Heiko Mell

Diplomarbeit hier oder woanders?

Ich bin 25 und studiere im zehnten Semester … an der TU Dresden. Zu Beginn des elften Semesters möchte ich meine Diplomarbeit beginnen und beenden (Möchten Sie nicht! Beginnen „zu Beginn“ des elften Semesters schon, aber beenden zu Beginn dieses Semesters eher noch nicht, d. Autor).

Ich bin mir sicher, dass ich sie in einem größeren Unternehmen (z. B. auch bei einem Zulieferer oder Mittelständler) schreiben möchte und nicht in meinem Institut. Und genau da liegt das Problem.
Da ich nach dem Studium gern im Raum Dresden in meiner Branche als Konstrukteur tätig werden will und es hier aber nur begrenzt größere Firmen gibt (vielleicht drei bis fünf), könnte es also schwierig werden, später hier eine entsprechende Anstellung zu finden, wenn ich keine vorherigen Berührungspunkte zu einem dieser Unternehmen habe.

Deswegen dachte ich mir, die Diplomarbeit als Eintrittskarte und für meine Vorstellung in einer von mir gewählten Firma zu nutzen und von dieser eventuell übernommen zu werden. Andererseits wäre es meiner Meinung nach gut, mit der Diplomarbeit noch einmal etwas Erfahrungen von weiter außerhalb zu bekommen und einfach „noch mal raus“ zu kommen. Nun habe ich Entscheidungsschwierigkeiten.

Antwort:

Ich rate Ihnen zunächst, den Versuch aufzugeben, die deutsche Sprache durch eine radikale Kleinschreibung (hier nicht abgedruckt) zu revolutionieren. Das ist unhöflich, denn es erschwert dem kundigen Empfänger das Lesen und Sie üben etwas ein, das keine Zukunft hat – auch nicht in Ihrer Diplomarbeit. Sie haben schon Schwierigkeiten mit das/dass (im Abdruck korrigiert), schaffen Sie keine unnötigen neuen.

Wenn etwas „knirscht“ in einem System, wenn sich scheinbar unlösbare Probleme ergeben – dann macht vermutlich der Bediener (Fragesteller) etwas falsch. Hier liegt es auf der Hand: Was stört, ist Ihr Wunsch, nach einem TU-Studium am Studienort zu verbleiben. Sie sind jung, die Welt steht Ihnen offen, alle reden von Globalisierung – gehen Sie also wenigstens bis München oder Hamburg. Die Regel lautet: Ein Akademiker, der seine Chancen und sein Potenzial nutzen will, soll sich nicht auf einen bestimmen Ort konzentrieren, schon gar nicht am Berufsanfang.

Natürlich werden Sie diese verblüffend einfache Lösung nicht hören (lesen) wollen, aber deshalb ist sie nicht weniger richtig.

Also rate ich: Machen Sie Ihre Diplomarbeit irgendwo in Deutschland beim renommiertesten Unternehmen Ihrer Zielbranche, welches Sie „bekommen“ können, das nützt Ihnen vermutlich noch in fünf Jahren etwas. Und dann sehen Sie in Ruhe weiter. Vor allem gehen Sie weit weg von Dresden (nicht wegen Dresden, sondern aus Prinzip).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1946
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-07-29

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI-Nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI-Nachrichten.

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