Heiko Mell

Studentenverbindung und Persönlichkeitsbildung

Nach Beendigung meines Arbeitslebens drängt es mich geradezu, Ihnen meine Anerkennung für Ihre „Karriereberatung“ auszusprechen. Als leitender Angestellter in zwei Großunternehmen habe ich eine Arbeitswelt erlebt, die von Ihnen so treffend geschildert wird, dass ich in Diskussionen mit Berufsanfängern oft auf Ihre Argumente zurückgreifen konnte und auch in Zukunft noch werde. Hierzu mein aufrichtiger Dank und gleichzeitig meine Bitte an Sie, nicht nachzulassen in Ihrem Bemühen, den Stellenwert von fehlerfreien Schriftstücken zu betonen.

Kürzlich hatten Sie um Anregungen gebeten, wie man Studenten während ihrer Ausbildung zu mehr Praxisnähe verhelfen kann. Der Ratschlag, der mir ad hoc dazu einfällt, wird allgemein wohl eher mit Befremden aufgenommen: „Tretet in eine Studentenverbindung ein!“ Ich selbst habe auf diese Weise in meiner Clausthaler Studienzeit wichtige Impulse zu meiner Persönlichkeitsbildung bekommen (u. a. Gemeinschaftsgefühl, Rhetorik, Argumentation, Übernahme von kleinen Verantwortungsbereichen). Und wenn ältere Corps- oder Bundesbrüder dem studentischen Nachwuchs Tipps geben, dann ist das keine Protektion, wie Außenstehende oft vermuten, sondern wir haben es auch hier mit einer Karriereberatung à la Heiko Mell zu tun. Im Übrigen führt eine Mitgliedschaft in einer studentischen Vereinigung eher zu einer unterdurchschnittlichen Studiendauer.

Antwort:

Danke für Ihre Anerkennung. Den (mitunter zweifelnden) Lesern hilft es, wenn gestandene Führungskräfte aus der Praxis heraus bestätigen, dass „es“ tatsächlich „so“ ist.

Die studentischen Verbindungen sollen hier kein Grundsatzthema sein. Dann müsste man sich mit ihrer Historie, ihren Zielen und den Wegen dorthin auseinandersetzen, was ich hier weder kann noch will. Außerdem würde das Emotionen wecken – das Thema wirkt polarisierend. Aber keinerlei Zweifel habe ich, nachdem ich selbst nirgendwo Mitglied bin oder war, aber viele „alte Herren“ kennen lernen konnte, an diesen beiden Aspekten:

1. Netzwerke (Leute kennen, möglichst wichtige, möglichst viele, auf die man zurückgreifen kann) sind im Leben extrem wichtig. Diese Mitgliedschaft verhilft zu einem solchen Netzwerk, das dann durch weitere ergänzt und vergrößert werden muss.

2. Der persönlichkeitsbildende Aspekt ist unbestreitbar. Vielleicht ist durch die Verbindungsarbeit auch schon einmal ein „zartes Gemüt“ negativ beeinflusst worden, aber generell schult das Mitwirken dort ziemlich genau das, was Sie aufführen.

PS. Dies ist keine Förderung des Corps- oder Burschenschafts-Gedankens, das liegt mir fern. Ob der einzelne Student die Ziele und die z. T. ungewohnt wirkenden Rituale dieser Organisationen mitträgt, muss er selbst entscheiden, das steht hier nicht im Mittelpunkt.

Frage-Nr.: 1811
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-12-04

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