Ingenieuren getan hat. Diesem Bachelor haftet, um auch das noch einmal zu sagen, nichts Zweitklassiges, nichts Halbfertiges, nichts Minderwertiges an. Es wird (eines Tages) massenhaft Stellenanzeigen geben, in denen genau dieser Abschluss gezielt gesucht wird; treffen Sie noch auf Anzeigen mit der Suche nach Dipl.-Ing. (FH), können Sie sich ohne Einschränkungen auch darauf melden und schreiben: „Mein Bachelor entspricht dem bisherigen Dipl.-Ing. (FH).“Es gibt also absolut keinen Zwang, keine Notwendigkeit und auch keine Standard-Empfehlung, den Master unbedingt dranzuhängen – es gibt in Ausnahmefällen die Möglichkeit, es zu tun, mehr nicht.

Als Versuch einer Entscheidungshilfe: Den zusätzlichen Master an der FH erwerben würde ich- unbedingt dann, wenn ich beim alten System vorgehabt hätte, anschließend an eine Universität zu wechseln und dort den Dipl.-Ing. (univ.) zu erwerben. Diesem Niveau kommt der Master (FH) in jedem Fall nahe oder er entspricht ihm sogar (das scheint noch nicht ganz geklärt zu sein);

– bei einem Bachelor-Abschluss mit 1,x zu 100 %;

– bei einem Bachelor-Abschluss mit 2,2 und besser zu 50 – 75 %;

– bei einem Bachelor-Abschluss mit 2,5 und schlechter eher nicht mehr (der Master-Abschluss ist schwerer/anspruchsvoller, die Noten werden dabei eher schlechter).

Keinesfalls kann es zur Regel werden, dass alle Bachelors (FH) anschließend ihren Master machen. Das war niemals gewollt!

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2141
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 28
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-07-13

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